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„Obama zeigte sich angriffslustiger“

Dr. Reimar Zeh (Bild: privat)

Dr. Reimar Zeh (Bild: privat)

Im US-Wahlkampf geht es zur Sache: Beim TV-Duell gestern Nacht machten Amtsinhaber Obama und Herausforderer Romney beide eine gute Figur. Warum der gegenwärtige US-Präsident dennoch als Sieger aus dem Duell hervorging und was die Schlüsselszenen waren, das analysiert Dr. Reimar Zeh, Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg.

„Nach seinem enttäuschenden Auftritt bei der ersten Fernsehdebatte im US-Präsidentschaftswahlkampf präsentierte sich Präsident Obama heute Nacht frischer und wesentlich konzentrierter. Auch wenn der Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, eine solide Performance ablieferte, zeigte sich Obama angriffslustiger.

Zwei Schlüsselszenen werden wohl in der Interpretation der Debatte nachwirken: Auf die Frage, was Romney für die Gleichstellung der Frau in seinem Kabinett getan habe, antwortete er umständlich und ließ sich zu dem Satz hinreißen, man habe ihm ganze „Ordner voller Frauen gebracht“ (binders full of women). Damit hat er sicher nicht bei Frauen punkten können, die ohnehin mehrheitlich Obama bevorzugen. Der andere Schlüsselmoment war Romneys Versuch, dem Präsidenten vorzuwerfen, er habe die Anschläge auf die US-Botschaft in Libyen heruntergespielt. Obama konnte jedoch darauf verweisen, dass er bereits am Tag nach dem Anschlag von Terrorismus gesprochen hat, was ihm sogar die Moderatorin Candy Crowley (CNN) bestätigte. Romney verlor danach seine Linie und wirkte unsicherer im Vergleich zu Obama.

Dass Obama besser war, zeigten nicht nur Blitzumfragen, sogar konservative Medien sehen Obama als Sieger. Vorwürfe, dass die Moderatorin und das Publikum auf Obamas gestanden hätten, deuten auf eine gewisse Nervosität im konservativen Lager hin. Wahlentscheidend war die Debatte sicher nicht – aber sie wird der Kampagne des Präsidenten neuen Schwung geben. Hierbei ist entscheidend, dass sich die Sicht, Obama habe das Duell gewonnen, in den Medien festsetzt.

Der Mythos der wahlentscheidenden Rolle der TV-Debatten speist sich aus der Konfrontation zwischen Kennedy und Nixon 1960. Kennedy bereitete sich damals besser auf das neue Medium Fernsehen vor, er ließ sich z. B. schminken und wirkte so frischer und gesünder als Nixon. Dass man Debatten gar nicht gewinnen muss, um von Ihnen zu profitieren, zeigte George W. Bush 2000. Ihm reichte es, die an ihn gestellten (geringen) Erwartungen zu übertreffen, um in der Wählergunst zuzulegen. Auch 2004 punktete der Herausforderer Kerry in den Debatten, was aber nicht reichte, um Bush aus dem Amt zu verdrängen.“

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