Musik liegt in der Luft

Die Bläserklasse der Ernst Penzoldt Mittelschule Erlangen beim Üben. (Bild: Stefan Bühler)

Die Musikpädagogik der FAU unterstützt die musische Bildung von Schülern

Musik ist und war schon immer ein wichtiger, wenn nicht sogar unersetzlicher Teil der menschlichen Existenz und Kreativität. Musik kann glücklich, traurig, fröhlich und noch so vieles mehr stimmen – und manchmal überkommen einen beim Hören von Musik all diese Gefühle auf einmal. Vor allem bei der optimalen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen kann Musik sehr viel bewirken.

Aus diesem Grund ist die Unterstützung der musischen Erziehung und Ausbildung von Kindern und Jugendlichen eine Herzensangelegenheit des Fachs Musikpädagogik an der FAU, das von Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer geleitet wird. Mit den Projekten „klasse.im.puls“ und „Musikalische Grundschule“ ermöglicht die Musikpädagogik bayerischen Schülerinnen und Schülern unter anderem das Erlernen eines Musikinstruments und so das gemeinsame Musizieren. Bei „klasse.im.puls“ stehen dabei die einzelnen Klassen im Vordergrund, bei der musikalischen Grundschule der gesamte Schulalltag.

Eine ganze Klasse im Puls der Musik

Das Projekt klasse.im.puls wurde 2009 auf Initiative der Musikpädagogik an der FAU ins Leben gerufen und steht unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Kultusministers Dr. Ludwig Spaenle. Klasse.im.puls bedeutet, dass mittlerweile eine oder mehrere fünfte Klassen an 182 Mittel- und Realschulen in Bayern aktiv musizieren. Dabei können die Schulen zwischen sieben verschiedenen Klassenmusiziermodellen wählen: Bandklasse, Bläserklasse, Chorklasse, Keyboard- oder Klavierklasse, Percussionklasse, Streicherklasse oder Zupforchesterklasse. Ab dem Schuljahr 2017/18 kommt außerdem noch die Ukulele hinzu. Auch mehrere Musikklassen pro Schule sind möglich, die Form der Klasse können die Schulen zu ihren individuellen Voraussetzungen passend selbst wählen.

Für die Chorklassen von klasse.im.puls gibt es die Möglichkeit bei einem Konzert der Nürnberger Symphoniker aufzutreten. (Bild: Stephan Hummel)

Für die Chorklassen von klasse.im.puls gibt es die Möglichkeit bei einem Konzert der Nürnberger Symphoniker aufzutreten. (Bild: Stephan Hummel)

Jeweils ein Musiklehrer oder eine Musiklehrerin übernimmt die Aufgabe des Projektmanagers und ist Ansprechpartner für die Universität und das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst. Das Besondere an klasse.im.puls ist, dass nicht nur die Schülerinnen und Schüler eine umfangreiche musikalische Ausbildung erhalten, sondern dass auch Studierende, Berufsanfänger und erfahrene Lehrkräfte in Qualitätslehrgängen zu Leitung einer Musikklasse fortgebildet werden.

Die Schülerinnen und Schüler der Musikklassen wiederum entfalten ihr musikalisches Talent während drei Schulstunden in der Woche: In einer Stunde lernen sie – entsprechend des Lehrplans – die theoretischen Grundlagen, in einer weiteren Stunde üben sie mit ihrem Instrument und während der dritten Stunde spielen die Schülerinnen und Schüler im Ensemble. Durch das gemeinsame, regelmäßige Musizieren lernen die Mädchen und Jungen nicht nur ein Instrument zu spielen und im Chor zu singen, sondern sie erweitern so auch ihre personalen, schulischen und sozialen Kompetenzen und merken, wie wichtig der Einzelne für das Funktionieren einer Gruppe oder Gemeinschaft ist. Zudem sammeln die Schülerinnen und Schüler bei schulübergreifenden Veranstaltungen Bühnenerfahrung und erfahren Anerkennung für ihre Leistung.

Bühnenerfahrung zu sammeln ist ein wesentlicher Bestandteil des Projekts klasse.im.puls. (Bild: klasse.im.puls)

Bühnenerfahrung sammeln die Bandklassen unter anderem beim rock.im.puls, dem Festival der Bandklassen. (Bild: klasse.im.puls)

Für die Schulen gibt es zwei Wege, bei klasse.im.puls mitzumachen: Entweder als Neueinsteiger, wenn noch keine Musikklasse vorhanden ist, aber auch als Schule, an der bereits eine oder mehrere aktive Musikklassen existieren. Das klasse.im.puls-Team begleitet dabei jede Schule während der mindestens vier Jahre, in denen das Projekt durchgeführt wird. Für die teilnehmenden Schulen ergeben sich jedoch noch weitere Vorteile. So erhalten sie Vergünstigungen bei der Neuanschaffung von Instrumenten bei Partnerfirmen oder die Möglichkeit sich bei klasse.im.puls-Großveranstaltungen zu präsentieren.

Das klasse.im.puls im wahrsten Sinne des Wortes ein „klasse“ Projekt ist, zeigen nicht nur die stetig steigende Zahl der teilnehmenden Schulen – im Schuljahr 2017/18 werden 19 weitere Schulen hinzukommen, sondern auch Auszeichnungen wie der Bayerische Rockpreis PICK UP, den klasse.im.puls 2014 für die Förderung von Rockmusik an bayerischen Schulen erhalten hat.

Einer der Bandklassen von klasse.im.puls gibt ein Konzert. (Bild: klasse.im.puls)

Einer der Bandklassen beim Festival rock.im.puls. (Bild: klasse.im.puls)

Doch ein Projekt war den Musikpädagogen an der FAU nicht genug. Deswegen sorgt seit dem Schuljahr 2011/12 die „Musikalische Grundschule“ auch bei den kleinen ABC-Schützen dafür, dass Musik im schulischen Alltag eine wichtige Rolle spielt.

Einmal Grundschule mit Musik, bitte!

Im Gegensatz zu klasse.im.puls wird bei der Musikalischen Grundschule das Prinzip „Schule mit Musik“ noch umfassender gedacht. Hier soll die Musik den kompletten Schulalltag begleiten und als integrierender Faktor dienen. Dem entsprechend lautet das Motto der musikalischen Grundschule: Mehr Musik – in mehr Fächern – von mehr Lehrkräften – zu mehr Gelegenheiten.

Durch das gemeinsame Musizieren lernen die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig jeder Einzelne für die Gemeinschaft ist. (Bild: Roland Fengler)

Durch das gemeinsame Musizieren lernen die Schülerinnen und Schüler, wie wichtig jeder Einzelne für die Gemeinschaft ist. (Bild: Roland Fengler)

Das Konzept wurde von der Bertelsmann Stiftung in Hessen entwickelt und 2005 in einer Pilotphase getestet. Deutschlandweit nehmen über 450 Schulen an dem Projekt teil, in Bayern wurde die Musikalische Grundschule auf Initiative von Prof. Dr. Wolfgang Pfeiffer, Professur für Musikpädagogik an der FAU, etabliert. In Bayern gibt es mittlerweile 71 Musikalische Grundschulen, darunter sind auch zwei Förderzentren.

Damit die Musik möglichst umfassend in den Schulalltag integriert werden kann, ist es notwendig, dass das gesamte Kollegium das Projekt unterstützt und sowohl Lehrer, Schüler als auch Eltern in den Prozess einbezogen werden. Pro Schule wird ein Musikkoordinator aus dem Kollegium ernannt, der das zweijährige Projekt begleitet und durch die Teilnahme an sechs zweitägigen Fortbildungsmodulen in den Bereichen Musik und Schulentwicklung für diese Aufgabe weitergebildet wird. Besonders an der Fortbildung in Bayern ist, dass sie auch von Lehrenden gemacht werden kann, die keine musikalische Ausbildung besitzen.

Die Musikalische Grundschule macht Musik zu einem festen Bestandteil des schulischen Alltags. (Bild: Musikalische Grundschule)

Die Musikalische Grundschule macht Musik zu einem festen Bestandteil des schulischen Alltags. (Bild: Musikalische Grundschule)

Eine zentrale Aufgabe der Koordinatoren ist es, die Konferenzen zu steuern, an denen die musikalischen Aktivitäten für das Schuljahr geplant werden. Wie genau diese Aktivitäten aussehen – ob Morgensingen, Pausenkonzerte oder Musicalprojekte – bleibt den Schulen überlassen. Diese gestalterische Freiheit gibt ihnen die Möglichkeit, das eigene Profil weiterzuentwickeln.

Die Schulen in Mittelfranken profitieren zusätzlich von Kooperationsmöglichkeiten mit dem Windsbacher Knabenchor. So besuchen die Mitglieder des Chors die Schülerinnen und Schüler, um ihre Fragen rund um die Arbeit in einem Chor zu beantworten. Im kommenden Schuljahr werden weitere 21 Schulen das Entwicklungsprogramm absolvieren.

Inklusion und Integration durch Musik

Neben der umfassenden Einbindung von Musik in den Schulalltag liegt ein weiterer Schwerpunkt der Musikalischen Grundschule auf der Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit Handicap und die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund. Mit Hilfe der einzelnen musikalischen Aktivitäten wird das Gemeinschaftsgefühl an den Schulen weiter gefestigt und intensiviert.

Weitere Informationen stehen sowohl auf der Homepage der Musikpädagogik an der FAU, als auch auf den Webseiten der einzelnen Projekte zur Verfügung.

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