Fieberauslöser schneller überführt

Diagnostische PET-CT-Aufnahme einer Aortitis, bei der die Wände der Hauptschlagader (Aorta) entzündet sind (gelb-rötliche Färbung. (Bild: Uni-Klinikum Erlangen)

Neue Strategie zur Aufklärung von unklarem Fieber und erhöhten Entzündungswerten mit PET-CT entdeckt

Fieber kann bei einer Erkältung auftreten oder das Warnsignal einer schweren Erkrankung sein. Hält das Fieber länger als drei Wochen an oder tritt es ohne offensichtlichen Grund immer wieder auf, sprechen Mediziner von „Fieber unklarer Genese“. Auch erhöhte Entzündungswerte können eine unbekannte Herkunft haben. In beiden Fällen ist eines klar: Der mysteriöse Täter muss ermittelt werden. Da sich hinter den Symptomen ernsthafte Ursachen wie Autoimmunerkrankungen, Infektionen oder auch Tumoren verbergen können, ist Zeit ein wesentlicher Faktor bei den Ermittlungen. Ein interdisziplinäres Ärzteteam der Medizinischen Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie und der Nuklearmedizinischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen hat jetzt eine Ermittlungsstrategie entworfen, mit der versteckte Erkrankungen wesentlich schneller ergründet werden können. Diese neue diagnostische Vorgehensweise wurde in der internationalen Fachzeitschrift „Annals of the Rheumatic Diseases“ (2016; 75: 158-159) veröffentlicht.

Fall A: 38,5 Grad Celsius über mehrere Wochen – niemand weiß, woher das Fieber kommt und warum die Behandlungsversuche nicht anschlagen. Fall B: Anhaltend hohe Entzündungswerte im Blut – ohne ersichtliche Ursache, trotz umfangreicher Untersuchungen. Mögliche Auslöser gibt es viele: versteckte Infektionen wie Tuberkulose, Entzündungen der Gefäßwände im Rahmen von Immunerkrankungen, bösartige Veränderungen wie Lymphdrüsenkrebs oder genetische Fiebererkrankungen. Eine rasche und zielführende Diagnostik ist daher bei anhaltendem Fieber oftmals lebensrettend. „Jeder Patient mit Fieber oder erhöhten Entzündungswerten ohne Erklärung ist im Grunde ein eigener Kriminalfall“, beschreibt Prof. Dr. Bernhard Manger, Oberarzt der Medizin 3, die Ausgangssituation. „Es gilt, ein Täterprofil zu erstellen und den Verursacher schnell zu identifizieren und auszuschalten.“

Schneller ins PET-CT

Die weltweit bisher größte Untersuchung zur Verbesserung der Diagnostik von unklarem Fieber führten jetzt Studienteams der Medizin 3 und der Nuklearmedizin des Uni-Klinikums Erlangen durch. Dafür erhielten Patienten mit erhöhten Temperaturen und Entzündungen unklarer Herkunft bereits frühzeitig einen Ganzkörperscan mithilfe der Positronen-Emissionstomografie/Computertomografie (PET-CT), die zusätzlich zu den Standarduntersuchungen durchgeführt wurde. „Diese Technik ermöglicht die Darstellung krankhafter Stoffwechselvorgänge im Körper, zusätzlich zur genauen Analyse der Gewebestruktur“, erklärt Prof. Kuwert. „So können wir versteckte Entzündungen, Infektionen oder auch Tumoren sichtbar machen.“

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen zeigten, dass der frühe Einsatz eines PET-CTs die Diagnostik bei unklarem Fieber und unklarer Entzündung verbessern und vor allem verkürzen kann. „Dieses beschleunigte Verfahren erlaubte es bei fast 80 Prozent der Patienten, letztlich die Ursache für ihre Beschwerden zu finden“, freut sich die Studienleiterin Dr. Verena Schönau. „Mit der sicheren Diagnose können wir die Patienten schneller in die Therapie bringen, die sie wirklich brauchen.“

Prof. Schett betont: „Der Einsatz des PET-CTs ist vor allem deshalb ein Quantensprung in der Entzündungs- und Fieberdiagnostik, weil die behandelnden Ärzte nun schneller auf unerwartete Spuren aufmerksam werden, mithilfe derer sie den Behandlungsfall aufklären können“, betont Prof. Schett.

Weitere Informationen:

Sandra Jeleazcov
Tel.: 09131 85-39109
sandra.jeleazcov@uk-erlangen.de

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