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„Ein neuer Spieler ist in erster Linie Mensch“

v.l.n.r.: Siegfried Balleis, Katrin Müller-Hohenstein, Joachim Herrmann, Khalil Bardag, Raphael Schäfer (Bild: Stadt Erlangen)

Siegfried Balleis, Katrin Müller-Hohenstein, Joachim Herrmann, Khalil Bardag, Raphael Schäfer (v.l.n.r.) (Bild: Stadt Erlangen)

Club-Torhüter Raphael Schäfer und weitere Promis kämpfen gegen Rassismus

Er steht jedes Wochenende mit Spielern aus allen Länden der Erde auf dem Platz – und gemeinsam geben sie ihr Bestes: Club-Torhüter Raphael Schäfer hat in 15 Jahren beim Verein „niemals erlebt, dass es innerhalb der Mannschaft Probleme mit Rassismus gegeben hätte“. „Wenn ein neuer Spieler kommt, ist er in erster Linie Mensch. Seine Herkunft ist egal. Wir wollen mit ihm zusammenspielen und gemeinsam gewinnen“, sagt Schäfer, der selbst Sohn einer polnischen Aussiedlerfamilie ist. Auch in seiner Jugend in der Nähe von Hildesheim ist er nie mit Rassismus in Berührung gekommen – er habe sich immer als Deutscher gefühlt. Außerdem waren die Kicker-Teams der Jungs in seiner Umgebung schon immer multikulti. Es scheint also klar: Fußball verbindet. Und lässt Rassismus wenig Chance.

Dennoch kommt es immer wieder auch zu rassistischen Entgleisungen in Stadien – meist allerdings nicht innerhalb der Mannschaften, sondern in Fan-Kreisen, und auch dort sind es oft bestimmte radikale Gruppen, die versuchen, sich unentdeckt unter die Fans zu mischen. Was überwiegt im Fußball also? „Viele Kulturen – eine Leidenschaft: Fußball zwischen Integration und Ausgrenzung“ – das war der Gegenstand einer Podiumsdiskussion zum Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus. Rund 150 Zuhörer lockte das Thema gestern Abend ins Audimax der FAU.

Die Diskussionsrunde war prominent besetzt: Neben Raphael Schäfer saß Bayerns Innenminister Joachim Herrmann auf dem Podium, der – als Innenminister auch zuständig für den Sport – ebenfalls auf die gemeinsame Leidenschaft Fußball als bestes Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit setzt: „Die schwierigsten und exotischsten Namen können die Fans im Stadion plötzlich perfekt aussprechen, wenn es darum geht, einen Torjäger anzufeuern“, resümiert der Innenminister schmunzelnd.

Wichtig ist ihm, dass schon in den Schulen ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass anders sein kein Makel ist und dass es selbstverständlich ist, mutig aufzustehen und sich für andere einzusetzen, sollten sie rassistisch beleidigt werden. Nicht zuletzt deshalb hat Herrmann drei Schulpatenschaften im Rahmen der Initiative „Schule ohne Rassismus“ übernommen. Auch Tormann Schäfer und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein sind Schulpaten. Und so waren natürlich am Abend auch viele Schüler gekommen – um zuzuhören, natürlich, aber auch, um ein gemeinsames Foto mit den prominenten Schulpaten zu ergattern und O-Töne für Audiobeiträge zu sammeln.

Veranstalter der Aktionswoche im Rahmen der Internationalen Woche gegen Rassismus ist seit Jahren die Stadt Erlangen – die hier innerhalb Deutschlands eine Vorreiterrolle übernommen hat – gemeinsam mit verschiedenen Partnern, darunter die FAU. Und wichtig ist die Aktionswoche nach wie vor, auch wenn es im Kampf gegen Rassismus viele Fortschritte gibt, wie Khalil Bardag, Vorsitzender des Ausländer- und Integrationsbeirats der Stadt Erlangen betont. Er hielt ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, dem Rassismus in Deutschland – „einem wunderschönen Land mit einem hervorragend funktionierenden System“ – weiterhin keine Chance zu geben. Auf den Punkt bringt es Moderatorin Müller-Hohenstein, die vor allem bei Kindern immer wieder erlebt, wie gleichgültig Herkunft oder exotisches Aussehen ist, wenn nur ein Ball im Spiel ist: „Wenn ich mich in der Welt so umsehe, wünschte ich, wir hätten öfter einen Ball.“

Die Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet. Das Video „Viele Kulturen, eine Leidenschaft“ kann im FAU-Videoportal angesehen werden.

 

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