FAU: Energieschub für den Wissenschaftsstandort Nürnberg

In Nürnberg soll „Auf AEG“ mittel- und langfristig der zweite große Standort der Technischen Fakultät der FAU entstehen. (Bild: David Hartfiel)
Bild: David Hartfiel

Zusammenführung von Hightech-Kompetenzen in der Frankenmetropole / Neues geisteswissenschaftliches Zentrum in der Erlanger Innenstadt

Die Überlegungen der FAU für die größte Standort-Restrukturierung der Universitätsgeschichte präsentierte Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske, Präsident der FAU, heute im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs mit Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle, Finanzminister Dr. Markus Söder und Innenminister Joachim Herrmann zur Entwicklung und Stärkung des Hochschulstandorts Nürnberg. Im Mittelpunkt der universitären Planungen steht der massive Ausbau des FAU-Standorts in Nürnberg: Dort soll „Auf AEG“ mittel- und langfristig der zweite große Standort der Technischen Fakultät entstehen.

Bereits jetzt sind Teile der Fakultät sowie Forschungseinrichtungen dort untergebracht. Mit dem Ausbau der FAU würde in Nürnberg auf 100.000 Quadratmetern ein Hightech-Zentrum der Spitzenklasse ins Leben gerufen, in dem im Endausbau insgesamt 850 Beschäftigte in Forschung, Wissenschaft und Lehre sowie 5.000 Studierende in 12 eigenständigen Studiengängen in Nürnberg untergebracht werden können. Während dort die vorwiegend technologieorientierten Forschungsbereiche der Technischen Fakultät angesiedelt wären, würden die eher grundlagenorientierten und naturwissenschaftsnahen Fächer auf dem Erlanger Südgelände bleiben.

Gleichzeitig soll in der Erlanger Innenstadt mit dem als Himbeerpalast bekannten Verwaltungsbau der Siemens AG im Mittelpunkt ein neues Geisteswissenschaftliches Zentrum errichtet werden, in dem unter anderem die gesamte Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie eine Heimat fände. Der bisherige Campus an der Bismarckstraße/Kochstraße in Erlangen sowie das Nürnberger Areal an der Regensburger Straße würden dann aufgegeben. Die FAU erhofft sich für diese Planungen die Unterstützung der Bayerischen Staatsregierung und des Landtags.

Mit dieser einzigartigen Offensive gelänge es der FAU, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Universität würde mit dem Ausbau technologischer Kompetenz „Auf AEG“ entscheidend zum Strukturwandel in Nürnberg beitragen. Besonders der für die Universität immens wichtige Standort Nürnberg erhielte zusätzlichen Schub, während zugleich auf dem Erlanger Südgelände Räumlichkeiten für die im Augenblick über ganz Erlangen verstreuten Einrichtungen der Technischen Fakultät und der Naturwissenschaftlichen Fakultät verfügbar würden. Das böte der FAU die Möglichkeit, die starke Zersplitterung der Technischen Fakultät zu beenden, Forschungskompetenzen innerhalb der Fakultät auf zwei große Standorte zu konzentrieren und eine Vielzahl von Anmietungen aufzugeben.

Über die Jahre musste die FAU beständig neue Büros, Seminarräume, Labore und Versuchshallen anmieten oder kaufen, um dem stetigen Wachstum der Technischen Fakultät Rechnung zu tragen – zum Beispiel in der Erlanger Innenstadt, auf dem Röthelheimcampus und in Tennenlohe, der Nürnberger Innenstadt sowie „Auf AEG“. Jeder der Lehrstühle der Technischen Fakultät hat dadurch im Schnitt zwei Standorte; den Rekord hält ein Lehrstuhl mit insgesamt acht Postanschriften. Reibungsverluste in Forschung und Lehre sind damit auf lange Sicht vorprogrammiert.

„Ein groß angelegter Ausbau des Standorts Nürnberg hat sich nach umfangreichen konzeptionellen Überlegungen als die ideale Lösung für die Standort-Diskussion der Universität entpuppt“, erklärt FAU-Präsident Grüske das Ausbaukonzept „FAU-NUETEC“. Neben Büros, Laboren, Versuchshallen, Hörsälen und Seminarräumen sollen dort auch eine Mensa, Bibliotheken, eine Serviceabteilung des Rechenzentrums und eine Schülerwerkstatt mit Lernlabor entstehen. „Die Frankenmetropole hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Wissenschaftszentrum entwickelt, in dem die FAU schon jetzt eng mit anderen Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen zusammenarbeitet – gerade in zukunfts- und anwendungsorientierten Bereichen wie Energie, Nachhaltigkeit und grüne Technologien.

Der Energie Campus Nürnberg sitzt auch „Auf AEG“ (Bild: Kurt Fuchs)
Der Energie Campus Nürnberg sitzt auch „Auf AEG“ (Bild: Kurt Fuchs)

Mit einer noch stärkeren Präsenz der FAU in Nürnberg und auch im benachbarten Fürth könnten wir weitere Synergien schaffen, neue Impulse für die Forschung geben und die hervorragende Reputation der Europäischen Metropolregion Nürnberg weiter voranbringen. Damit würden wir zugleich regionale Strukturpolitik unterstützen und die Universität selbst auf noch breiterer Basis in der Metropolregion verankern.“ Die FAU kooperiert „Auf AEG“ beispielsweise im Rahmen des Energie Campus Nürnberg (EnCN) bereits eng mit der Technischen Hochschule Nürnberg sowie weiteren Wissenschaftseinrichtungen wie Fraunhofer oder dem Bayerischen Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE).

Im Umfeld soll zusätzlich ein Zentrum für Wissenstransfer entstehen, das den Dialog zwischen Wissenschaft und Unternehmen der regionalen Wirtschaft weiter fördert und darüber hinaus eine Plattform für Gründer und Start-ups bietet. Dies wäre ein wichtiger Impuls, um weitere Hightech-Unternehmen in der Region anzusiedeln. Weiterhin würden das Center for Management, Technology & Society sowie die Arbeitsgruppe Social Science of Technology der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie die interdisziplinäre Kompetenz des Hightech-Standorts „Auf AEG“ abrunden. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Verkehrsanbindungen zur Nutzung der Synergien mit dem Erlanger Standort entscheidend ausgebaut werden.

Geisteswissenschaftliches Zentrum in der Erlanger Innenstadt

Einen ähnlich großen Wurf plant FAU-Präsident Grüske für die Philosophische Fakultät und Fachbereich Theologie: Der als Himbeerpalast bekannte Verwaltungsbau der Siemens AG in der Erlanger Innenstadt und weitere Gebäude im Umfeld sollen zum neuen Zentrum für die Geisteswissenschaften der FAU werden. Zugleich könnte, nur wenige hundert Meter entfernt, im alten Gebäude der Organischen Chemie an der Henkestraße, nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ein Hörsaalzentrum entstehen. Insgesamt würden den Geisteswissenschaften nach dem Umzug rund 44.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, davon etwa 27.000 Quadratmeter im Erlanger Himbeerpalast.

Das Südgeländer der FAU – dort befindet sich die Technische und die Naturwissenschaftliche Fakultät. (Bild: FAU)
Das Südgelände der FAU – dort befindet sich die Technische und die Naturwissenschaftliche Fakultät. (Bild: FAU)

Durch die frei werdenden Flächen nach der Teilverlagerung der Technischen Fakultät und die entsprechende (Über-)Kompensation der Studierendenzahlen böte sich endlich auch die Chance, einen langjährigen Wunsch der Universität und der betroffenen Fächer in die Tat umzusetzen: Der Teil der Lehrerbildung, der bislang noch am stark sanierungsbedürftigen Campus Regensburger Straße in Nürnberg beheimatet ist, könnte endlich nach Erlangen zu den entsprechenden Disziplinen aufschließen. Derzeit befinden sich etwa die Didaktik der Chemie, der Mathematik, der Biologie oder der Germanistik in Nürnberg, die entsprechenden Fächer aber in Erlangen. Sowohl aus wissenschaftlichen wie auch aus Ausbildungsgründen führt dies zu erheblichen Reibungsverlusten in der Lehrerbildung. So müssen über 100 Lehrende und Hunderte von Studierenden regelmäßig tagsüber pendeln. In Nürnberg wären knapp 2.000 Studierende betroffen, die einen Abschluss für das Lehramt an Grundschulen, Mittelschulen oder Realschulen anstreben.

Die ebenfalls stark sanierungsbedürftigen Gebäude, in denen Teile der Philosophischen Fakultät und Fachbereich Theologie derzeit untergebracht sind, gäbe die FAU auf. Dazu gehören etwa das Seminargebäude an der Erlanger Kochstraße, das nach einem Deckeneinsturz in die Schlagzeilen geriet, aber auch die sogenannten Philosophen-Türme und das Hörsaalgebäude an der Bismarckstraße sowie der Nürnberger Campus Regensburger Straße. Einen großen Teil des Sanierungsstaus, der sich mittlerweile auf einen Betrag von mehr als 500 Millionen Euro summiert, könnte die Universität so ohne die risikoreiche und aufwändige Renovierung baufälliger Gebäude mit einem Mal auflösen. Auch die Aufgabe von Anmietungen böte hohes Einsparpotenzial.

„Wenn dieses ausgereifte Standortkonzept die Unterstützung von Landtag und Bayerischer Staatsregierung fände, würden für die Forschungslandschaft und die Wirtschaftsstruktur der Europäischen Metropolregion Nürnberg ebenso wie für das gesamte Hightech-Land Bayern entscheidende Weichen gestellt. Und wir könnten unsere Universität durch die Konzentration von Kompetenzen fit machen für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts,“ so FAU-Präsident Grüske.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Karl-Dieter Grüske
Präsident der FAU
Tel.: 09131/85-26600
praesident@fau.de