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Mädchen für Technik und Naturwissenschaften begeistern

Desiree Özgün ist von Anfang bei CyberMentor - die ersten Jahre ab 2006 als Mentee, seit 2010 als Mentorin. (Bild: Desiree Özgün)

Interview mit Studentin Desiree Özgün, die das Programm CyberMentor als Schülerin und als Mentorin kennt

Schon einmal daran gedacht, Ingenieurin zu werden? Oder Informatikerin? Oder Chemikerin? Schülerinnen, die sich für MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, interessieren, sind bei CyberMentor richtig. Es ist das bundesweit größte wissenschaftlich begleitete Online-Mentoring-Programm der FAU und der Universität Regensburg für Schülerinnen ab der 5. Klassenstufe – die neue Runde von CyberMentor startet am 15. Dezember 2016. Seitdem die Plattform vor zehn Jahren ins Leben gerufen wurde, haben über 5000 Schülerinnen wertvolle Ratschläge erhalten. Anlässlich des Jubiläums haben wir mit Desiree Özgün gesprochen. Die Wirtschaftsinformatik-Studentin (Lancaster University) ist von Anfang an dabei – die ersten Jahre ab 2006 als Mentee, seit 2010 engagiert sich sie als Mentorin.

Warum haben Sie sich als Schülerin für eine Teilnahme an CyberMentor entschieden?

CyberMentor wurde 2006 an unserer Schule vorgestellt und es klang interessant. Ich habe mich damals schon für Naturwissenschaften und Informatik interessiert. Ich war einfach neugierig auf MINT und CyberMentor und wollte gern Mädchen und Frauen aus unterschiedlichsten MINT-Bereichen kennenlernen.

Welche Unterstützung haben Sie durch Ihre Mentorinnen und CyberMentor erhalten?

Ich habe eine tolle Unterstützung durch alle meine drei Mentorinnen erhalten. Gerade durch den regelmäßigen Austausch über deren Studium und Berufsalltag fiel es mir viel leichter, das passende Studium für mich zu finden. Besonders eng war die Beziehung zu meiner zweiten Mentorin, einer Informatikerin, die ich zwei Mal besucht habe. Auch nach CyberMentor sind wir noch lange in Kontakt geblieben und haben uns ausgetauscht, so half sie mir beispielsweise auch während meines Abiturs bei einem Projekt und vermittelte mir den Kontakt zu einer Wirtschaftsinformatikerin, der ich dann meine Fragen zu ihrem Beruf stellen konnte.

Auch die Angebote auf der CyberMentor-Plattform haben mir sehr geholfen. Im Forum und in der plattforminternen Zeitschrift „CyberNews“ habe ich viel Wissenswertes über Studienrichtungen in MINT erfahren. Bei speziellen Fragen zu MINT-Berufen unterstützten mich auch die anderen Mentorinnen auf der Plattform.

Welche bleibenden Erinnerungen nehmen Sie aus Ihrer Zeit als Mentee mit?

Im Jahr 2006 habe ich mit weiteren Mentees an einem Schülerwettbewerb teilgenommen. Im Projekt ging es um ein Implantat zur automatischen Überwachung des Blutzuckerspiegels. Im Rahmen dessen waren wir auch am Fraunhofer-Institut in München – meinem ersten Besuch in einem Labor. Ich habe diese Zeit sehr genossen, da ich sowohl weitere MINT-interessierte Mädchen kennengelernt habe als auch weitere Themen erkunden durfte. Das Projekt konnten wir sogar in einer Radiosendung vorstellen – eine tolle Erfahrung. Ein weiteres Highlight war ein Schulpraktikum, welches ich gemeinsam mit einer Freundin beim CyberMentor-Team an der Universität Regensburg absolvierte. In dieser Praktikumswoche haben wir uns mit dem Thema PHP-Programmierung beschäftigt und konnten somit weitere Einblicke in die Informatik und in den Unialltag gewinnen.

Seit 2010 engagieren Sie sich als Mentorin. Warum haben Sie sich für diesen Perspektivwechsel entschieden?

CyberMentor hat mich persönlich sehr bei der Studien- und Berufswahl unterstützt. Nun wollte ich meine Erfahrungen gern weitergeben. Ich finde es wichtig, Mädchen die Chance zu geben, sich über verschiedene Möglichkeiten zu informieren und Vorbilder zu finden. Dies trägt sehr dazu bei, sich bei der Berufswahl mehr zu „trauen“.

Wie gestaltet sich Ihre Aufgabe als Mentorin?

Oft sind die Mentees an meinem Alltag, dem Studium allgemein, genaueren Themengebieten im Wirtschaftsinformatik-Studium oder auch an Möglichkeiten, wie sie in ihrer Freizeit MINT-Aktivitäten nachgehen können, interessiert. Ich helfe ihnen zum Beispiel bei der Suche nach einem passenden Praktikum oder gebe Tipps zu interessanten Veranstaltungen und beantworte ihre Fragen zu MINT-Themen oder dem Studium. Gemeinsam mit meiner Mentee baue ich auch Kontakte zu den anderen Mentees und Mentorinnen auf, um gemeinsam Projekte zu bearbeiten oder sie bei Wettbewerben zu unterstützen. Die Mentees können so wertvolle Erfahrungen in der Teamarbeit fürs spätere Berufsleben sammeln.

Mit einer Mentee hat sich ein besonders reger Austausch über das Jahr entwickelt, wodurch ich ihr besonders gut helfen konnte. Sie hatte bereits vor ihrer Teilnahme Interesse an Informatik und ich freue mich sehr darüber, dass sie nach ihrem Abitur ein Wirtschaftsinformatikstudium angefangen hat und mit der Wahl sehr zufrieden ist.

Wenn Sie an Ihre Branche und an Ihren eigenen Werdegang denken, wie schätzen Sie die Bedeutung eines Programms wie CyberMentor ein?

Ich finde es wichtig, sich frühzeitig mit möglichst vielen Berufsmöglichkeiten auseinanderzusetzen, um herauszufinden, was zu einem passt und wofür man sich interessiert. Generell sollte man sich nicht von Erwartungen anderer beeinflussen lassen, sondern seinen eigenen Weg gehen. Mädchen sollten sich nicht entmutigen lassen, ein Fach zu studieren, bei dem Mädchen eher in der Unterzahl sind oder das nicht typisch ist.

Vielleicht liegt es daran, dass Mädchen zahlreiche Möglichkeiten und Wege gar nicht kennen, sondern nur die „üblichen“ Berufe. Einige Mädchen sehen sicherlich auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Problem. Eventuell ist es auch so, dass einige Mädchen keine interessanten MINT-Aktivitäten kennen. CyberMentor bietet hier eine hervorragende Möglichkeit, sich mit all diesen Themen zu beschäftigen.

Die neue Runde von CyberMentor startet am 15. Dezember 2016

An CyberMentor teilnehmen können Schülerinnen ab der 5. Klasse sowie als Mentorin Studentinnen ab dem 3. Fachsemester sowie Akademikerinnen mit einem MINT-Profil. Der Einstieg in das Programm ist im März, Juni, September und Dezember eines Jahres möglich. Informationen und Anmeldung: www.cybermentor.de/anmeldung.

Über CyberMentor

CyberMentor ist das größte deutschlandweite E-Mentoring-Programm, das sich an Schülerinnen ab der 5. Klassenstufe mit einem Interesse am MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) richtet. Ziel ist es, Schülerinnen zu MINT-Aktivitäten anzuregen, ihnen die vielfältigen Zukunftsperspektiven im MINT-Bereich aufzuzeigen und Orientierungshilfen zu geben. Jährlich nehmen an dem Programm bis zu 800 Schülerinnen und MINT-Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft teil. Jeder Schülerin wird ausgehend von ihren MINT-Interessen für ein Jahr lang eine passende Mentorin zugeteilt. Die Mentoring-Paare tauschen sich auf der geschützten Onlineplattform via E-Mail, Chat oder in Foren über Fragen rund um MINT, Schule, Studium, Beruf und Alltag aus. Darüber hinaus gibt es für die Teilnehmerinnen eine Online-Zeitschrift, ein MINT-Diskussionsforum, regelmäßige Themenchats sowie ein Veranstaltungskalender und eine Stellenbörse. In den letzten zehn Jahren hat CyberMentor über 5.000 Mädchen erfolgreich unterstützt. Rund 70 Prozent der befragten ehemaligen Teilnehmerinnen entschieden sich für eine MINT-Studienrichtung oder -Ausbildung.

Das Programm wird an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg von Prof. Dr. Dr. Albert Ziegler und an der Universität Regensburg von Prof. Dr. Heidrun Stöger geleitet. Die Finanzierung erfolgt durch die Unternehmen Daimler AG, IBM Deutschland GmbH, SAP AG, Arbeitgeberverband Gesamtmetall, Fraunhofer Gesellschaft, ZF Friedrichshafen AG, Audi AG, AVL Software and Functions GmbH, Capgemini Deutschland GmbH, Krones AG, Maschinenfabrik Reinhausen GmbH.

Weitere Informationen:

Nicole Dutschmann
Tel.: 0911/5302-9107
nicole.dutschmann@cybermentor.de

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