Digitale Unisammlungen – Forschungsobjekte im Netz

Mathematische Modelle der FAU-Sammlung (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

FAU und GNM entwickeln Strategie, um Universitätssammlungen zu digitalisieren

Sammlungen sind wichtige Hilfsmittel für den Lehr- und Forschungsbetrieb an Universitäten. Um die eigenen Sammlungen sichtbarer für Forschung und Öffentlichkeit zu machen, ihre Nutzbarkeit zu erhöhen und sie als wichtige Infrastruktur für Forschung und Lehre weiter auszubauen, entwickelt die FAU in Zusammenarbeit mit dem Germanischen Nationalmuseum (GNM) anhand von sieben ausgewählten FAU-Sammlungen eine gemeinsame Dokumentations- und Digitalisierungsstrategie. Aufgabe des Projektes ist es, die Bestände zu erfassen, digital zugänglich zu machen und zu vernetzen, mit dem Ziel, Forschung und Lehre in den Sammlungen noch weiter zu verbessern und die notwendige Diskussion über Nutzen und Herausforderungen der Digitalisierung in Sammlungen zu befeuern. Begleitend findet hierzu ab 26. Oktober wöchentlich die Ringvorlesung „Objekte im Netz. Sammlungen im digitalen Zeitalter“ statt.

Kabinette des Wissens

Verteilt über 80 Universitäten, gibt es in Deutschland rund 1000 Sammlungen. Die Themengebiete, die sie abdecken, reichen von Paläontologie über Anatomie und Informatik bis hin zu Mathematik. Die dort gelagerten Objekte sind Wissensschätze, die von eifrigen Forschern und Kustoden über Jahrzehnte gesammelt wurden: versteinerte Knochen, Gipsabgüsse griechischer Statuen, frühe  Computer, präparierte Körperteile oder zoologische Modelle. Allein die FAU besitzt rund 25 solcher Sammlungen mit zahlreichen Objekten aus unterschiedlichen Disziplinen.

Der wissenschaftliche Wert von Universitätssammlungen ist immens. Doch sind längst nicht alle Objekte erfasst, lediglich etwa ein Drittel aller Sammlungen in Deutschland ist überhaupt im Internet zugänglich. Um sie jedoch möglichst gewinnbringend in Forschung und Lehre einsetzen zu können, müssen sie digital systematisch erfasst und erschlossen werden. Bisher ist dies bei vielen Sammlungen ohne hinreichend standardisierte Dokumentation oder weiterführende Digitalisierungsstrategie geschehen. Vor allem fehlt es aber an übergreifenden Strukturen, wie beispielsweise vernetzten Beständen und Bestandsinformationen.

FAU besonders geeignet

Mit dem Projekt „Objekte im Netz“, mit 553.000 Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, möchten FAU und GNM zusammen eine Erschließungs- und Digitalisierungsstrategie sowie eine entsprechende Software-Lösung und Webauftritte für die Sammlungen der FAU entwickeln. Gerade das GNM bietet sich dafür als Partner an, da es als bedeutendes Forschungsmuseum im Bereich gängiger internationaler Dokumentationsstandards auf viel Expertenwissen zurückgreifen kann.

Die Sammlungen der FAU, die in dem Projekt erschlossen werden, sind die Graphische Sammlung der Universitätsbibliothek, die Medizinische Sammlung, die Paläontologische Sammlung, die Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung, die Schulgeschichtliche Sammlung sowie die Musikinstrumentensammlung. Letztere ist 2010 mit der Zusammenlegung der musikwissenschaftlichen Seminare an die Universität Würzburg übergegangen. Die FAU eignet sich für das Gemeinschaftsprojekt auch deshalb besonders gut, da die ausgewählten Sammlungen nicht nur unterschiedlich gut erschlossen sind, sondern sich in Bezug auf Materialität, Funktion und Herkunft ihrer Dingwelten stark unterscheiden.

Stein des Anstoßes

Das durch das Projekt entstehende Wissen soll  über die Grenzen der FAU hinweg auch für andere Universitätssammlungen verfügbar gemacht werden sowie in die Lehre des Studiengangs Digital Humanities an der FAU einfließen. In diesem neuen Zweig der Geisteswissenschaften werden nicht nur computergestützte Verfahren zur Anwendung gebracht, sondern auch über deren Auswirkungen diskutiert. Zu diesem notwendigen Diskurs, der in der deutschen Museums- und Sammlungslandschaft bislang viel zu wenig entwickelt ist, möchten FAU und GNM gemeinsam beitragen. „Nicht zuletzt soll das Projekt einen kritischen Dialog über Chancen, Hindernisse und Folgen der Digitalisierung wissenschaftlicher Sammlungen anstoßen“, sagt Udo Andraschke, der Zentralkustos der FAU und Leiter des Forschungsprojektes.

Begleitende Ringvorlesung soll Einblicke gewähren

Im Rahmen des Projektes findet begleitend die Ringvorlesung „Objekte im Netz. Sammlungen im Digitalen Zeitalter“ statt. In ihr geben die Referentinnen und Referenten in mehreren Vorträgen einen Überblick über die Digitalisierungspraxis in verschiedenen Museen und Sammlungen im deutschsprachigen Raum. Hierbei  thematisieren sie aktuelle Entwicklungen, Chancen und Herausforderungen wie Social Media, 3D-Digitalisierung, Nachhaltigkeit sowie rechtliche Rahmenbedingungen. Eröffnet wird die Ringvorlesung am 26. Oktober, um 19.30 Uhr, im Aufseß-Saal des GMN vom Präsidenten der FAU, Prof. Dr. Joachim Hornegger, und Prof. Dr. G. Ulrich Großmann, dem Generaldirektor des GMN. Dr. Thomas Eser vom GNM wird den ersten Vortrag halten und über die „digitale Rollenfindung im Museum zwischen Ideal und Wirklichkeit“ sprechen. Die aktuelle Sonderausstellung „Luther, Kolumbus und die Folgen“ wird im Anschluss noch geöffnet sein.  Ab 2. November findet die Ringvorlesung im Kollegienhaus, Hörsaal KH 1.016, Universitätsstraße 15, Erlangen statt. Der Eintritt ist jeweils frei.

Informationen:

Das Programm der Ringvorlesung sowie weitere Informationen zum Projekt „Objekte im Netz“

Udo Andraschke
Tel.: 09131/85-20745
udo.andraschke@fau.de

Imagefilm der Friedrich-Alexander Universität

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