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„Bei Greenpeace stehen globale Probleme im Mittelpunkt“

FAU-Student Christian Sperber beim Protest gegen Pestizideinsatz für Supermarktobst. (Bild: privat)

Sie retten Wale, schippern in kleinen Booten gegen Ölplattformen und kämpfen für eine bessere Welt: Greenpeace-Aktivisten sind für ihre waghalsigen Aktionen bekannt. Dabei wird die Arbeit der lokalen Gruppen in der Öffentlichkeit oft nicht so stark wahrgenommen. Doch gerade hier kann sich jeder engagieren, um gemeinsam die Welt zu retten. Ganz normale Leute wie Christian Sperber. Der 22-Jährige studiert Maschinenbau in Erlangen und ist der Gruppenkoordinator der Greenpeace-Gruppe Erlangen.

Seit wann engagierst du dich für Greenpeace?

Christian: Kurz nach meinem Abi habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, mich regelmäßig für eine sinnvolle Sache zu engagieren. Von Greenpeace hatte ich da natürlich schon gehört. Also habe ich recherchiert, ob man dort auch selbst mithelfen kann. Dann habe ich herausgefunden, dass es seit Kurzem eine lokale Gruppe in Erlangen gibt und habe einfach mal vorbeigeschaut. Mittlerweile bin ich schon seit fünf Jahren dabei.

Wie sieht deine Tätigkeit für Greenpeace aus?

Christian: Viele haben beim Stichwort Greenpeace waghalsige Schlauchbootfahrer im Kopf, die mit ihrem kleinen Schlauchboot vor riesigen Schiffen oder Ölplattformen herumfahren. Das machen Greenpeace-Aktivisten schon auch. Daneben gibt es aber knapp 5000 Ehrenamtliche in Deutschland, die sich in lokalen Gruppen engagieren. Ihre Tätigkeiten sind etwas bodenständiger: Sie sammeln Unterschriften für Petitionen, veranstalten Kinoabende, recherchieren bei Unternehmen und organisieren Infostände, Demos und Flashmobs. Ich selbst organisiere gerne mit anderen „Greenpeacern“ solche Aktionen. Dazu gehört, sich mit den Mitorganisatoren abzusprechen, Genehmigungen bei Behörden einzuholen, Presseerklärungen zu schreiben und vor Ort die Helfer zu briefen. Außerdem macht es mir Spaß, unsere Facebookseite und Homepage mit Texten und Bildern zu füllen.

Warum Greenpeace und keine andere Umweltorganisation wie der BUND oder Bund Naturschutz?

Christian: Bei Greenpeace stehen globale Probleme im Mittelpunkt. Das sind Probleme, die alle Menschen betreffen und deswegen finde ich sie sehr relevant. Und als international aufgestellte Organisation hat Greenpeace auch die Schlagkraft, solche Probleme anzugehen.

Wieso ist es dir wichtig, dich für den Schutz der Umwelt einzusetzen?

Christian: Angefangen hat alles mit dem Sachbuch „Schwarzbuch Markenfirmen“. Darin habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gelesen, dass für meine Schokolade Kinder in Afrika Kakao ernten müssen, dass für das Benzin im Familienauto die Heimat von Menschen mit Öl verseucht wird, dass für meine T-Shirts Menschen für Hungerlöhne schuften müssen und die Abwässer der Fabriken ihre Flüsse vergiften. Das hat mich wütend gemacht. Ich konnte einfach nicht verstehen, dass Unternehmen und damit indirekt auch wir anderen Menschen so etwas antun. Um Menschen geht es mir auch heute noch: Ich will die Umwelt schützen, damit wir alle ein gutes Leben führen können.

Ehrenamtliche Arbeit wird, wie der Name schon sagt, nicht bezahlt. Warum lohnt es sich trotzdem, sich freiwillig zu engagieren?


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Christian: Zum einen habe ich unglaublich viel praktische und theoretische Erfahrung gesammelt, wie ein Team effektiv zusammenarbeitet. Greenpeace bietet seinen Ehrenamtlichen da einige Seminare an, in denen man zum Beispiel lernt, Führungsaufgaben zu übernehmen. Das bringt einen natürlich nicht nur für die Greenpeace-Arbeit weiter. Zum anderen kann man die Welt retten, also wenn sich das nicht lohnt, dann weiß ich auch nicht!

Was war bisher die beste Greenpeace-Aktion, an der du teilgenommen hast?

Christian: Im Sommer hatten wir das Greenpeace-Schiff „Beluga II“ in Erlangen. Der Besucheransturm war wirklich beeindruckend: Hunderte Erlanger haben sich das Schiff und die Ausstellung darauf angesehen, sogar Oberbürgermeister Janik war dabei. An diesem Wochenende gab es viele interessante Gespräche, leuchtende Kinderaugen beim Eisbärschminken und enormen Zuspruch für unsere Arktiskampagne.

Was gefällt dir am Besten an deiner Arbeit bei Greenpeace?

Christian: Das ist sehr schwierig zu beantworten. Sehr gut finde ich auf jeden Fall das Miteinander in der Gruppe, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist.

Hattest du (mit deiner Gruppe) schon Erfolge? Wenn ja welche?

Christian: In den letzten Jahren haben wir sehr viele Aktionen für den Schutz der Arktis durchgeführt. Im Zuge dieser Kampagne sind ja auch die 30 Greenpeace-Aktivisten und Journalisten vom russischen Inlandsgeheimdienst verhaftet und für drei Monate wegen „Piraterie“ inhaftiert worden. In Erlangen haben wir letzten September einen riesigen Putzlappen auf dem Rathausplatz ausgelegt, um zu zeigen, wie irrsinnig Ölbohrungen in der Arktis sind. Viele Menschen haben die Forderung unterstützt, dass Shell die Ölbohrungen in der Arktis stoppen soll. Und am Montag nach der Aktion konnte es wohl keiner von uns so recht glauben: Shell hatte angekündigt, auf absehbare Zeit nicht mehr in der Arktis bohren zu wollen! Klar, das lag wohl nicht nur an dem Erlanger Protest. Ich bin mir aber sicher: Als die Shell-Bosse diese Entscheidung gefällt haben, haben sie auch die weltweiten Greenpeace-Aktionen und die öffentliche Meinung diskutiert.

Vervollständige das Klischee: „Greenpeace, das sind doch die Hippies, die Wale retten…“

Christian: Ja, die Bilder vom Wale retten haben Greenpeace wohl groß gemacht. Heute geht es aber um eine ganze Bandbreite an wichtigen Themen: Von Klimaschutz und Energiewende über eine zukunftsfähige Landwirtschaft bis hin zum Schutz der Meere und Wälder. Und so richtige Hippies findet man kaum noch, die meisten sind einfach ganz normale Schüler, Studenten, Arbeitnehmer, Selbstständige und Rentner. Leute wie du und ich eben.

Banner meineFAU StudierendenblogDieser Beitrag von Leonie Fößel erschien zuerst im Studierendenblog „meineFAU“. Dort schreiben Studierende der FAU Artikel zu allen Themen rund um die Uni.

Das Team ist dabei so bunt wie die Mischung der Themen: Geisteswissenschaftler schreiben hier genauso wie angehende Juristen: http://blogs.fau.de/meinefau.

Mehr zu Studierenden mit Ehrenamt lesen Sie auch in der Reihe „Studierende engagieren sich“.

 

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