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Für jedes Kind eine individuelle Therapie

Elias und seine Mutter haben während ihrer Zeit auf der KMT-Station die Katheterstöpsel von allen Blutentnahmen gesammelt und daraus eine „Schlange“ gebastelt. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Elias und seine Mutter haben während ihrer Zeit auf der KMT-Station die Katheterstöpsel von allen Blutentnahmen gesammelt und daraus eine „Schlange“ gebastelt. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

20 Jahre pädiatrische Stammzelltransplantationseinheit am Uni-Klinikum Erlangen

Wird bei einem Kind oder Jugendlichen eine Leukämie oder eine andere Krebserkrankung, ein schwerer angeborener Immundefekt oder eine schwerwiegende Bluterkrankung diagnostiziert, trifft dies nicht nur die jungen Patienten selbst, sondern auch ihre Angehörigen. In der Kinder- und Jugendklinik (Direktor: Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Rascher) des Universitätsklinikums Erlangen werden diese Familien durch ein breites Angebot von Therapien auf dem aktuellsten Stand der Forschung unterstützt. In diesen Tagen feiert der Bereich Onkologie und Hämatologie (Leiter: Prof. Dr. Markus Metzler) den 20. Geburtstag der Stammzelltransplantationseinheit in der Erlanger Kinder- und Jugendklinik.

Am 13. September 1993 wurde die erste Knochenmarktransplantation in der damals neu eingerichteten pädiatrischen Stammzelltransplantationseinheit durchgeführt. Schon zuvor, Ende der 1980er-Jahre, war der einjährige Onur das allererste Kind, das in Erlangen eine erfolgreiche Stammzelltransplantation erhielt. Er litt unter einem schweren angeborenen Immundefekt. Damals wurde der Junge noch in den Räumlichkeiten der inneren Medizin behandelt. Seitdem haben die Ärzte, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen mehr als 250 Patienten mit einem breiten Spektrum an lebensbedrohlichen Erkrankungen durch eine Stammzelltransplantation behandelt.

 

„Noch vor 20 bis 30 Jahren starben – mangels Therapiemöglichkeiten – fast 80 Prozent der Patienten mit Tumorerkrankungen“, erinnert sich Prof. Dr. Jörn-Dirk Beck, der die Stammzelltransplantationseinheit damals als Leiter auf den Weg brachte. „Dank Forschung und Weiterentwicklung von Behandlungsoptionen haben sich die Zahlen umgedreht: Heute überleben 80 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen.“ Dies ist nicht zuletzt dem großen Engagement der Erlanger Ärzte, Wissenschaftler und Pflegekräfte zu verdanken – klinikübergreifend.

„Die Stammzelltransplantationseinheit ist fest in das Uni-Klinikum Erlangen eingebunden“, erläutert Prof. Dr. Markus Metzler. „Wir arbeiten Hand in Hand mit den Kollegen der Kinderchirurgischen Abteilung, der Strahlenklinik, der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung sowie der Medizinischen Klinik 5 – Hämatologie und Internistische Onkologie. Unsere Patienten profitieren von unseren engen klinikinternen, aber auch von externen Kooperationen.“ Denn die Erlanger Mediziner arbeiten seit vielen Jahren erfolgreich mit der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg sowie anderen Krankenhäusern in der Region zusammen.

Die Stammzelltransplantationseinheit wird als Wilhelm Sander-Therapieeinheit für Hochrisikoleukämien von der Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt. Die Abteilung ist außerdem Teil des onkologischen Spitzenzentrums Comprehensive Cancer Center (CCC) Erlangen-EMN.

Seit der weltweit ersten Knochenmarktransplantation in den 1960er-Jahren wurde diese Therapieform kontinuierlich weiterentwickelt. „So wie wir Patienten unterschiedlichen Alters mit ganz verschiedenen Erkrankungen behandeln, führen wir auch das komplette Spektrum an Stammzelltransplantationen durch, die derzeit möglich sind“, erklärt der Leiter der Einheit, PD Dr. Daniel Stachel. Neben der Übertragung von Knochenmark oder aus Blut gewonnenen Stammzellen eines passenden Geschwister- oder Fremdspenders (allogene Stammzelltransplantation) können die Mediziner heute außerdem Stammzellen aus Nabelschnurblut übertragen.

In bestimmten Ausnahmefällen ist auch die Heilung durch speziell aufbereitete Zellen eines nur teilweise passenden elterlichen Spenders (haploidente Transplantation) möglich. Doch damit geben sich die Erlanger Ärzte und Wissenschaftler nicht zufrieden und forschen weiter – demnächst in umgebauten Räumen: „Wir freuen uns schon sehr darauf, den sogenannten C-Bau der Kinderklinik in der Loschgestraße wieder zu beziehen, der aktuell komplett saniert wird“, sagt Prof. Metzler. „Neben neuen Patienten- und Untersuchungszimmern werden wir darüber hinaus eine zusätzliche Etage mit modernen Labors nutzen können.“

Dank der finanziellen Unterstützung durch die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung werden neben der neuen Stammzelltransplantationseinheit auch die Räume der onkologischen Tagesklinik renoviert und mit dem aktuellsten Stand der Technik ausgestattet: „Die Tagesklinik feiert in diesen Tagen ebenfalls Geburtstag“, ergänzt Stationsärztin Dr. Nora Naumann-Bartsch. „Die beiden Einheiten sind eng miteinander verknüpft und verfolgen gemeinsam das Ziel, unsere schwer kranken Patienten optimal sowie individuell durch die komplette Behandlung zu begleiten – und dazu gehört auch die Nachsorge nach einer Stammzelltransplantation.“

Von Onur bis Elias: eine maßgeschneiderte Therapie für jedes Kind

Knapp 20 Jahre später: Bei Elias wurde Leukämie diagnostiziert und er verbrachte viele Wochen des Jahres 2013 in der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Das Weihnachtsfest haben wir auf der Intensivstation und Elias’ vierten Geburtstag auf der KMT-Station gefeiert“, berichtet Elias’ Mutter. Nach einer erfolgreichen Stammzelltransplantation von einem Fremdspender im Juli darf der kleine Junge nun endlich wieder nach Hause zu seiner Familie nach Baiersdorf. „Mit der Behandlung hier an der Erlanger Kinderklinik sind wir sehr zufrieden“, sagt die Mutter. Keine Frage, dass sie auch für die Nachsorgetermine regelmäßig ans Uni-Klinikum Erlangen kommen werden.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Markus Metzler
Tel.: 09131/85-33117
markus.metzler@uk-erlangen.de

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