Mit Surround-Sound-Therapie gegen Bluthochdruck

Prof. Dr. Roland Schmieder freut sich, Patienten die Surround-Sound-Therapie im Rahmen einer Studie anbieten zu können. (Bild: FAU)
Prof. Dr. Roland Schmieder freut sich, Patienten die Surround-Sound-Therapie im Rahmen einer Studie anbieten zu können. (Bild: FAU)

Weltweite Studie zu neuem Verfahren wird von Erlangen aus gesteuert – nur drei Therapiezentren in Deutschland

Eine neue Surround-Sound-Therapie soll helfen, bestimmte Formen des Bluthochdrucks schonend und dauerhaft zu senken. Dabei werden die Bluthochdruck auslösenden Nierennerven per Ultraschallenergie ausgeschaltet. „Wir freuen uns, dass wir jetzt unseren Patienten das neue Verfahren im Rahmen einer vielversprechenden Studie anbieten können“, sagt Prof. Dr. Roland Schmieder, Studienleiter aus der Medizinischen Klinik 4, Nephrologie und Hypertensiologie (Direktor: Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt) des Universitätsklinikum Erlangen.

Bislang wurden 69 Patienten in ersten Studien mit dem neuen Verfahren therapiert. Davon konnte bei rund 75 % der Patienten innerhalb von sechs Monaten eine dauerhafte Blutdrucksenkung erreicht werden. In der neuen Studie „WAVE IV“ soll die Surround-Sound-Therapie nun an rund 130 Patienten in Europa, Neuseeland, Australien und Süd-Afrika weiter erforscht werden. In Deutschland gibt es nur Behandlungszentren an den Uni-Klinika Erlangen und Hamburg sowie der Asklepios-Klinik Münster.

„Die ersten Studien zur Surround-Sound-Hypertonie-Therapie haben gezeigt, dass wir den Bluthochdruck wirksam senken können“, sagt Prof. Schmieder. Das Surround-Sound-Hypertonie-Therapiesystem nutzt eine Technologie namens Nierendenervation, um hyperaktive Nierennerven auszuschalten. Dadurch soll in den Nieren die Produktion von Hormonen gedrosselt werden, die den Blutdruck erhöhen, und so auch Herz, Nieren und Blutgefäße vor weiteren Schäden schützen. Bei WAVE IV handelt es sich um eine verblindete (randomisierte) Studie. „Das bedeutet, dass manche Teilnehmer an der Studie tatsächlich mit der Surround-Sound-Hypertonie-Therapie behandelt werden und andere nur zum Schein“, erläutert Prof. Schmieder. Die Studienteilnehmer erfahren zunächst nicht, zu welcher Gruppe sie gehören. „Wer die Scheinbehandlung erhält, hat aber später die Gelegenheit, auch die therapeutische Behandlung zu bekommen“, verspricht der Erlanger Studienleiter.

Bedingungen für die Studienteilnahme

Patienten, die an der neuen Studie teilnehmen wollen, müssen zwischen 18 und 80 Jahren alt sein und derzeit drei oder mehr verschreibungspflichtige Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen. Der systolische Blutdruck (der erste Wert) sollte meist 160 oder mehr betragen.

Nach Ansicht von Prof. Schmieder bietet die neuartige Therapie zahlreiche Vorteile gegenüber der bisher üblichen Denervation über einen Katheter. Nach erfolgreichem Abschluss der Studie könnte das neue Verfahren Millionen von Patienten, deren Bluthochdruck sich medikamentös nicht einstellen lässt, schonend von ihrem Leiden befreien und letztlich auch die Kosten im Gesundheitswesen deutlich reduzieren. „Der Studienstart ist ein wichtiger Meilenstein in der Entwicklung einer neuen Bluthochdrucktherapie“, so Schmieder.

Der Bluthochdruck gilt als „stiller Killer“

Viele Menschen wissen nicht, dass sie einen zu hohen Blutdruck haben. Weil Bluthochdruck kaum Beschwerden verursacht, wird er auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Bluthochdruck wird durch Blutdruckmessungen diagnostiziert. Diese Messungen werden meist in Millimeter Quecksilbersäule (mm Hg) angegeben, und zwar als das Verhältnis von Blutdruck, während das Herz pumpt (systolischer Wert), zu Blutdruck in der Ruhephase des Herzens (diastolischer Wert). Von Bluthochdruck spricht man, wenn mindestens zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten ein Blutdruck von 140/90 mm Hg oder höher gemessen wird. Oft werden Medikamente gegen Bluthochdruck verordnet. Außerdem rät man den Betroffenen zu einer gesunden Lebensführung mit viel Bewegung und zur Vermeidung von Übergewicht. Wenn ein gesunder Lebensstil und Medikamente den Blutdruck nicht senken, kann manchen Patienten mit der Nierendenervation geholfen werden.

Weitere Informationen:

www.medizin4.uk-erlangen.de

Prof. Dr. Roland Schmieder
Tel.: 09131 85-36245
roland.schmieder@uk-erlangen.de