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3.000. Niere wurde einem Kulmbacher transplantiert

Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt (rechts) gratuliert zusammen mit dem Transplantationsurologen Dr. Hendrik Apel (Mitte) Roland Pöhlmann (links) und seiner Frau Helga zur erfolgreichen Nierentransplantation. (Bild: Uni-Klinikum)

Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg: deutlich mehr Lebendspenden aufgrund von Organmangel

Im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg am Universitätsklinikum Erlangen wurde jetzt die 3.000. Niere transplantiert. Roland Pöhlmann aus Kulmbach erhielt das neue Organ von seiner Frau Helga (57). Ohne die Lebendspende seiner Frau hätte der 56-Jährige vermutlich viele Jahre dreimal pro Woche vier bis fünf Stunden zur Blutwäsche in ein Dialysezentrum fahren müssen.

Im Durchschnitt muss ein Nierenkranker derzeit rund sieben Jahre auf ein Spenderorgan warten.

„Im Durchschnitt muss ein Nierenkranker derzeit rund sieben Jahre auf ein Spenderorgan warten“, erläutert Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, Leiter des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg. „Die Lebendspende – auch wenn Empfänger und Spender eine unterschiedliche Blutgruppe haben – ist für viele Patienten die einzige Alternative.“

Das Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg gehört bundesweit zu den zehn erfolgreichsten Nierentransplantationszentren. Auch Nierentransplantationen bei Kindern und kombinierte Transplantationen von Niere und Bauchspeicheldrüse werden hier durchgeführt. Lebendnierentransplantationen bei unterschiedlichen Blutgruppen stellen einen besonderen Schwerpunkt dar. Aktuell stehen in Erlangen 456 Patienten auf der Warteliste für eine neue Niere.

Die Anzahl der Spenderorgane von Verstorbenen ist allein im Jahr 2013 bayernweit im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent gesunken. „Das ist sicherlich eine Auswirkung des Transplantationsskandals“, bedauert Prof. Eckardt. Umso größere Bedeutung hat die Lebendspende von Nieren. Mittlerweile ist jede dritte Nierenspende im Uni-Klinikum Erlangen eine Lebendspende. Im Verlauf der vergangenen 50 Jahre war es im Mittel nur jede zehnte. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits 56 Nieren am Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg transplantiert (2013: 85, 2012: 88, 2011: 104).

Nierentransplantationen werden in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie am Universitätsklinikum Erlangen und Klinikum Nürnberg (Direktor: Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt) sowie der Urologischen Klinik (Direktor: Prof. Dr. Bernd Wullich) und der Gefäßchirurgischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Werner Lang) des Universitätsklinikums Erlangen durchgeführt. Die erste Nierentransplantation in Erlangen erfolgte 1966. Was seinerzeit eine medizinische Pionierleistung war, ist heute weitgehend medizinische Routine. Etwa 80 bis 100 Patienten erhalten jedes Jahr in Erlangen eine neue Niere.

Eine erfolgreiche Nierentransplantation macht die Dialysetherapie überflüssig.

„Eine erfolgreiche Nierentransplantation macht die Dialysetherapie überflüssig und ermöglicht den Patienten in vielen Fällen ein Leben mit nur wenigen Einschränkungen“, erläutert Prof. Eckardt. Zur Verhinderung einer Abstoßung müssen lebenslang Medikamente eingenommen werden, die aber in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr viel effektiver und nebenwirkungsärmer geworden sind. Die wieder gewonnene Nierenfunktion nach Transplantation verbessert aber nicht nur die Lebensqualität, sondern verringert auch die Folgeschäden einer Niereninsuffizienz und verlängert dadurch die Lebenserwartung.

Lange Wartezeiten auf ein Spenderorgan

„Die Transplantationszahlen könnten viel höher sein, wenn nicht ein erheblicher Mangel an Spenderorganen herrschen würde“, sagt Prof. Eckardt. Bundesweit warten über 9.000 Patienten auf eine neue Niere. Aufgrund der sinkenden Zahl von Spenderorganen Verstorbener kommt der sogenannten Lebendnierenspende eine zunehmende Bedeutung zu. Bereits die erste 1966 in Erlangen durchgeführte Transplantation war eine Lebendnierentransplantation, aber zwischenzeitlich sank die Relevanz des Verfahrens.

Aktuell stammen 30 Prozent der in Erlangen transplantierten Nieren von lebenden Spendern. Das gesundheitliche Risiko des Spenders beschränkt sich weitgehend auf den operativen Eingriff, denn die Funktion einer gesunden Niere ist ausreichend. Dank fortschrittlicher Verfahren ist eine Übertragung mittlerweile sogar möglich, wenn die Blutgruppen von Spender und Empfänger nicht übereinstimmen.

Viele Patienten bleiben auf die Spende eines Verstorbenen angewiesen.

„Dieses relativ neue Verfahren funktioniert sehr gut und erweitert die Spendemöglichkeiten. In jedem Fall bedarf es aber einer sehr gründlichen Vorbereitung und sorgfältigen Untersuchung der möglichen Spender, um Risiken zu minimieren“, weiß Prof. Eckardt. „Nicht selten müssen wir nach den Ergebnissen von Voruntersuchungen auch von einer Lebendspende abraten und viele Patienten bleiben auf die Spende eines Verstorbenen angewiesen.“ Er appellierte daher an die Bevölkerung, sich dem Thema Organspende nach dem Tode nicht zu verschließen und in einem Organspendeausweis den eigenen Willen zu dokumentieren.

Weitere Infos unter www.organspende-info.de  und www.medizin4.uk-erlangen.de

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt
Tel.: 09131 85-39002
tx-geschaeftsstelle@uk-erlangen.de