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Jean Paul schwärmte vom Erlanger Bier

FAU und Stadt Erlangen würdigen Dichter mit Veranstaltungen

Er besuchte Erlangen immer wieder und unterhielt enge Kontakte zu den Professoren und Studenten der Universität: der große fränkische Romancier Jean Paul. Zum 250. Geburtstag des  Dichters hat die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit der Stadt Erlangen ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm aufgelegt, um das Jubiläum gebührend zu feiern. Für das Jahr 2013 ist eine Vielzahl von Projekten in Planung.

Zunächst soll am eigentlichen Geburtstag des Dichters eine spezielle, etwa drei Meter hohe Litfaßsäule enthüllt werden, die ganz  Jean Paul gewidmet ist: Geschmückt mit Bildern, Zitaten und Texten des Dichters soll sie – so sehen es die Pläne vor – zunächst in der Oberen Karl-Straße in Erlangen neben dem Altbau der Universitätsbibliothek aufgestellt werden und dort alle Vorübergehenden an das große Jubiläum erinnern. Während des Poetenfests wird sie dann plangemäß in den Schlossgarten umziehen. Der Clou: Nicht allein in Erlangen ist eine solche Säule vorgesehen – in fast 30 Orten in Deutschland, an denen Jean Paul gelebt und gewirkt hat, wird gleichzeitig ein solches Monument errichtet.

Ebenfalls am Geburtstag des Dichters stellen Prof. Dr. Gunnar Och, Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte, und der Sprecher Christoph Grube, ihr neues Hörbuch  Jean Paul – Weltverlachung und entgrenzte Liebe“ vor, das nach dem bewährten Konzept einer Kombination von Rezitation (Christoph Grube) und literaturwissenschaftlicher Kommentierung (Prof. Och) aufgebaut ist.

Zu den Highlights gehört auch die für das gesamte Sommersemester 2013 geplante Ringvorlesung, zu der die beiden Organisatoren Prof. Och und Prof. Seiderer namhafte Wissenschaftler aus ganz Deutschland eingeladen haben – darunter Koryphäen wie den Literatur- und Kunstwissenschaftler Norbert Miller, den Philosophen und Literaturwissenschaftler Wilhelm Schmidt-Biggemann, den großen Jean-Paul-Biographen Prof. Dr. Helmut Pfotenhauer, dessen Werk über Jean Paul ebenfalls passend zum kommenden Jahr erscheint, oder Prof. Dr. Martin Ullrich, Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg, der seine populären Vorträge üblicherweise mit Musik umrahmt. Auch Ort und Zeit sollen diesmal etwas Besonderes sein: Die Universität stellte den Wassersaal der jüngst renovierten Orangerie zur Verfügung, als Format wählten die Veranstalter diesmal eine „Sonntags-Matinee“, um nicht nur Studierende und Wissenschaftler, sondern auch ein breiteres Publikum ansprechen zu können.

Vom Geburtstag bis in den späten Sommer hinein wird eine umfangreiche Ausstellung in der Universitätsbibliothek zu sehen sein, aus der hervorgeht, wie eng die Kontakte von Jean Paul zu Erlangen tatsächlich waren. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick: Nach einem ersten Besuch moniert er in einem Brief die Unfreundlichkeit der Erlanger Gastwirte und macht sich über die monotone Architektur lustig. Allerdings kannte er zu diesem Zeitpunkt noch niemanden an der „Alexandrinischen Universität“, wie er sie nannte – später sollten ihn seine Kontakte und Freundschaften öfter nach Erlangen locken und mit der Stadt versöhnen. Worüber sich Jean Paul freilich schon früh wohlwollend äußerte war „die heilsame Wirkung des Erlanger Biers“, wie er in einem Brief an seine Frau schreibt. Es galt ihm als das zweitbeste Bier überhaupt – gleich nach dem Gerstensaft aus Bayreuth, seiner Heimatstadt. Besonders denkwürdig – vielleicht nicht aus literarischer, aber gewiss aus kulinarischer Sicht war ein Besuch im Juni 1811: Zu der Zeit besucht Jean Paul die „Pfingstkirchweih“ – wie der „Berg“ damals offiziell hieß – , traf sich unter anderem mit dem Historiker Johann Georg Meusel und dem Naturphilosophen Gotthilf Heinrich Schubert, außerdem speiste er mit der Markgräfin Sophie Karoline zu Mittag. Zum letzten Mal reiste er am 1. September 1824 nach Erlangen, wo der Augenarzt Dr. Franz Reisinger bei seinem prominenten Patienten grauen Star diagnostizierte.

Zahlreiche Briefe, die er aus Erlangen schrieb, weisen auf die engen Beziehungen zur Stadt und seinen Verkehr in ihren literarischen und philosophischen Zirkeln hin, etwa im Heim von Schelling. „Ich war in Erlang in einem geistreichen Zirkel sogenannter ‚Verehrer‘ und ‚Schlegeliten‘, schrieb er da etwa.

Wer die Ausstellung nicht besuchen kann und sich die Begegnungen Jean Pauls in Erlangen lieber erklären lassen möchte, sollte an den Stadtspaziergängen teilnehmen, die die Erlanger Historikerin Sylvia Ostertag-Henning auf den Spuren Jean Pauls anbietet: Sie führt die Teilnehmer durch die Stadt zu den Orten, an denen Jean Paul gewesen ist – wie etwa dem Gasthof „Blaue Glocke“, an dem er bei seinem ersten Besuch abstieg –, nimmt die Tour aber vor allem auch zum Anlass zu erklären, wie Erlangen um 1800 als kultureller Ort aussah: eine Stadt mit um die 10.000 Einwohnern, die in kurzer Folge drei Herrschaften – die preußische, die napoleonische und die bayerische – erlebte.

Höhepunkt der Veranstaltungsreihe zum Jean-Paul-Jahr wird schließlich das Erlanger Poetenfests sein, wo der große Autor mit Lesungen und Gesprächen ausführlich gewürdigt werden soll. Als ganz besonderes Spektakel ist außerdem geplant, einen Fesselballon im Schlossgarten aufsteigen zu lassen, aus dessen Gondel „Des Luftschiffers Gianozzo Seebuch“ ertönen soll – ein fulminanter Text Jean Pauls, der die Welt der Kleinbürger und Philister verspottet und das buchstäblich „von oben herab“.

Die Veranstaltungen im Überblick:

  • 21. März 2013, 19:30 Uhr: Einweihung der Jean-Paul-Säule in zentraler Lage
  • 21. März 2013, 20 Uhr: Vorstellung des Hörbuchs „Jean Paul – Weltverlachung und entgrenzte Liebe“
  • Sommersemester 2013: Ringvorlesung mit dem Titel „Jean Paul, der Fremde“, Beginn: Sonntag, 21. April 2013, 11.15 Uhr im Wassersaal der Orangerie
  • 29. August bis 1. September 2013: Erlanger Poetenfest mit Jean-Paul-Schwerpunkt
  • Freitag, 30. August 2013, 18:30 Uhr: Eröffnung der Jean-Paul-Ausstellung im Musiksaal der Orangerie
  • Ganzjährig: Stadtspaziergänge auf den Spuren Jean Pauls mit Sylvia Ostertag-Henning

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Gunnar Och
Tel.: 09131/85-22464 oder 85-22421
gunnar.och@rzmail.uni-erlangen.de

Prof. Dr. Georg Seiderer
Tel.: 09131/85-22789
georg.seiderer@gesch.phil.uni-erlangen.de

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