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FAU aktuell

International Spitze in der Bewegungsförderung

FAU-Vizepräsident Prof. Dr. Günter Leugering, Stefan Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, und Prof. Dr. Alfred Rütten. (Bild: Harald Sippel)

Bewegung ist gesund. Das weiß jeder. Und doch bewegen sich die Menschen auch in Deutschland zu wenig. Aufklärungskampagnen erreichen längst nicht alle Bevölkerungsschichten. Daher arbeiten Sportwissenschaftler der FAU auf internationaler Ebene daran, dies zu ändern – unter anderem zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Kommission. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die weltweite Arbeit seit Kurzem durch die Förderung des Forschungsverbunds „Capital4Health“. Den Zuwendungsbescheid über 2,8 Millionen Euro überreichte Stefan Müller, parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, am heutigen Dienstag den Wissenschaftlern persönlich.

Gesellschaft zu mehr Bewegung animieren

Müller hob die Bedeutung der Zusammenarbeit von Wissenschaftlern des Verbundes mit Vertretern der Präventionspraxis und -politik hervor: „Die Verbundpartner von CAPTIAL4HEALTH schaffen die wissenschaftliche Basis für Ansätze zur Förderung eines aktiven Lebensstils. Die regionalen Partner aus Praxis und Politik sorgen dafür, dass die Forschungsergebnisse direkt in den Lebensalltag der Bürgerinnen und Bürger übertragen werden.“  Wissenschaftler des Verbundes Capital4Health arbeiten mit Partnern aus acht Ländern zusammen.

Alttagssport (Bild: Erich Malter)

Bild: Erich Malter

Die FAU-Wissenschaftler nutzen dabei die Kompetenz von Ländern wie den Niederlanden und Kanada, die im Bereich der Präventionsforschung und der Gesundheitsförderung weltweit Spitzenpositionen einnehmen. „Durch die internationale Anbindung wollen wir sicherstellen, dass unsere Forschung State-of-the-Art ist“, sagt Prof. Dr. Alfred Rütten, Direktor des Instituts für Sportwissenschaft und Sport (ISS) an der FAU und Leiter des Forschungsverbunds.

Soziale Ungleichheit vermindern

Menschen dazu bringen, Sport zu treiben und dadurch die Gesundheit zu fördern, darauf zielen unzählige Aufklärungskampagnen staatlicher Institutionen ab – mit durchwachsenem Erfolg. Das Problem: Die Kampagnen gehen vor allem an sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten vorbei. „Durch gut gemeinte Ansätze der Bewegungsförderung, die einseitig auf Information und individuelle Verantwortung setzen, werden primär diejenigen erreicht, die ohnehin eher aktiv und gesellschaftlich besser gestellt sind. Damit wird der Graben der sozialen Ungleichheit im Hinblick auf Sport und Bewegung – und damit indirekt die gesundheitliche Ungleichheit unwillentlich vergrößert“, erklärt Rütten. „Unser Ziel ist es daher nicht, eine weitere Kampagne zu initiieren, sondern gesellschaftliche Strukturen zu verändern.“

Bei Capital4Health steht daher die Frage im Vordergrund, wie Bewegung selbstverständlich im Alltag verankert werden kann. Ob in der Kita, am Arbeitsplatz oder im Seniorenheim, solche Strukturen erreichen Generationen von Menschen und wirken daher nachhaltig.

Der Forschungsverbund gliedert sich in fünf Teilprojekte, die alle in Bayern angesiedelt sind, und in zwei Querschnittprojekte. Während das Teilprojekt Health.edu sich etwa mit Gesundheitsförderung im Bildungssystem beschäftigt, konzentriert sich das Teilprojekt PARC-ave auf aktive Lebensstile bei Auszubildenden.

International vernetzt

Dass das ISS für die Koordination des Forschungsverbundes hervorragend geeignet ist, zeigt sich schon daran, dass auch internationale Einrichtungen wie die WHO und die Europäische Kommission auf die Kompetenz der Erlanger zurückgreifen. Unter anderem diese Kooperationen machen das ISS zu einem der führenden Institute auf dem Gebiet der Politikberatung.

So hat die WHO das ISS zum Kooperationszentrum für Bewegung und Gesundheit ernannt – als einzige Einrichtung in Europa auf diesem Gebiet. Zu den Aufgaben gehören die Verwaltung einer internationalen Datenbank, wo die verschiedenen Strategien, wie die Länder Bewegung fördern, gesammelt werden, und eine Analyse bestehender sozialer Ungleichheiten in Bezug auf Bewegung. Zurzeit erarbeiten die FAU-Wissenschaftler eine Europäische Strategie für Sport- und Bewegungsförderung für die 53 Länder der WHO-Europaregion.

Und auch die Europäische Kommission wird vom ISS wissenschaftlich unterstützt: Im Rahmen eines internationalen Konsortiums, zu dem die Universitäten Oxford, Ulster und Zürich sowie das Beratungsunternehmen Cavill Associates gehören, evaluieren die Wissenschaftler, wie erfolgreich die EU-Mitgliedsstaaten die Richtlinien zur Bewegungsförderung umsetzen. Auch die Richtlinien haben zum Ziel, einzelne Menschen dazu zu motivieren, sich mehr gesundheitsfördernd zu bewegen. „Dass die FAU die Leitung dieses Konsortiums innehat, verdeutlicht die herausragende Rolle im Bereich Forschung und illustriert die zunehmende internationale Profilierung der FAU“, sagt Rütten.

Das Institut für Sportwissenschaft und Sport (ISS)

Das Institut für Sportwissenschaft und Sport (ISS) an der FAU ist mit der Einwerbung von 1,2 Millionen Euro Drittmitteln pro Jahr eines der führenden sportwissenschaftlichen Institute in Deutschland. Im Fokus der Forschungen stehen die vier wissenschaftlichen Arbeitsbereiche „Public Health und Bewegung“, „Bewegung und Gesundheit“, „Bildung im Sport“ sowie „Sport- und Bewegungsmedizin“, die sich aktuellen Herausforderungen in Prävention und Rehabilitation stellen. Eine besondere Stärke des Instituts liegt in seiner breiten internationalen Vernetzung. Interdisziplinäre Kooperationen und Projekte in der angewandten Forschung gewährleisten zudem eine enge Verzahnung von Wissenschaft und Praxis. Die aktuellen Forschungsergebnisse fließen unmittelbar in die universitäre Lehre ein, wovon die rund 1.200 Studierenden in den Studiengängen Lehramt, Master of Arts und im Promotionsstudiengang profitieren.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Alfred Rütten
Tel.: 09131/85-25000
alfred.ruetten@fau.de

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