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Christine Adelhardt

Christine Adelhardt ist ARD-Korrespondentin und Studioleiterin in Peking. (Bild: privat)

Christine Adelhardt (geb. 1964 in Erlangen) hat Politische Wissenschaften an der FAU studiert und nebenher als freie Journalistin unter anderem bei Zeitungen und im Hörfunk gearbeitet. Nach ihrem Studium war sie als Reporterin beim Bayerischen Rundfunk tätig. 2001 wechselte sie zum Norddeutschen Rundfunk.

Adelhardt berichtete als Korrespondentin für die ARD unter anderem aus dem Kosovo, Bosnien, Albanien und Pakistan. Nach Stationen bei der NDR-Sendung „Panorama“ und im ARD-Studio Washington übernahm sie 2010 als Studioleiterin das Büro in Peking. Wenn sie sich nicht beruflich in China aufhält, lebt Christine Adelhardt in Erlangen.

Ich lebe im Hier und Jetzt

Frau Adelhardt, Sie haben an der FAU Politikwissenschaften studiert. Gibt es etwas aus Ihrer Studienzeit, woran Sie sich immer wieder gerne erinnern?

An die große Freude, wenn ich mit meinem alten R4 direkt vor der Philosophischen Fakultät in der Kochstraße einen Parkplatz gefunden habe. An die Unibibliothek, in der ich damals tatsächlich regelmäßig Bücher ausgeliehen habe.

Haben Sie denn noch Kontakt mit ehemaligen Kommilitonen?

Leider nein. Das liegt vielleicht daran, dass ich in Erlangen groß geworden bin und auch während des Studiums meine Freizeit mit meinen alten Freunden aus der Schule verbracht habe. Oder aber daran, dass ich keine besonders fleißige Studentin war und nicht so oft in die Uni gegangen bin.

Bereits als Studentin haben Sie journalistisch gearbeitet. Wollten Sie schon damals Auslandskorrespondentin werden?

Nein, ich hatte nie einen Karriereplan. Ich habe für den Plärrer geschrieben, weil ich so in die neuesten Kinovorstellungen, zu Ausstellungseröffnungen oder zu Theater Premieren gehen konnte. Und ich habe bei Radio Z gearbeitet, weil ich das Projekt spannend fand und jede Woche eine einstündige Kultursendung gestalten konnte. Ich habe einfach getan, was mir am meisten Spaß gemacht hat.

Derzeit sind Sie ARD-Korrespondentin und Studioleiterin in Peking – wie sieht denn ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den „typischen“ Arbeitstag gibt es nicht. Mal reise ich mit dem Kamerateam durch China, treffe die unterschiedlichsten Menschen und erlebe dieses Land hautnah. Dann verbringe ich Stunden auf Flughäfen weil die Flüge verspätet sind. Mal sitze ich den ganzen Tag nur vor dem Computer, lese und recherchiere. Dann verbringe ich Stunden im Schneideraum. Und manchmal schlage ich mich nur mit Kosten herum oder mit chinesischer  und deutscher Bürokratie. Das Schöne daran ist: man weiß nie genau, was der nächste Tag bringt. Es kann Routine sein oder ein großes Abenteuer.

Wenn Sie Ihr Bürofenster in Peking öffnen, was hören und sehen Sie?

Ich öffne mein Fenster eigentlich nie. Erstens, weil vor meinem Buero eine vierspurige Straße verläuft, die sehr laut ist. Und zweitens, weil es oft Smog in Peking gibt und so nur noch mehr giftige Luft in mein Büro käme.

Sie haben als Korrespondentin aus vielen unterschiedlichen Ländern berichtet. Welcher Ort oder welches Erlebnis hat Sie am meisten beeindruckt?

Ich habe da kein Ranking. Mich beeindruckt immer das am meisten, was ich gerade erlebe. Aber natürlich gibt es Stimmungen, Erlebnisse, Situationen und Bilder, die ich nie vergessen werde: Die Freude der Kosovaren, als sie nach dem Krieg in ihre Heimat zurückströmten. Das Leid der Flüchtlinge an der pakistanisch-afghanischen Grenze. Die Verzweiflung der Obdachlosen in New Orleans nach Hurrikan Katrina, Bischof Mixa’s Gesicht, als ich ihn nach einem Gottesdienst zu seinen „Verfehlungen“ fragte. Die weinende Mutter am Grab ihres Sohnes, der bei dem Massaker vom Tiananmen erschossen wurde. Oder das Interview mit Dirk Nowitzki nach einem Spiel der Mavericks, als er nackt aus der Dusche kam. Und noch vieles, vieles mehr.

Wie gehen Sie mit Gefahren in Krisenregionen um?

Ich versuche, sie so gut es geht zu vermeiden. Gefahr besteht ja nicht nur, wenn geschossen wird. Gefahr kann sein, dass Interviewpartner nach einem Gespräch mit uns verfolgt werden. Gefahr kann sein, dass man wegen des Drucks der Ereignisse, sich selbst und die Menschen, mit denen man arbeitet überfordert. Gefahr kann sein, dass man seine Arbeit wichtiger nimmt, als das, was den Menschen um einen herum gerade widerfährt. In manche Gefahr würde ich die Menschen mit denen ich zu tun habe und mich selbst heute nicht mehr begeben. In andere Gefahren werde ich wohl auch in Zukunft hineinstolpern, ohne sie vorher erkannt zu haben.

Im Januar 2013 wurden Sie mit Ihrem Team während Recherchen in der chinesischen Provinz Hebei von Schlägern angegriffen. Welche Auswirkungen haben solche Erlebnisse auf Ihre Tätigkeit?

Selbstverständlich hinterlässt so etwas Spuren. Auch Angst. Und natürlich Sorge, denn schließlich bin ich nicht nur für mich, sondern auch für die Menschen, mit denen ich arbeite und die wir interviewen verantwortlich. Ich bin mir aber sicher, dass ich den Vorfall nicht leichtfertig verursacht habe oder ihn durch bessere Vorbereitung hätte vermeiden können. Am Ende bleibt nur: aufrichtig versuchen, sein Bestes zu tun. Und für einen Journalisten bedeutet das: nach sorgfältiger Abwägung über das zu berichten, was berichtenswert ist.

Was betrachten Sie als Ihren bisher wichtigsten beruflichen Erfolg?

Erfolg? Das ist schwer. Ich lebe im hier und jetzt. Momentan halte ich meine Tätigkeit hier in China für das Beste, was mir beruflich bislang passiert ist. Davor war ich überzeugt, dass meine Arbeit bei Panorama das Großartigste sei. Davor hielt ich meine Tätigkeit in den USA für das tollste Abenteuer. Noch davor hätte ich behauptet, dass meine Berichterstattung aus dem Kosovo das Beste war. Und wer weiß, was morgen kommt.

Sie sind in Erlangen geboren und leben heute noch hier, wenn Sie nicht beruflich unterwegs sind. Was hält Sie in der Heimat?

In Erlangen leben meine Kinder, meine Eltern, Geschwister, meine ganze Familie und die meisten meiner Freunde sind noch hier oder kommen doch immer wieder nach Erlangen zurück. Ich bin hier groß geworden, habe die meisten Zeit meines Lebens hier verbracht und werde das auch weiter tun.

Erlangen ist ein sehr lebenswerter Ort: klein genug um Vertrautes immer wieder zu finden und weltoffen genug, um immer wieder Neues zu entdecken. Mir gefällt es hier.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in Erlangen?

Viele. Die „Kulisse“ auf ein Bier. Die Kindergruppe „Kiosk“ in der Artilleriestraße. Die Fußgängerzone auf einen Kaffee. Das „T“ auf dem Weg zum Berg. Der Glühweinstand am Schlossplatz. Der Minigolfplatz in Alterlangen. Der Radweg über den Wiesengrund. Die Terrasse an meinem Haus. Und und und…..

Frau Adelhardt, haben Sie vielen Dank, dass Sie uns „Ihr“ Erlangen gezeigt, und uns einen Blick hinter die Kulissen Ihrer spannenden Arbeit als Journalistin gewährt haben!

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