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Prof. Dr. Dr. Harald zur Hausen

Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Harald zur Hausen

Der Nobelpreisträger im Interview

Harald zur Hausen, geb. am 11. März 1936, leitete von 1972 bis 1977 das Institut für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als Gründungsdirektor baute er das Institut zu einer international anerkannten Forschungsstätte in der Virologie aus.

In seiner Erlanger Zeit hat Professor zur Hausen einen ersten Sonderforschungsbereich zur Methodenforschung für die Früherkennung von Krebs gegründet. Auch nach seinem Weggang von Erlangen blieb er der Universität verbunden: Von 1998 bis 2002 war er Mitglied im Hochschulrat, 2002 wurde er zum Ehrensenator ernannt. Für seine Verdienste und seine langjährigen wissenschaftlichen Verbindungen zur Universität wurde ihm 2005 die Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät verliehen.

Erlangen war von entscheidender Bedeutung für meinen Karriereweg

Prof. zur Hausens Wissenschaftsschwerpunkt ist die Erforschung infektionsbedingter Krebserkrankungen. Ihm gelang u.a. der Nachweis, dass Gebärmutterhalskrebs durch Viren ausgelöst wird. Seine Forschung ermöglichte die Entwicklung eines Impfstoffs gegen diese verbreitete Tumorart bei Frauen.

In seiner wissenschaftlichen Laufbahn erhielt Prof. zur Hausen, zuletzt wissenschaftlicher Direktor und Vorsitzender des Stiftungsvorstandes des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, zahlreiche hochrangige Auszeichnungen und Ehrendoktorwürden renommierter Universitäten.

Er ist Ehrenmitglied in einer Reihe von nationalen und internationalen wissenschaftlichen Akademien sowie von internationalen wissenschaftlichen Gesellschaften. Die Verleihung des Nobelpreises für Medizin 2008 markiert den Höhepunkt seiner Karriere.

Herr Prof. zur Hausen, in Ihrem Lebenslauf offenbaren sich schon frühzeitig großer Wissensdrang und Beharrlichkeit: Sie haben zunächst Medizin und Biologie parallel studiert. Wie gelang es Ihnen, den hohen Anforderungen eines Doppelstudiums gerecht zu werden?

Die ganztägigen Praktika in der Biologie und der Tagesablauf in der Medizin machten es mir sehr schwer, beide Studiengänge miteinander zu vereinbaren. Insgesamt habe ich das zwar recht gut geschafft, aber als ich nach dem Physikum nach Hamburg wechselte, konnte ich an einem Mikrobiologie-Kurs, der mir sehr wichtig war, nicht teilnehmen, weil der Kursleiter keine Studenten mit Doppelstudium akzeptieren wollte.

Das hat mich sehr geärgert und enttäuscht, schließlich habe ich mich aber dann für die Medizin entschieden und die Biologie aufgegeben, was letztlich auch eine Erleichterung für die Fortführung meines Studiums bedeutete.

Sie haben sich in Ihrer Dissertation mit einem eher trivial klingenden Thema, nämlich Bohnerwachse, beschäftigt. Wie kamen Sie ausgerechnet auf dieses Thema?

(lacht) Ja, dazu gibt es eine nette Geschichte: Vor einiger Zeit kam eine Studentin aus Düsseldorf auf mich zu und meinte zu mir, sie habe meine Doktorarbeit im Archiv aufgestöbert. Sie versprach mir schmunzelnd, auch bestimmt niemandem weiterzuerzählen, dass ich meine Dissertation dem Thema Bohnerwachse gewidmet habe. Ich erwiderte ihr, sie könne ruhig verraten, dass ich ein „Bohnerwachs-Doktor“ bin, es gebe keinen Grund, das zu verbergen.

Letztlich bin ich durch einen skurrilen Zufall zu den Bohnerwachsen gekommen, denn eigentlich wollte ich mich in meiner Dissertation mit der Tropenmedizin beschäftigen. Es kam aber anders, und mein Doktorvater trug mir schließlich das Thema Bohnerwachse an, ein Thema, das mich weder sonderlich begeisterte, noch interessierte. Da ich mir aber nicht leisten konnte, noch länger zu warten, habe ich das Thema angenommen.

Und was haben Sie herausgefunden?

Dass Bohnerwachse bakterizid wirken. Die Fußböden in Tuberkuloseheilstätten wurden häufig mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Einige Bohnerwachse entwickeln dadurch eine bakterizide Wirkung und können sogar Tuberkelbakterien abtöten.

Sie waren ja zunächst als Klinikarzt tätig, bevor Sie sich der Forschung zuwandten. Wie wurde Ihr Interesse an der Krebsforschung und der Virologie geweckt?

Das Ziel, in die Forschung zu gehen, hatte ich schon während des Studiums. Die Vermutung, Infektionen könnten eine Rolle bei der Krebsentstehung spielen, war schon damals mein Leitmotiv.

Aber der Wechsel vom aktiven, engagierten Leben als Klinikarzt in die Forschung fiel mir anfangs extrem schwer. Ich war ja als Gynäkologe tätig gewesen, die Arbeit war anstrengend, machte mir aber viel Freude. Im Gegensatz dazu empfing mich in der Forschung lähmende Langeweile, ich bekam wenig Anregung und Unterstützung für meine Vorhaben. Das änderte sich erst später.

Ihr Weg führte Sie 1972 auch nach Erlangen, wo Sie mehrere Jahre das Institut für Virologie geleitet haben. Welche Bedeutung hatte Erlangen für Ihren Karriereweg?

Erlangen war von entscheidender Bedeutung für meinen Karriereweg, denn ich konnte mir dort meine eigene Mannschaft zusammenstellen, erhielt eine beispielhafte, außergewöhnliche und deutschlandweit einmalige Unterstützung durch den damaligen Rektor Nikolaus Fiebiger und Kanzler Kurt Köhler und konnte die Erforschung der Papillomviren als neues Arbeitsgebiet in der Krebsforschung aufbauen.

Die in Erlangen geleistete Arbeit war für meine weiteren Forschungen extrem wichtig. Ich denke immer noch mit großer Freude an Erlangen zurück. Im Nachhinein habe ich sogar bedauert, dass ich damals von Erlangen weggegangen bin.

Welche persönlichen Voraussetzungen, aber auch welche Arbeitsbedingungen sind aus Ihrer Sicht erforderlich, um so exzellente Forschungsergebnisse erzielen zu können, wie sie Ihnen gelungen sind?

In erster Linie gute Laboratoriumsmöglichkeiten und eine Leitidee, die man mit Ausdauer und Intensität verfolgt. Aber ohne die Erlanger Vorarbeiten hätte ich die weiteren Forschungserfolge sicher nicht erzielen können.

Hat sich seit der Nobelpreisverleihung etwas für Sie verändert?

Mein Leben hat sich seit der Nobelpreisverleihung tatsächlich verändert. Ich werde überflutet von Briefen und E-Mails, von Einladungen für Vorträge und erhalte zahlreiche Bitten, Vorworte von Büchern zu verfassen. Das gesamte Zentrum in Heidelberg, all die über zweitausend Mitarbeiter hier haben großen Anteil genommen, sich mit mir gefreut und mir zum Teil mit Tränen in den Augen gratuliert. Das war sehr bewegend und hat mich sehr beeindruckt.

Bleiben einem Forscher nach der Verleihung der weltweit höchsten Auszeichnung noch Wünsche offen?

Weiter an der infektionsbedingten Krebsentstehung zu forschen, das ist mir nach wie vor ein Anliegen.

Herr Prof. zur Hausen, herzlichen Dank für das Interview!
Gerne, und richten Sie meine besten Grüße nach Erlangen aus!

Interview: Martina Weber (August 2009)

 

Weitere Infos und Links:

Video der Nobelpreiszeremonie vom 10.12.2008 und der Rede zur Nobelpreisverleihung

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