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Höchster Internisten-Preis für Erlanger Arzt

Prof. Dr. Raja Atreya ist mit dem Theodor-Frerichs-Preis ausgezeichnet worden. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Prof. Dr. Raja Atreya ist mit dem
Theodor-Frerichs-Preis ausgezeichnet
worden. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

DGIM verleiht Theodor-Frerichs-Preis für Entwicklung eines Morbus-Crohn-„Antikörper-Sprays“ an Prof. Dr. Raja Atreya

Ein Signalspray für die Darmschleimhaut kann bei Menschen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung künftig schon vor Therapiebeginn anzeigen, ob bestimmte Medikamente erfolgreich wirken. Für diese Erkenntnisse würdigte die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) den Internisten Prof. Dr. Raja Atreya aus der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie (Direktor: Prof. Dr. Markus Neurath) des Universitätsklinikums Erlangen jetzt mit dem Theodor-Frerichs-Preis beim 120. Internistenkongress in Wiesbaden. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert und gilt als höchste wissenschaftliche Auszeichnung im Fachgebiet innere Medizin.

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung von Dünn- und Dickdarm. Die Betroffenen leiden immer wieder unter starken Bauchschmerzen und Durchfällen. Die chronische Entzündung hinterlässt große Narben im Darmgewebe. Zwar gibt es spezielle Medikamente, die gegen den Signalstoff Tumornekrosefaktor alpha (TNF) wirken, jedoch helfen diese teuren Antikörperpräparate nur jedem zweiten Patienten. Alle anderen ziehen keinen Nutzen aus der Therapie, sind aber möglichen Nebenwirkungen wie Infektionen, Allergien und körperliche Abwehrreaktionen ausgesetzt. Der 38-jährige Internist Prof. Atreya, seit 2010 Juniorprofessor für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen an der FAU Erlangen-Nürnberg und Oberarzt der Medizinischen Klinik 1 des Uni-Klinikums Erlangen, hat in enger Kooperation mit weiteren Forschern aus Frankfurt, Bayreuth und Michigan (USA) einen Weg gefunden, die Medikamente gezielter einzusetzen.

Er ging von der Hypothese aus, dass die Antikörpermedikamente nur dann wirken, wenn sie in der Darmschleimhaut ihr Angriffsziel finden. Daher koppelte er den Antikörper an einen fluoreszierenden Farbstoff. Die Substanz wurde zunächst im Forschungslabor getestet, anschließend an 25 Patienten mit Morbus Crohn, denen eine Therapie bevorstand: Während einer Darmspiegelung sprühten die Erlanger Forscher unter Leitung von Prof. Atreya den Indikator auf die erkrankte Darmschleimhaut. Bei der Hälfte der Probanden färbten sich die Zellen der Schleimhaut in hoher Anzahl an – ein Zeichen für den Signalstoff TNF. Um die Antikörper sichtbar zu machen, verwendeten die Mediziner ein konfokales Laser-Endomikroskop. Darüber können sie die Schleimhaut 1.000-fach vergrößert betrachten. Im Rahmen des translationalen Vorgehens wurde der Fluoreszenz-markierte Antikörper in klinischen Studien weltweit erstmalig eingesetzt.

Neue Therapiemöglichkeiten für Morbus-Crohn-Patienten

„Unsere Studienergebnisse belegen eindrucksvoll, dass die molekulare Bildgebung mit Fluoreszenz-markierten Antikörpern den therapeutischen Erfolg der Anti-TNF-Antikörper-Therapie bei Morbus-Crohn-Patienten vorhersagen lässt“, erläuterte Prof. Atreya. „Wir hoffen jetzt, dass sich auf Basis unserer Forschungsergebnisse die therapeutischen Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung des Morbus Crohn verbessern lassen.“

Für Prof. Dr. Dr. h. c. Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel, zeige die Arbeit des Erlanger Forschers, wie selten eine andere, dass eine intensive und langjährige Grundlagenforschung zur Translation in die Praxis gelangen kann. Die Jury der DGIM hob anerkennend den konsequenten Weg hervor: von den Beobachtungen der molekularen und zellulären Vorgänge bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen über die Identifikation von TNF als wichtigem Mittler hin zur Entwicklung eines im Patienten anwendbaren Antikörpers. „Besser kann die von zahlreichen Wissenschaftlern, aber auch von Wissenschaftsmanagern geforderte, translationale Medizin nicht unter Beweis gestellt werden“, betonte Prof. Fölsch. Raja Atreya hat nach Ansicht der Preis-Jury „eine herausragende Arbeit“ vorgelegt.

Der DGIM-Preis ist nach dem Internisten Friedrich Theodor von Frerichs benannt, dem Präsidenten des ersten deutschen Kongresses für innere Medizin im Jahr 1882. Mit dem Preis würdigt die DGIM die beste zur Bewerbung eingereichte, möglichst klinisch-experimentelle Arbeit auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum. Die Fachgesellschaft verleiht die Auszeichnung jährlich im Rahmen der festlichen Abendveranstaltung ihrer Jahrestagung in Wiesbaden.

Weitere Informationen auf der Website „Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V.“ www.dgim2014.de.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Raja Atreya
Tel.: 09131 85-35000
raja.atreya@uk-erlangen.de

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