Navigation

Der Familienservice der FAU

Bild: Johavel/shutterstock.com

Für andere da sein

Familie ist mehr als Eltern mit Kleinkind. Sagt der Familienservice der FAU und hat deshalb bei Fragen zur Pflege von Angehörigen immer mehr Angebote für Mitarbeiter und Studierende parat.

Du musst was tun.

Irgendwann war der Zeitpunkt erreicht, an dem Sonja Vaask sich selbst sagte: „Du musst was tun.“ Sie wusste, dass es längst nicht mehr ausreichte, an Wochenenden ihre schwerkranken und pflegebedürftigen Eltern einfach nur auf einen Kaffee zu besuchen. Parallel dazu ihre Kinder zu betreuen und ihren Aufgaben als Mitarbeiterin im Kanzlerbüro gewissenhaft nachzukommen. „Die mir Anvertrauten dürfen nicht leiden“, sagt die 46-Jährige rückblickend. Und: „Man ist nicht belastbar bis zum Geht-nicht-mehr, sondern man kommt an einen Punkt, an dem man es alleine nicht mehr schafft.“ Sie dachte nach und kam zu dem Schluss: „Das Einzige, was ich reduzieren konnte, war mein 20-Stunden-Job.“ Ihr erster Weg führte sie zu ihrer Chefin, die ihr alle Ängste und Befürchtungen nahm – und den Familienservice der FAU empfohlen hat. Schon am darauffolgenden Tag war ein Termin im Büro von Christian Müller-Thomas vom Familienservice vereinbart.

Zentraler Schwerpunkt

Seit genau zehn Jahren gibt es den Familienservice der FAU. Für Studierende, Beschäftigte und deren Angehörige an der FAU und dem Universitätsklinikum Erlangen hält er die unterschiedlichsten Angebote bereit. Zum Beispiel Baybsittingservice, Kinderkrippenplätze und Notfallbetreuung. Zum Beispiel Ferienbetreuung, die die FAU ab Januar 2018 übrigens auch in Nürnberg anbietet. Zum Beispiel Beratung hinsichtlich Mutterschutz, Elternzeit und Elterngeld. Kurz: „Wir möchten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aktiv befördern“, erklärt Christian Müller-Thomas. „Darin unterstützt uns die Universitätsleitung voll und ganz.“ Bereits seit 2008 ist die FAU als familienfreundliche Hochschule ausgezeichnet, 2016 erfolgte die Unterzeichnung der Charta sowie der Beitritt zum Best Practice Club „Familie in der Hochschule“.

Doch Müller-Thomas sagt auch: „Familie bedeutet für uns aber mehr als ‚Eltern mit Kleinkind.‘ Aufgrund der demographischen Entwicklung wird in den kommenden Jahren das Thema Angehörigenpflege verstärkt in den gesamtgesellschaftlichen Fokus rücken.“ Deshalb ist die Angehörigenpflege ein zentraler Schwerpunkt des Familienservice.

Anfangs wusste Sonja Vaask, wie sie erzählt, nicht, wie genau eine Familien-Auszeit machbar ist. „Ich habe mich mit Unterstützung des Familienservice darauf eingelassen, für ein halbes Jahr Familienpflegezeit zu beantragen. Das hat mir unheimlich viel gebracht, sowohl um mich um meine Eltern zu kümmern als auch um einmal Kraft zu tanken und mich zu besinnen.“ So konnte Vaask eine 24-Stunden-Pflege für ihre Eltern organisieren, fand Zeit, sich intensiver um ihre Kinder zu kümmern und verlor ihre Bedenken, „im Beruf ganz auszufallen, schließlich trägt man ja auch eine Verantwortung.“ Finanziell konnte sie die Gehaltseinbuße von fünf Stunden verkraften, weil es der eigenen psychischen Gesundheit zugutekam. Und sie Kollegen hat, die für ihre Situation viel Verständnis aufbrachten.

Ausgebildete Pflegelotsen

Seit 2011 offeriert der Familienservice zweimal jährlich Informationsveranstaltungen rund um das Thema Angehörigenpflege. Fachleute der FAU oder aus der Region referieren dann etwa über Themen wie „Patientenverfügung, Vorsorge- und Betreuungsvollmacht“, „Vererben oder Verschenken?“ oder Erkrankungen wie Parkinson und Demenz. „Die allgemeinverständlich gehaltenen Vorträge sind stark praxisorientiert, haben eine Frage-Antwort-Runde und sind der erste Kontakt auf dem Weg hin zur qualifizierten Beratung – bevor es zu spät sein kann“, erläutert Christian Müller-Thomas.

Im zweiten Schritt werden dann Christian Müller-Thomas und seine Kollegin Heidrun Stollberg als „Pflegelotsen“ tätig – beide sind erfolgreiche Absolventen des allerersten Ausbildungslehrgangs zum „betrieblichen Pflegelotsen“ an der Diakonischen Akademie Rummelsberg. „Die Beratung findet grundsätzlich erst einmal anonym statt“, sagt Müller-Thomas, Kosten entstehen nicht. „Wir geben den Ratsuchenden einen roten Faden an die Hand und erläutern, wie sich Pflege, Wissenschaft und Beruf vereinbaren lassen.“

Wer möchte, kann auch einmal im Monat, immer montags von 18 bis circa 20.30 Uhr, die Kontakt- und Austauschgruppe zum Thema Angehörigenpflege besuchen – wenn zum Beispiel ein Elternteil oder der Ehepartner hilfsbedürftig oder zunehmend orientierungslos wird. Dann geben Betroffene wertvolle Tipps weiter.

Beraten und austauschen

Sonja Vaask jedenfalls würde den Familienservice jederzeit weiterempfehlen. „Aufgrund der fundierten Beratung fühlen sich meine Eltern mit der Betreuung wohl und sie können auch weiterhin im eigenen Haus bleiben.“

Und der Familienservice der FAU? Er wird auch zukünftig mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie Christian Müller-Thomas sagt: „Damit wir auch weiterhin eine qualifizierte Beratung anbieten und unsere Klienten von langjährigen Erfahrungen und reichlich Know-how profitieren können.“

Der Familienservice der FAU und des Universitätsklinikums finden Sie unter: familienservice.fau.de


Das FAU-Magazin alexander

Cover des FAU-Magazins alexander Nr. 106

Beim Klick aufs Bild öffnet sich das PDF.

Dieser Text erschien zuerst in unserem Magazin alexander. Weitere Themen der Ausgabe: Wissenschaftler unterwegs auf hoher See, sechzig Jahre Europäische Union, der Kammerchor auf Besuch in Krakau und ein Interview mit dem Strategieberater John Bessant.

alexander Nr. 106 herunterladen

Mehr Texte aus dem alexander gibt es auch hier in unserem Blog.


 

Weitere Hinweise zum Webauftritt