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Augentumor: Impfung soll tödliche Krankheit stoppen

Krebszellen (Bild: Colourbox.de)

Bundesweite Studie untersucht Wirksamkeit von Therapie mit Dendritischen Zellen

Bei jedem zweiten Patienten mit einem bestimmten Augenkrebs (Aderhautmelanom oder Uveamelanom) bilden sich trotz Entfernung oder Zerstörung des Tumors lebensbedrohliche Metastasen, vor allem in der Leber. Erstmals soll nun in einer bundesweiten Studie versucht werden, mithilfe einer personalisierten Impfung mit körpereigenen Dendritischen Zellen die Bildung dieser Metastasen zu verzögern oder zu verhindern. Die von der Stiftung Deutsche Krebshilfe geförderte bundesweite Therapiestudie wurde von der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen initiiert.

Die neue Studie wird nun in Kooperation von insgesamt acht Universitätsaugenkliniken (Erlangen, Essen, Hamburg-Eppendorf, Homburg/Saar, Köln, Lübeck, Tübingen und Würzburg) durchgeführt. „Patienten mit der Diagnose ‚Uveamelanom‘ sollten sich sofort nach dem Befund im nächsten Studienzentrum melden“, empfiehlt Studieninitiatorin und Koordinatorin PD Dr. Beatrice Schuler-Thurner. Das Aderhautmelanom, auch Uveamelanom genannt, stellt den häufigsten bösartigen Augentumor des Menschen dar. In Europa erkrankt jeder 100.000ste Mensch daran. Davon verstirbt jeder Zweite innerhalb weniger Monate, weil sein Tumor eine bestimmte genetische Auffälligkeit hat.

„Patienten mit Verdacht auf Uveamelanom, die an der Studie teilnehmen möchten, müssen bereits vor dem Beginn der Behandlung mit einem der Studienzentren Kontakt aufnehmen, da der Tumor für die Herstellung des Impfstoffes speziell verarbeitet werden muss“, sagt PD Dr. Schuler-Thurner. Sobald die Therapie begonnen wurde – also eine Bestrahlung oder operative Entfernung des Tumors durchgeführt wurde, ohne diese speziellen Vorkehrungen zu treffen – können Patienten nicht mehr an der Studie teilnehmen.

Im Rahmen der Studie wird das Tumorgewebe der Patienten direkt nach der Operation zunächst daraufhin untersucht, ob es darin einen Verlust des Chromosoms 3 gibt (Monosomie 3). Diese genetische Auffälligkeit weist auf eine besonders aggressive Form des Aderhautmelanoms hin, dessen Metastasierung derzeit noch nicht verhindert werden kann. „An diesem Punkt soll unsere Therapie ansetzen“, sagt Dr. Schuler-Thurner. Nach der Operation des Tumors wird aus körpereigenen Dendritischen Zellen ein Impfstoff mit präzise auf die individuellen Tumorzellen abgestimmten Krebserkennungsmerkmalen hergestellt, die eine Entwicklung von Tochtergeschwüren verhindern sollen.

Impfung gegen Krebs bei anderen Tumorarten sehr erfolgreich

Die Herstellung der personalisierten Impfstoffe auf Grundlage von isolierten Tumor-Strukturinformationen (RNA) erfolgt in einem Reinraumlabor der Hautklinik des Universitätsklinikums Erlangen aus patienteneigenen gezüchteten Dendritischen Zellen. Die Patienten erhalten dann in den teilnehmenden Augenkliniken insgesamt acht Impfungen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dass das Therapieverfahren bei anderen Krebsarten erfolgreich ist, wurde bereits weltweit im Rahmen von klinischen Studien an Tausenden von Patienten mit zum Beispiel Hautmelanom, Nierenzellkarzinom, Prostatakarzinom oder auch Gehirntumoren gezeigt.

Kontakt zur Erlanger Studienzentrale: Tel.: 09131/85-45833, experimentelle-immuntherapie@uk-erlangen.de

Weitere Informationen: www.uker.de/de-augenkrebs

Weitere Informationen:

PD Dr. Beatrice Schuler-Thurner
Tel.: 09131/85-33724
beatrice.schuler-thurner@uk-erlangen.de

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