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Meilenstein für die Diagnostik chronischer Entzündungen

Das Universitätsklinikum Erlangen von oben. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Erlanger Mediziner zeigen erstmals, wie sich mit einer innovativen Lasertechnik Entzündungen schneller und schonender erkennen lassen

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind die häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen – in Deutschland leiden rund 400.000 Menschen an den immer wiederkehrenden Entzündungen der Darmschleimhaut. Bisher fehlt es an verlässlichen, nicht-invasiven Methoden, diese Schübe zu erkennen. Forscher der FAU Erlangen-Nürnberg an der Medizinischen Klinik 1 – Gastroenterologie, Pneumologie und Endokrinologie und der Kinder- und Jugendklinik (des Universitätsklinikums Erlangen zeigen nun erstmals, wie sich mit der Multispektralen Optoakustischen Tomographie (MSOT) Entzündungen frühzeitig erkennen lassen und stellen ihre Ergebnisse im New England Journal of Medicine vor.

Bei der Beurteilung der Darmschleimhaut von Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind Ärzte sehr häufig auf eine invasive Endoskopie angewiesen. Dies soll Komplikationen verhindern und eine optimale Therapie gewährleisten. Zunehmend werden aber auch weniger belastende Bildgebungsmethoden wie der Ultraschall eingesetzt. Mit ihm kontrollieren Ärzte beim Patienten regelmäßig den Aufbau, die Dicke und die Durchblutung der Darmwände. Eine Veränderung des Durchblutungsmusters kann auf einen anstehenden Entzündungsschub hindeuten.

„Bei dem MSOT-Verfahren setzen wir für die Untersuchung zusätzlich einen nicht spürbaren Laser ein, mit dem wir Entzündungsaktivitäten früher als bisher entdecken können“, erklärt Prof. Dr. Maximilian Waldner, Juniorprofessor an der Medizin 1 des Uni-Klinikums Erlangen. „Je eher wir die Vorboten eines eintretenden Schubs, zum Beispiel eine veränderte Durchblutung, erkennen, desto schneller können wir reagieren und den Patienten vorbeugend behandeln.“ Das MSOT-Verfahren wurde von der iThera Medical GmbH in München entwickelt und im vergangenen Jahr erstmals in einer Erlanger Darmstudie eingesetzt.

Jetzt haben die Forscher der Medizin 1 und der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen im renommierten New England Journal of Medicine ihre Ergebnisse veröffentlicht. „Wir haben mit dem MSOT-Verfahren insgesamt 108 Patienten mit Morbus Crohn untersucht und die Methode mit weiteren etablierten Verfahren aus der Klinik und dem Labor sowie der Endoskopie und der Histologie verglichen“, beschreibt Prof. Waldner. „Wir konnten nachweisen, dass die mit MSOT messbaren Hämoglobinwerte im Gewebe sehr genaue Aussagen über die entzündliche Aktivität im Darm liefern. Die Methode ist höchstwahrscheinlich anderen, nicht-invasiven Verfahren überlegen, da MSOT erstmals die Möglichkeit bietet, selbst geringe Entzündungen zu detektieren, ohne eine Endoskopie durchführen zu müssen.“

Dr. Ferdinand Knieling, Assistenzarzt der Kinderklinik des Uni-Klinikums Erlangen, fügt an: „Wir machen uns berechtigte Hoffnungen, dass wir dieses Prinzip auf viele Anwendungen übertragen und insbesondere auch für möglichst schonende Untersuchungen bei Kindern und Jugendlichen nutzen können. Mit der neuen Untersuchungsmethode ließen sich in vielen Fällen invasive Untersuchungen einsparen.“

Bei dem MSOT-Verfahren durchleuchten die Ärzte den Darm durch die Haut mit gepulstem Laserlicht. Die Energie des absorbierten Lichts wird in ein Ultraschallsignal umgewandelt, das dann durch hochsensible Ultraschalldetektoren aufgenommen wird. Christian Wiest, Geschäftsführer der iThera Medical GmbH, erläutert: „MSOT ist ein komplett neues, bildgebendes Verfahren, das ohne den Einsatz von Kontrastmitteln eine hoch sensitive Diagnostik für verschiedenste Erkrankungen ermöglicht.“ Bereits 2016 konnten die Wissenschaftler in einer Pilotstudie Veränderungen des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin innerhalb der Darmwand erkennen.

Die Studienergebnisse erschienen am 30. März 2017 im Fachmedium New England Journal of Medicine (Volume 376, Issue 13, S. 1292–1294).

Weitere Informationen:

Dr. Ferdinand Knieling
Telefon: 09131 85-33118
E-Mail: ferdinand.knieling@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Maximilian Waldner
Telefon: 09131 85-35204
E-Mail: maximilian.waldner@uk-erlangen.de

 

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