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Epilepsie im Wandel der Zeit

Bild: Veer

Bundesweite Zentralveranstaltung findet am Tag der Epilespie in Erlangen statt

Epilepsie: einerseits weitverbreitet und andererseits mit vielen Vorurteilen gegenüber den Betroffenen verbunden. Seit 1996 macht die Deutsche Epilepsievereinigung beim Tag der Epilepsie auf die Erkrankung aufmerksam und lädt zu Informationsveranstaltungen ein. Am Montag, 5. Oktober 2015, richtet sie die Zentralveranstaltung zur diesjährigen bundesweiten Aktion in Zusammenarbeit mit dem Epilepsiezentrum (Sprecher: Prof. Dr. Hajo Hamer) der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen und der Erlanger Gruppe „Selbsthilfe bei Epilepsie“ aus. Unter dem Motto „Epilepsie im Wandel der Zeit – Update 2015“ erläutern Experten, was sich in den vergangenen Jahren bei der Behandlung und der Wahrnehmung der Epilepsie geändert hat und wo noch Handlungsbedarf besteht. Zu der Zentralveranstaltung ab 15.30 Uhr im Nägelhof, Obere Gasse 19, in Erlangen-Büchenbach sind alle Interessierten herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Viele verschiedene Erscheinungsformen

Epilepsien sind häufige neurologische Erkrankungen, in Deutschland sind etwa 500.000 Menschen davon betroffen. Damit ist die Epilepsie nach der Migräne die zweithäufigste chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Epilepsien sind nicht ansteckend, selten vererbbar und keine Geisteskrankheiten. Es gibt auch nicht „die Epilepsie“, sondern es handelt sich um eine Erkrankung in verschiedenen Erscheinungsformen: von kurzen Aussetzern des Bewusstseins (sogenannten Absencen) über Missempfindungen und Muskelzuckungen bis hin zum meistens mit dem Begriff Epilepsie assoziierten Grand-Mal-Anfall, der mit einem vollständigen Bewusstseinsverlust, Verkrampfungen auf beiden Seiten, oft einem Sturz, Schreien und weiteren körperlichen Begleiterscheinungen einhergeht. Behandelt werden die Patienten in der Regel von niedergelassenen Neurologen und in spezialisierten Zentren. Eine Zielsetzung des Tages der Epilepsie 2015 ist es dementsprechend, auf die Notwendigkeit einer – vor allem frühzeitigen – Behandlung durch spezialisierte Ärzte hinzuweisen und den Menschen mit Epilepsie in Deutschland aufzuzeigen, wo sie aktuell Zugang zu modernen Therapieverfahren haben.

Nach wie vor ist die Behandlung einer Epilepsie mit Medikamenten die Methode mit den besten Erfolgsaussichten: Bei etwa 60 – 70 % der Patienten wird damit Anfallsfreiheit erreicht. Gab es in den 1970er-Jahren nur wenige Medikamente zur Epilepsiebehandlung, ist heute eine Vielzahl von Substanzen (Antiepileptika) bekannt, die zudem oft deutlich weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben als frühere Arzneimittel. Bei Nebenwirkungen gibt es mittlerweile mehr Möglichkeiten, auf ein anderes Medikament auszuweichen. Im Laufe der vergangenen Jahre konnten auch die operativen und komplementären Behandlungsformen erfolgreich weiterentwickelt werden. Hierzu gehören epilepsiechirurgische Operationen bei fokaler Epilepsie (wenn die Anfälle von einer bestimmten nachweisbaren Stelle im Gehirn ausgehen), die Vagus-Nerv-Stimulation und die Tiefe Hirnstimulation. Hierdurch kann Anfallsfreiheit erreicht werden oder die Zahl der Anfälle wird reduziert. Zu den komplementären Behandlungsformen gehören u. a. auch Techniken der Anfallsselbstkontrolle und die sogenannte ketogene Diät. Für viele Betroffene ist die optimale Behandlung jedoch noch nicht gefunden.

Die Beschäftigungsmöglichkeiten von Menschen mit Epilepsie haben sich verbessert. Viele Betroffene sind mit einer gut behandelten Epilepsie ganz normal im ersten Arbeitsmarkt berufstätig und empfinden wenige Einschränkungen durch ihre Krankheit. In Bayern existiert in jedem Regierungsbezirk eine Epilepsieberatungsstelle, die in erster Linie bei epilepsiebedingten Problemen im Beruf oder in der Ausbildung berät. Die Arbeitslosenquote und die Zahl der Frühverrentungen bei Menschen mit Epilepsie sind immer noch viel höher als bei Menschen mit einer anderen Behinderung.

Die Deutsche Epilepsievereinigung

Die Deutsche Epilepsievereinigung (DE) ist ein gemeinnütziger Verein. Sie ist der Dachverband der Epilepsie-Selbsthilfe in Deutschland mit Sitz in Berlin. Die DE ist u. a. Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie, im Paritätischen Wohlfahrtsverband und als deutsche Sektion im „International Bureau for Epilepsy“ auch international vernetzt. Die DE bietet zahlreiche Informationsbroschüren, Tagungen und Seminare, das Mitgliedermagazin „einfälle“ sowie ein Beratungstelefon für Betroffene und Interessierte, das dienstags und donnerstags von 12 bis 18 Uhr unter 030 / 34 70 35 90 erreichbar ist.

Webseite der Deutschen Epilepsievereinigung: www.epilepsie-vereinigung.de

Weitere Informationen:

Epilepsiezentrum
Prof. Dr. Hajo Hamer
Tel.: 09131 85-39116
hajo.hamer@uk-erlangen.de

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