Neues Klassifikationssystem für Hirntumore

Anhand von MRT-Scans lässt sich ein Tumor auch im klinischen Alltag unkompliziert klassifizieren. (Bild: Nicolai Savaskan)
Anhand von MRT-Scans lässt sich ein Tumor auch im klinischen Alltag unkompliziert klassifizieren. (Bild: Nicolai Savaskan)

Ärzte des Uni-Klinikums Erlangen haben ein einfaches radiologisches Verfahren zur Prognosebestimmung bei Gliomen entwickelt

Trotz moderner Radiochemotherapieverfahren ist die Prognose bei malignen Gliomen äußerst schlecht. Die operative Therapie steht bisher an erster Stelle bei der Behandlung von Gliomen. Nun haben Ärzte der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum der FAU ein neues Auswertungsverfahren von radiologischen Bildgebungsverfahren entwickelt, die eine relativ sichere Prognose des Verlaufs der Erkrankung geben. Ihre Erkenntnisse haben die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.*

Tumoren schnell und sicher nach ihrer Operabilität einteilen

Das Klassifizierungssystem Friedlein Grading A/B (FGA/B) – benannt nach der Medizinerin Katharina Friedlein – erlaubt es, Tumoren schnell und sicher nach ihrer Operabilität einzuteilen. Grob skizziert charakterisieren die Erlanger Mediziner dabei die Tumoren auf Basis eines Routine-Scans im Magnetresonanztomographen (MRT) nach ihrer Lage im Gehirn: Der Kategorie FGA werden beispielsweise Tumoren zugeordnet, die nicht in funktionell wichtigen Gehirnregionen oder einer gewissen Entfernung von einer solchen Region angesiedelt sind, während die Tumoren der FGB-Kategorie nahe oder in einer funktionellen Gehirnregion liegen.

Präzise, risikoarm sicher planen

Mit der FGA/B Methode kann das Ausmaß der Tumorentfernung, das für den Erfolg der Therapie entscheidend ist, präzise, risikoarm und quantitativ sicher geplant werden. Damit ist das Friedlein Grading das erste in der Praxis tatsächlich unkompliziert anwendbare Klassifizierungssystem. „Es gab in der Vergangenheit in der Medizin immer wieder Versuche, ein solches Klassifizierungssystem zu entwickeln – allerdings waren die meisten Ansätze viel zu kompliziert und stützten sich ausschließlich auf akademische Werte. Das machte sie für den klinischen Alltag wenig tauglich“, erklärt PD Dr. Nicolai Savaskan, Klinik für Neurochirurgie an der FAU. „Die FGA/B-Methode kann auf der Basis von Standard-MRT-Scans durchgeführt werden, die von Gliom-Patienten ohnehin gemacht werden, und sie ist trotz ihrer Einfachheit hochverlässlich – wir hoffen, dass sie deshalb neurochirurgischen Kollegen auch in Krankenhäusern, die nicht zu den Maximalversorgern gehören, im Alltag ausgezeichnete Dienste leisten wird.“

Bei Fragen: Kontaktieren Sie die Krebsinformation

Die Erlanger Forscher evaluierten ihr neues Verfahren im Rahmen einer Studie, die soeben publiziert wurde. Weitere Informationen erhalten Patienten bei der Krebsinformation des CCC Erlangen-EMN unter der kostenlosen Hotline 0800/85 100 85 oder krebsinformation@uk-erlangen.de.

*Scientific Reports, Juli 2015. A new functional classification system (FGA/B) with prognostic value for glioma patients. Katharina Friedlein, Yavor Bozhkov, Nirjhar Hore, Andreas Merkel, Björn Sommer, Sebastian Brandner, Michael Buchfelder, Nicolai E. Savaskan & Ilker Y. Eyüpoglu

Weitere Informationen:

PD Dr. Nicolai Savaskan
Tel.: 09131/85-44748
nicolai.savaskan@uk-erlangen.de