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Prof. Dr. Thomas Gruber

Der ehemalige Intendant des Bayerischen Rundfunks im Interview

Prof. Dr. Thomas Gruber, geb. 1943 in Eislingen/Fils, studierte von 1964 bis 1969 Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg und promovierte anschließend. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent erforschte er das berufliche Selbstverständnis von Journalisten.

Ich freue ich mich jedes Mal auf den Besuch meiner alten Alma Mater.

Bis 1981 war Prof. Gruber Medienreferent in der Staatskanzlei der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Seine Laufbahn beim Bayerischen Rundfunk begann er 1981 als Assistent des damaligen Fernsehdirektors Prof. Helmut Oeller.

Ab 1984 leitete er die Redaktion Familie im Programmbereich Familie und Serie im Fernsehen des Bayerischen Rundfunks, ehe er 1986 zum Leiter der Hauptabteilung Intendanz und 1990 zum Leiter des Studios Franken in Nürnberg berufen wurde. Von 1995 bis 2001 war er Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks. Ab Januar 2002 war Prof. Dr. Thomas Gruber Intendant des Bayerischen Rundfunks und war in den Jahren 2005 und 2006 ARD-Vorsitzender.

Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes, des Bayerischen Verdienstordens sowie der Bayerischen Verfassungsmedaille in Silber. Prof. Bis Februar 2011 war er Mitglied des Hochschulrats der Universität Erlangen-Nürnberg sowie des Senats der Max-Planck-Gesellschaft.

Herr Prof. Gruber, Sie haben Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Technischen Hochschule Stuttgart und an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg studiert. Welche Gründe waren ausschlaggebend für Ihr Studium an unserer Universität und was bewog Sie zu Ihrem Studienortwechsel von Stuttgart nach Nürnberg?

Offen gesagt waren das damals eher niedrige Beweggründe. Ich fand Nürnberg schöner als Stuttgart, Essen und Trinken war preiswerter und neben Mannheim hatte die WiSo bei uns Schwaben den besten Ruf. Dass die Fakultät diesem Ruf aus meiner Sicht dann auch gerecht wurde, kann ich rückblickend heute ohne Einschränkung sagen.

An welches Ereignis aus Ihrer Studienzeit erinnern Sie sich immer wieder gerne zurück?

Natürlich an das Examen mit einem überraschend guten Ergebnis und der Folge, an mehreren Lehrstühlen eine Assistentenstelle angeboten zu bekommen. Aber auch an Fußballspiele, in denen man ordentliche Professoren für unordentliche Leistungen auf dem Platz in einschlägiger Terminologie tadeln durfte. Letztlich war meine ganze Studienzeit in Nürnberg eine ausgesprochen glückliche.

Welche Bedeutung würden Sie Ihrem Studium für Ihren späteren Berufsweg in der Medienbranche beimessen?

Ich glaube, es ist wichtiger, dass man studiert, als was man studiert. Natürlich hat mir mein Studium das nötige betriebswirtschaftliche Wissen vermittelt, um heute ein Unternehmen wie den Bayerischen Rundfunk leiten zu können.

Was ich an der WiSo aber auch gelernt habe, ist die Fähigkeit, strukturell zu denken, Probleme methodisch anzugehen und über den Tellerrand der eigenen Fachrichtung hinauszublicken. Diese Qualifikationen sind aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig wie fachliche Kompetenz.

Sie sind Intendant des Bayerischen Rundfunks und prägen seit vielen Jahren die Medienlandschaft. Was begeistert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?

Die mir gegebenen Möglichkeiten sinnvoll einsetzten zu können. Ich glaube, für mich ist Arbeit intrinsisch motivierend.

Wie sammeln Sie Energie für neue Taten?

Nicht im Liegestuhl. Ich kann nicht nichts tun. Die Berge helfen mir zu jeder Jahreszeit.

Sie sind der Universität Erlangen-Nürnberg nach wie vor verbunden und unterstützen sie als Mitglied des Hochschulrats. Was bedeutet diese Tätigkeit für Sie?

Als ehemaliger Student der Uni, Mitglied dieses Gremiums zu sein, betrachte ich als Ehre. Ich freue ich mich jedes Mal auf den Besuch meiner alten Alma Mater. Und wenn ich dazu beitragen kann, Rang und Ruf der Uni zu erhalten oder gar zu verbessern, dann würde mich das sehr freuen.

Wo sehen Sie die besonderen Stärken der Universität Erlangen-Nürnberg?

Sie ist in der Lage, hellwach auf die Erfordernisse der Zeit zu reagieren. Das ist aber auch notwendig, um heute im internationalen Wettbewerb der Wissensvermittlung bestehen zu können.

Die Hochschullandschaft in Deutschland befindet sich zur Zeit in einem Umbruch, dem sich auch eine traditionsreiche Universität wie die Universität Erlangen-Nürnberg nicht entziehen kann. Welche Chancen sehen Sie für die Universität Erlangen-Nürnberg und welchen Rat würden Sie ihr für den Reformprozess mit auf den Weg geben?

Wie sich aus der Antwort auf die obige Frage ergibt, gebe ich ihr gute Chancen. Einen Rat brauche ich nicht geben, weil ich den eingeschlagenen Weg der inneren Erneuerung für richtig halte.

Welchen Tipp würden Sie heutigen Studierenden für ihren Berufsweg geben?

Sie sollten das studieren, was Sie interessiert und ihnen Spaß macht. Denn was man gerne macht, das macht man meistens gut. Und wenn man gut ist, wird das auffallen. Damit ist eine wesentliche Voraussetzung für einen erfolgreichen Berufsweg geschaffen.

Verraten Sie uns Ihr Lebensmotto?

Wenn der Klügere nachgibt, hat der Dumme das Sagen.

Vielen Dank für das Interview.

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