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FAU aktuell

Lärm ist nicht gleich Lärm

Prof. Dr. Stefan Becker forscht am Lehrstuhl für Prozessmaschinen und Anlagentechnik der FAU. (Bild: Kurt Fuchs)

Wir leben in einer Welt, in der Ruhe und Stille etwas Besonderes geworden sind. Lärm und Geräusche verschiedenster Art sind allgegenwärtig. Prof. Dr. Stefan Becker, der an der FAU am Lehrstuhl für Prozessmaschinen und Anlagentechnik arbeitet, forscht auf dem Gebiet der Strömungsakustik und der Schallabstrahlung von Maschinen. Er ist Tagungsleiter der diesjährigen 41. Jahrestagung für Akustik, der DAGA 2015, vom 16.-19. März in Nürnberg.

Herr Professor Becker, bei der DAGA geht es um verschiedene Arten von Akustik. Sind laute Geräusche denn grundsätzlich schlecht?

Geräusche haben eine sehr stark subjektiv geprägte Beurteilung. „Lärm“ ist ein wertender Begriff – es sind Geräusche am falschen Ort zur falschen Zeit. Es gibt auch einen positiven Schall, was sich zum Beispiel in der Musikakustik zeigt. Hier haben Geräusche positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden, auch auf die Emotionen.

Geräusche gehören zu unserem Alltag, auch Lärm. Viele Menschen haben deshalb das Gefühl, von Lärm geradezu belästigt zu werden. In welchen Bereichen unserer Industriegesellschaft muss die Lärmbelastung gesenkt werden?

In jedem Bereich eigentlich. Vor allem unsere Städte sind viel zu laut. Wir sind von Lärm umgeben: Verkehrslärm, Lärm durch Flugzeuge, Lärm am Arbeitsplatz und in Klassenzimmern. Hier spielt auch die Raumakustik eine wichtige Rolle. Habe ich einen Klassenraum mit schlechter Akustik, muss der Lehrer lauter reden, um die Hintergrundgeräusche zu übertönen. Da spielt dann auch die Sprach-und Hörakustik mit hinein. Weil das Thema so wichtig ist, gibt es innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA) extra eine Fachgruppe, den Arbeitsring Lärm (ALD). Die Lärmbelästigung und ihre Folgen, aber auch deren Reduzierung, werden Thema auf der DAGA sein.

Windräder (Bild: Panthermedia)

Bild: Panthermedia

Sie veranstalten auf der DAGA eine Sitzung zu Windturbinen. Worum wird es darin gehen?

Windturbinen kommen überall, auch gerade hier in Bayern, zum Einsatz, um Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. In der Sitzung wird es um die Lärmentstehung, deren Ausbreitung und die Belästigung der Bewohner in der Umgebung der Windturbinen gehen. Dabei spielen der Hörschall aber auch der niederfrequente Infraschall eine Rolle. Letzteren hört man nicht, aber er hat nach neueren medizinischen Untersuchungen auch Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Hier besteht aber noch ein hoher Forschungsbedarf.

Inwieweit wird die Gesundheit durch den Lärm von Turbinen beeinflusst?

Das Ohr ist unser Sinnesorgan, das nicht schläft; deshalb hören wir morgens auch den Wecker. Wenn unser Ohr Geräusche wahrnimmt, versetzt es unser Gehirn in einen Anregungszustand, was auch während des Schlafzustandes unser Gehirn beeinflusst. Deshalb haben wir auch manchmal das Gefühl schon bei relativ geringer Lärmbelästigung in der Nacht, am Morgen nicht ausgeschlafen zu haben. Statistiken zufolge leidet jeder dritte Deutsche an Lärm. Folgen können zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Konzentrations- und Schlafstörungen sein.

Auf der DAGA gibt es Vorträge zu ganz unterschiedlichen Themengebieten. Auf welchen Vortrag freuen Sie sich ganz besonders?

Ich freue mich besonders auf die Sitzung „Akustik von Windturbinen“, weil ich die mitorganisiert habe. Auf den Vortrag „Was kommt nach mp3?“ von Prof. Dr. Jürgen Herre von den International Audio Laboratories Erlangen bin ich auch sehr gespannt.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA e.V.) veranstaltet die FAU die DAGA 2015, die jährlich in einer anderen Stadt stattfindet. Alle Themenfelder der Akustik, beispielsweise Lärmschutz, Medizinische Akustik, Bau- und Fahrzeugakustik oder Sound Design, werden in Vorträgen, Kolloquien und Sitzungen behandelt. Eine Firmenausstellung begleitet die wissenschaftliche Tagung.

Das ausführliche Tagungsprogramm ist unter www.daga2015.de abrufbar.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Stefan Becker
Tel.: 09131/ 85-29455
sb@ipat.uni-erlangen.de

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