Eine folgenreiche Triade: Lymphödem, Lipödem und Adipositas

„Ich habe keine Fotos mehr von der schlimmsten Hochphase meines Gewichts. Aber ich erinnere mich genau daran, wie ich damals aussah“, sagt Stefan Hofmann. Diese Bilder im Kopf halten ihn davon ab, es jemals wieder so weit kommen zu lassen. Auf dem Foto im Hintergrund wog er noch etwa 170 Kilo. (Foto: Uni-Klinikum Erlangen)

Informationstag am Samstag, 17. Februar 2018, informiert über die optimale Versorgung aus einer Hand

„Zwei, drei Kilo abnehmen“ – ein Vorsatz, den viele Mensch gerade zu Beginn des neuen Jahres äußern. Die meisten haben ihr Vorhaben schon im Februar wieder aufgegeben. Stefan Hofmann ist drangeblieben und hat über sechs Jahre hinweg sein Gewicht aus eigener Kraft reduziert. Nicht um sechs Pfund, sondern: um nahezu 100 Kilo! Sein Höchstgewicht waren knapp 200 Kilo. Jetzt macht der Fürther all denjenigen Mut, die sich ähnlich gewaltige Ziele setzen:

Es ist machbar, sein Leben zu ändern.

„Jedes verlorene Kilo motiviert weiter und zeigt einem selbst, dass man es schaffen kann.“ Wie wichtig dieses Selbstmanagement ist und inwiefern Ärzte bei der Gewichtskontrolle unterstützen können, darüber klärt ein Informationstag der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Erlangen am Samstag, 17. Februar 2018, auf. Die Veranstaltung unter dem Motto „Lymphödem – Lipödem – Adipositas“ findet in Kooperation mit dem Lymphselbsthilfe e. V. statt und richtet sich an Menschen mit Übergewicht sowie an Patienten mit Lip- und Lymphödemen, da alle drei Gruppen mit ähnlichen Beschwerden konfrontiert sind.

Das Gewicht schrumpft, die Haut bleibt

Mithilfe eines festen Ernährungsplans schaffte es Stefan Hofmann, sein Gewicht zu halbieren. Anfang 30, nach einem stressigen Studium mit viel ungesundem und unregelmäßigem Essen, nach einer Diabetesdiagnose und einem attestierten Bluthochdruck, zog Stefan Hofmann den Schlussstrich und entschied: „Ich stelle meine Ernährung um, nehme drei gesunde Mahlzeiten am Tag zu mir, und baue Bewegung konsequent in meinen Alltag ein. Am Anfang reicht Spazierengehen.“ Ein bis zwei Kilo verlor er so pro Woche. „Nach drei Wochen war ich sicher: Diesmal schaffe ich es“, sagt der heute 40-Jährige. Einige Diäten hat er schon hinter sich. „Wunderkuren bringen aber nichts als einen ungesunden Jo-Jo-Effekt. Und sie arbeiten immer mit Zwang und Verboten, was nur zu Frustration führt“, weiß Stefan Hofmann. „Wichtig ist, sich nichts zu verbieten und einen Weg zu finden, den man gerne geht.“

Seit drei Jahren wiegt Stefan Hofmann nun 108 Kilo. Ein Großteil des Übergewichts ist weg. Was blieb, war überschüssige Haut: Fettschürzen am Bauch, an der Brust, an Oberschenkeln und Oberarmen. „Die überhängenden Hautfalten haben Krankheitswert“, erklärt Prof. Horch, Direktor der Plastisch- und Handchirurgischen Klinik des Uni-Klinikums Erlangen. „Hier sammelt sich Flüssigkeit, es entstehen Entzündungen und schmerzhafte, wunde Stellen. Deshalb ist es absolut notwendig, dass wir die Haut nach einem so enormen Gewichtsverlust chirurgisch straffen, das heißt, einen postbariatrischen Eingriff vornehmen.“

Im Januar 2017 war Stefan Hofmanns Bauchdecke an der Reihe, im Juni 2017 folgte die Bruststraffung, Oberschenkel und Oberarme stehen noch an. „Die Hautstraffung war am Schluss eine Belohnung für mich. Ich hatte so viel geschafft – nun wollte ich auch die Körperkontur noch angleichen lassen. Und das geht nicht ohne einen Eingriff.“ Operiert wurde Stefan Hofmann von Oberarzt Dr. Ingo Ludolph von der Plastischen Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. „Dr. Ludolph war morgens im OP und stand abends schon wieder in meinem Zimmer, um nach mir zu sehen. Die gesamte Betreuung – vom ersten Beratungsgespräch bis zur OP-Nachsorge – war absolut vertrauensvoll und lobenswert“, versichert Stefan Hofmann. Und noch etwas anderes möchte der 40-Jährige loswerden: „Wer viel abnimmt und schließlich vor der Frage steht, ob er eine Hautstraffung vornehmen lassen soll: Die Entscheidung heißt ‚Ja!‘. Nicht zu viel googlen – das macht nur Angst –, sondern sich lieber vor Ort informieren.“ – zum Beispiel beim kommenden Informationstag.

Infotag am Samstag, 17. Februar 2018

„Adipositas, Lymph- und Lipödeme treten oft gemeinsam auf“, erklärt Dr. Anja M. Boos, Oberärztin der Plastischen Chirurgie des Uni-Klinikums Erlangen. Wer übergewichtig ist, leide häufig auch unter einem Lymphstau, vor allem in den Beinen. Lipödeme sind Fettverteilungsstörungen, die wiederum oft schwer von einer Adipositas abgegrenzt werden können, zumal viele Menschen mit Lipödemen zusätzlich adipös sind. „Bei unserem Infotag möchten wir Betroffene mit ähnlichen Beschwerden und Experten zusammenbringen, das heißt, Menschen und ihr Wissen vernetzen“, sagt Anja M. Boos.

In Vorträgen erfahren die Besucher unter anderem, wie sich das Körpergewicht mit der richtigen Kombination aus Ernährung, Bewegung und Sport kontrollieren lässt, welche konservativen und operativen Therapien bei Adipositas und nach Gewichtsverlust sowie bei Lipödem und Lymphödem zum Einsatz kommen, wie sich Patienten ein gutes Selbstmanagement aneignen und welche neuen Erkenntnisse die Forschung vorzuweisen hat. Praktisch wird es in zahlreichen Workshops, die sich etwa mit Entstauungstechniken, Kompressionshilfen und manueller Lymphdrainage beschäftigen. Den Infotag gestalten die Vertreter verschiedener Selbsthilfegruppen gemeinsam mit Ärzten, Ernährungsfachleuten, Physiotherapeuten und anderen Experten des Uni-Klinikums Erlangen sowie anderer medizinischer Einrichtungen.

Die Veranstaltung findet von 9.00 bis 16.30 Uhr in den Hörsälen Medizin im Ulmenweg 18 in Erlangen statt. Der Eintritt ist frei, für einen Imbiss und Getränke ist gesorgt.

Weitere Informationen:

Dr. Anja M. Boos
Tel.: 09131/85-33277
anja.boos@uk-erlangen.de

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