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Gibt es einen schlüssigen Beweis, dass wir nicht in der Matrix leben?

Prof. Dr. Thomas Thiemann antwortet auf eine unserer großen Fragen. (Bild: Thomas Thiemann)

Thiemann darüber, ob es einen schlüssigen Beweis gibt, dass wir nicht in der Matrix leben

Warum schmeckt das Meer salzig? Wie viele Sandkörner sind an einem Strand? Wo endet das Universum? Und wie sieht dieses Ende dann aus? Wer kennt diese Fragen nicht, auf die man schon immer einmal eine Antwort haben wollte? Wir haben in unserem FAU-Forschungsmagazin friedrich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern „Große Fragen“ gestellt – auch wenn es möglicherweise nicht immer eine Antwort gibt.

Prof. Dr. Thomas Thiemann, Lehrstuhlinhaber für Theoretische Physik, beschäftigt sich mit der Frage, ob es einen schlüssigen Beweis gibt, dass wir nicht in der Matrix leben.

In einem Forschungsartikel behandeln Physiker um Silas Beane die Frage, ob sich alle Menschen ähnlich wie in dem Science-Fiction-Film „Matrix“ in einer Computersimulation befinden, statt materiell zu sein, und wie sich dies experimentell feststellen lässt. Die Idee ist, dass sich Fehler in der Matrix notwendig aufgrund der begrenzten Rechen- und Speicherkapazität des simulierenden Computers ergeben, sodass die simulierte Spezies, also wir, irgendwann Diskrepanzen zwischen Beobachtung, also der Simulation, und Theorie entdeckt. Es lassen sich mindestens zwei Einwände gegen derlei Gedankenexperimente erheben: Erstens stellt sich die Frage nach der Motivation der simulierenden Spezies, denn um unser beobachtbares Universum seit dem Urknall zu berechnen, benötigte man Computer, die selbst unser gesamtes Universum ausfüllten, was immense Ressourcen an Material und Zeit benötigte. Zweitens ist es gerade das Grundwesen der Physik, die Theorie an die Messdaten anzupassen und nicht umgekehrt. Sollten wir also beispielsweise feststellen, dass Raum und Zeit kein Kontinuum darstellen, sondern aus einem diskreten Punktgitter bestehen, wie es die meisten Simulationen benutzen, könnte dies eine tatsächliche Eigenschaft der Natur beschreiben, wie es manche Theorien der Quantengravitation nahelegen, statt eine Simulation zu entlarven.


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Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Forschungsmagazin friedrich. Die aktuelle Ausgabe wirft einen Blick zurück in die 275-jährige Geschichte der Universität. Darüber hinaus beschäftigen es sich mit Fragen, die die Wissenschaft hier und heute bewegen: Was macht gute Wissenschaft aus? Muss Wissenschaft nützen? Wann ist Scheitern erfolgreich? Die Jubiläumsausgabe wagt aber auch einen Blick in die Zukunft. Denn obwohl wir heutzutage so viel mehr wissen als noch vor 200 Jahren, existieren immer noch jede Menge offener Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt.

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Die Großen Fragen

Seit jeher haben die Menschen Fragen gestellt. Fragen nach dem Warum, Fragen nach dem Wie, Fragen nach dem Wohin. Wir haben FAU-Wissenschaftlern 22 große Fragen der Menschheit gestellt. Sie finden Sie alle in unserem Forschungsmagazin friedrich sowie nach und nach online in der Reihe „Die großen Fragen“

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