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Eine Reise in die Vergangenheit mit Prof. Dr. Maria Kufner

Prof. Dr. Maria Kufner studierte an der FAU Informatik und hat 1993 ihre Promotion in Physik abgeschlossen. (Bild: Claudia Wolny)

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Anlässlich ihres 275. Geburtstages lud die FAU ihre Alumni, die vor 50 Jahren, vor 25 Jahren und vor 15 Jahren ihren Doktortitel erworben haben, ein und ehrte diese gemeinsam mit den diesjährigen Promovierten. Wie das Leben an der FAU um 1968 aussah, hat uns bereits Prof. Dr. Wolfgang Gast erzählt. Heute reisen wir mit Prof. Dr. Maria Kufner, die an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der FAU promovierte, auf dem Zeitstrahl weiter in das Jahr 1993.

Prof. Kufner, Sie haben vor 25 Jahren an der Naturwissenschaftlichen Fakultät promoviert. Was ist Ihnen aus der Zeit an der FAU besonders in Erinnerung geblieben?

Nach meinem Diplom-Studium in Informatik arbeitete ich erst in der Industrie, bevor ich mich zur Promotion in Physik entschlossen habe. Deshalb liegen fast zwölf Jahre zwischen meinem ersten und meinem letzten Tag an der FAU. Ich kann mich noch sehr gut an das blaue Hochhaus, den Pavillon auf dem roten Platz und die Dachterrasse des Physik-Gebäudes erinnern. Mein altes Studentenwohnheim in der Erwin-Rommel-Straße habe ich natürlich auch nicht vergessen – in diesem habe ich während meines Studiums gewohnt.

Münztelefone, Briefe auf Papier und Lochkartenstanzer benutzte ich regelmäßig.

Wie sah denn das Studenten- und Doktorandenleben früher aus?

Ich bin ein Kind der geburtenstarken Jahrgänge und Informatik zu studieren lag damals gerade im Trend. Deswegen war es ein ständiger Kampf um begehrte Übungsgruppen zu attraktiven Tageszeiten sowie um Themen für Seminar- oder Diplomarbeiten. Außerdem hat sich schon im Verlauf meines Studiums und meiner Promotion vieles verändert. Als Teenager habe ich angefangen zu studieren und als ich meine Doktorarbeit 1993 in den Händen hielt, hatte ich bereits meine eigene Familie. Wenn ich jemandem außerhalb der Reichweite meines Fahrrads etwas erzählen wollte, musste ich mit einem Vorrat Münzen in der Tasche an der Telefonzelle Schlange stehen oder Briefe auf Papier schreiben. Einen Computerzugang gab es in meinem ersten Semester nur innerhalb eines kleinen Zeitfensters – montags von 18 bis 20 Uhr am Lochkartenstanzer. Für die Literatursuche gab es in der Bibliothek auch noch ein Mikrofiche-Lesegerät. Es war für mich schon eine große Errungenschaft, als ich dann einen eigenen E-Mail-Account auf meinem Computer hatte, mir mit vier weiteren Kolleginnen und Kollegen einen Festnetz-Anschluss teilte sowie ein Tandem und ein kleines Auto besaß.

Hatten Sie eine Lieblings-Professorin oder einen Lieblings-Professor?

Ja, meinen Doktorvater Prof. Dr. Adolf Lohmann. Er verpackte seine Kernbotschaften gerne in einen Scherz. So blieben sie dauerhaft im Gedächtnis verankert und es war außerdem amüsant.

Inwiefern hat Sie Ihre Zeit an der FAU geprägt?

Portraitfoto von Prof. Dr. Maria Kufner aus dem Jahr 1995

Prof. Dr. Maria Kufner kurz nach Abschluss ihrer Promotion (Bild: Stefan Kufner)

In dieser Zeit hat sich ein Freundeskreis aufgebaut, der sich über die Jahrzehnte hinweg gehalten hat. Trotz räumlichem und zeitlichem Abstand treffen wir uns immer noch regelmäßig. Auch das Job-Sharing hat sich bewährt. Das Teilen von beruflichen und familiären Arbeiten habe ich mit meinem Mann noch sehr lange beibehalten – auch noch nach der Zeit an der FAU. Das schafft Ausgewogenheit und so konnten wir beide mit der Arbeit vorankommen, einen engen Bezug zu unserer Tochter entwickeln und uns in allen Lebenslagen gegenseitig beraten.

Worum ging es in Ihrer Doktorarbeit und warum haben Sie sich damals gerade für dieses Thema entschieden?

Aus meiner Diplomarbeit war ich mit Algorithmen für massiv parallele Prozessorstrukturen vertraut. Deshalb fand ich auch die Idee eines optischen Computers ansprechend. So fand ich den Weg zur angewandten Optik und dort begann ich mich auch für die entsprechende Hardware zu interessieren. In meiner Doktorarbeit ging es dann schließlich um die Miniaturisierung optischer Komponenten. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Herstellung von Mikrolinsen.

Mein Doktorvater hat mich immer sehr gefördert.

Wie haben die Erfahrungen an der FAU Sie für Ihr Berufsleben vorbereitet?

Da habe ich meinem Doktorvater ganz viel zu verdanken. Er veranstaltete jedes Jahr ein Retreat mit der ganzen Arbeitsgruppe. Jeder von uns bekam Redezeit und die Gelegenheit inhaltliche Beiträge, Anregungen und Feedback einzubringen. Bei Konferenzen hat er anstatt in Hotels auf Campingplätzen übernachtet. Dadurch wurde Geld gespart und es konnten mehr Kollegen aus unserer Forschungsgruppe an der Konferenz teilnehmen. Wenn ein Versuch nicht zum erwarteten Ergebnis führte, fragte er immer, ob es grundsätzlich nicht funktioniere oder ob man sich nur zu dumm angestellt hätte. Diese Frage zu stellen finde ich in vielen Lebenslagen nützlich. Außerdem lernte ich bei ihm wissenschaftliches Arbeiten kennen. Damit wurde ein Maßstab gesetzt, an dem sich alles Weitere gemessen hat.

Haben Sie einen Tipp für die heutigen Studierenden und Doktoranden?

Die Freundschaften aus dieser Lebensphase sind wertvoll. Einige können Sie durch das ganze Leben begleiten. Pflegen Sie diese Kontakte und nehmen Sie sich die Zeit sich immer wieder zu treffen – und zwar live.

Vielen Dank für das Interview!

Das nächste Mal begleitet uns Dr. Paul Gumminger in das Jahr 2003.


Hut und Schärpe

Mit Doktorhut und Schärpe zogen die Promovierten und Jubilare am 21. Juli 2018 in das Stadion der SpVgg Greuther Fürth. (Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Weitere Eindrücke zu der diesjährigen Ehrung der Promovierten und Jubilare erhalten Sie im Kurzfilm sowie in der Bildergalerie.

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