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Verdampfende Felsbrocken und Schneebälle mit Schleppe

Prof. Dr. Ulrich Heber

Prof. Dr. Ulrich Heber (Bild: FAU/Zapf)

Himmelskörper, die die Erdbahn kreuzen, rufen stets eine Mischung aus Faszination und Furcht hervor. Wann Sterngucker sich sorglos der Bewunderung hingeben dürfen und wie es heute um den Schutz vor Meteoriteneinschlägen steht, erklärt Prof. Dr. Ulrich Heber vom Astronomischen Institut der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU).

Am 15. Februar 2013 wurde es eng im erdnahen Raum. Die Explosion eines Kleinstplaneten über der russischen Millionenstadt Tscheljabinsk richtete verheerende Schäden an und beherrschte die Medienberichte. Wenige Stunden später flog ein 10- bis 20-mal so schwerer Asteroid in nur 28.000 Kilometern Abstand an der Erde vorbei, verfehlte sie also, für astronomische Verhältnisse, um Haaresbreite. Er tauchte noch unter die Umlaufbahnen derjenigen Satelliten, die aus unserer Sicht fest am Himmel stehen. Trotz seiner bedrohlichen Masse rief dieser Passant viel weniger Medienecho hervor, weil er nichts zerstörte. Die beiden Himmelskörper kamen aus völlig verschiedenen Richtungen und hatten nichts miteinander zu tun. Dass sie innerhalb so kurzer Zeit eintrafen, war Zufall.

Mit schätzungsweise 17 Metern entsprach der Durchmesser des Kleinstplaneten über Russland der Länge eines Lastwagens mit Anhänger. Nicht die Ausmaße, sondern die rasante Geschwindigkeit von 65.000 Kilometern pro Stunde verlieh ihm seine Wucht. Die Gebäudeschäden und Verletzungen in Tscheljabinsk sind fast ausschließlich auf die enorme Druckwelle zurückzuführen, die entstand, als der Ausreißer aus dem Asteroidengürtel in etwa 20 Kilometern Höhe über dem Ural explodierte. Er raste unter einem flachen Winkel in die Erdatmosphäre, lud sich mit Reibungshitze auf und zersprang in einem weißen Lichtblitz. Von seinen 10.000 Tonnen Masse verdampfte das meiste. Ein relativ kleiner Teil erreichte als Meteoritenschauer den Erdboden, weshalb nur wenige Dutzend Bruchstücke gefunden wurden. Unglücklicherweise ging er über dicht besiedeltem Gebiet nieder. Die Erde bietet überwiegend Wasserlandeplätze, deshalb ist der Sturz eines Meteors in den Ozean erheblich wahrscheinlicher.

Wir kennen um die 60.000 Asteroiden im Sonnensystem; die meisten davon kreisen zwischen Mars- und Jupiterbahn. Tatsächlich dürften es mehrere Millionen sein. Etwa alle 100 Jahre ist damit zu rechnen, dass die Erde mit einem gefährlich großen Objekt kollidiert. Können wir ein solches Ereignis voraussehen und uns davor schützen? Wenn der Asteroid, wie in Russland, vergleichsweise klein und sehr schnell ist, bleibt das höchst unwahrscheinlich. Auch die besten Teleskope der Welt hätten einen solchen Körper frühestens zwei Stunden vor dem Auftreffen sichten können – im vorliegenden Fall nicht einmal das, denn der Körper kam fast direkt aus der Richtung der Sonne. Dennoch hätte eine kurzfristige Warnung in Tscheljabinsk vielleicht etwas bewirken können. Viele Menschen wurden durch die Splitter zerberstender Glasscheiben verletzt, weil sie nahe am Fenster standen, um das Schauspiel zu beobachten – darauf hätten sie, wären sie vorbereitet gewesen, wohl verzichtet.

Obwohl seit Menschengedenken noch nie ein so folgenschwerer Einschlag verzeichnet wurde, war der Schaden vergleichsweise gering. Wirklich gefährlich wird es, wenn Himmelskörper von der Klasse des Asteroiden, der im Februar mit einer Stundengeschwindigkeit von 28.600 Kilometer an uns vorbeizog, auf dem Erdboden auftreffen. Der 45 Meter breite und 130.000 Tonnen schwere Gesteinsbrocken hätte einen Krater von 1 Kilometer Breite hinterlassen, mit katastrophalen Folgen für das Leben in weitem Umkreis. Gegenwehr hätten wir leider nicht leisten können, obwohl die Flugbahn des Objekts im voraus recht genau berechnet war. Dasselbe würde für einen Asteroiden wie denjenigen gelten, der beim Einschlag im Nördlinger Ries vor 15 Millionen Jahren einen Krater mit 20 Kilometern Durchmesser hinterließ. Dass wir seine Annäherung über lange Zeit beobachten könnten, wäre uns keine Hilfe.

Zwei andere, seit langem erwartete Himmelserscheinungen dieses Jahres sind bedenkenlos und ganz in Ruhe zu betrachten. Der Komet PANSTARRS zieht eben jetzt an der Erde vorbei. Bei klarem Wetter könnte der Schweifstern ab dem 11. März kurz vor 19 Uhr im Westen, knapp links vom Sonnenuntergangspunkt, mit bloßem Auge zu sehen sein. Am darauf folgenden Abend steht er neben dem Mond, und weitere 24 Stunden später ist sein Schweif auf die schmale Sichel ausgerichtet. Bis Ende März durchläuft PANSTARRS die Sternbilder Fische und Andromeda, erscheint uns aber weniger hell und muss zudem ab dem 19.3. mit dem zunehmenden Mond konkurrieren. Von Ende November bis Anfang 2014 zeigt sich dann der Komet ISON. Er ist als außergewöhnlich hell angekündigt. ISON hat also Aussichten, der Weihnachtsstern des 21. Jahrhunderts zu werden: ein prachtvoller Schweif, der sich in den Dezemberabenden über den Himmel zieht – vorausgesetzt, dass sein eisiger Kern nicht vorher zerbricht.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulrich Heber
Tel.: 0951/95222-14
Ulrich.Heber@sternwarte.uni-erlangen.de

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