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Was bringt die Zeitumstellung wirklich?

Philipp Dees (Bild: FAU)

Philipp Dees (Bild: FAU)

In der Nacht zum Sonntag endet die Sommerzeit und die Uhr wird wieder eine Stunde zurückgedreht. Im Jahr 1979 wurde die Zeitumstellung eingeführt, um Energie zu sparen. Welchen energiewirtschaftlichen Nutzen die Zeitumstellung tatsächlich hat, erläutert Philipp Dees, Doktorand am Institut für Wirtschaftswissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Die Überlegung damals: Bei der „normalen“ Zeit wird es im Sommer hell, bevor die meisten Menschen aufstehen, und abends bereits dunkel, bevor die meisten schlafen gehen. Wenn man einfach den Tag um eine Stunde nach vorne verschiebt, ist es beim Aufstehen immer noch hell, abends aber nun auch. Es wird also weniger Beleuchtung und damit weniger Strom benötigt.

Bestätigt hat sich diese Überlegung nicht. In Deutschland macht die Beleuchtung weniger als zwei Prozent des gesamten Energieverbrauchs aus. Deshalb ist die Einsparung durch die „Vorverlegung“ des Tages vernachlässigbar klein. Andererseits ist zu beobachten, dass durch die Verschiebung des Tages im Frühjahr und Herbst mehr geheizt wird: Wenn die Menschen eine Stunde früher aufstehen, ist es noch kälter, und daher müssen die Heizungen laufen. Dieser Effekt ist auch nicht groß, gleicht aber die Einsparung bei der Beleuchtung aus.

Die bei weitem meiste Energie in Deutschland – und auch ansonsten in Europa – wird in der Industrie und im Handwerk verbraucht. Dort ist es aber weitgehend gleich, ob Sommer- oder Winterzeit gilt: Produziert und Energie verbraucht wird zu immer gleich langen Betriebszeiten.

Denkbar wäre allerdings, dass die Zeitumstellung zu sinkenden Stromkosten führen könnte: Der Preis konventionellen Stroms richtet sich nach der Nachfrage – tagsüber ist er also teurer. Solarenergie kostet unabhängig von der Nachfrage immer gleich viel – durch die Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Je mehr sich also die Zeiten, in denen die Menschen aktiv sind mit den Sonnenstunden decken, desto mehr Solarenergie könnten sie nutzen. Dieser Einspareffekt lässt sich aber bisher noch nicht belegen. Das liegt an der relativ geringen Menge des Stroms, der zurzeit in Solaranlagen erzeugt wird: 2011 machten Solaranlagen nur 3,2 Prozent der deutschen Stromproduktion aus, am gesamten Energieverbrauch lag der Anteil der Solarenergie bei etwa einem Prozent.

Zur Energieeinsparung oder besseren Energienutzung führt die Zeitumstellung also nicht. Einen Vorteil hat sie trotzdem: Im Sommer ist es abends länger hell und damit auch länger warm. Das erlaubt es uns abends mehr im Freien zu unternehmen: seien es lauschige Besuche im Biergarten, Sport, Grillrunden mit Freunden oder nur gemütliche Abende auf dem heimischen Balkon.

Weitere Informationen:

Philipp Dees M.A
Tel.: 09131/85-22381
philipp.dees@wiwi.phil.uni-erlangen.de

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