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„Letztlich eine Modeerscheinung“

Prof. Dr. Georg Seiderer (Bild: privat)

Prof. Dr. Georg Seiderer (Bild: privat)

Es sind der „Trend zur sexy Tracht“ oder die „Sehnsucht nach Gemütlichkeit“, die dem auffällig gestiegenen Trend zum Trachtentragen auf dem Oktoberfest zugeschrieben werden. Dirndl und Lederhosen sind spätestens in diesem Jahr absolut angesagt. Den Ansturm gerade der jüngeren Generation auf die traditionelle volkstümliche Kleidung – nicht nur auf dem Oktoberfest – ordnet Prof. Dr. Georg Seiderer vom Lehrstuhl für bayrische und fränkische Landesgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein.

Obwohl das Tragen von oberbayerischer „Tracht“ oder Trachtenmode auf dem Oktoberfest auch in den 1970er und 1980er Jahren beobachtet werden konnte und der Münchner Trachtenmodenhersteller Loden-Frey bereits 1968 mit der Verbindung von „Tracht“ und Oktoberfest gezielt für seine Produkte warb, ist das „Phänomen Wiesntracht“ (Simone Egger) ein recht neues Phänomen. In den 1990er Jahren setzte der Trend ein, daß gerade junge Leute beiderlei Geschlechts zunehmend in Dirndl und Lederhosen auf die „Wiesn“ gingen, ein Trend, der sich seither ungebrochener Beliebtheit erfreut und das Erscheinungsbild der Besucherinnen und Besucher zu dominieren scheint.

In den letzten Jahren läßt er sich zunehmend auch auf fränkischen Kirchweihen beobachten – so etwa auf der Erlanger Bergkirchweih, weit weniger etwa auf der Fürther Michaeliskirchweih. Mit Identifikationsbedürfnissen scheint mir dieser Trend nur wenig zu tun zu haben, auch wenn ich sie im Einzelfall durchaus nicht ausschließen möchte. Mit Blick auf die Masse der auswärtigen, „zugereisten“ oder einheimischen Volksfestbesucherinnen und -besucher in Dirndl oder Lederhose würde ich aber eher von einer anlassgebundenen Kostümierung oder Verkleidung sprechen, die insofern ein gewissermaßen karnevaleskes Element besitzt, bei beiden Geschlechtern „sexy“ wirken soll und einen Spaßfaktor darstellt: Letztlich handelt es sich um eine Art Modeerscheinung.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Georg Seiderer
Tel.: 09131/85-22789
Georg.Seiderer@gesch.phil.uni-erlangen.de

Imagefilm der Friedrich-Alexander Universität

Vorsprung durch Vernetzung - Der Imagefilm der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

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