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Rundumversorgung für Nierenkranke: auch vor und nach der Transplantation

Bild: Melanie Schmitz/Uni-Klinikum Erlangen

Prof. Dr. Mario Schiffer ist seit 1. September 2018 neuer Direktor der Medizin 4

Nach Stationen in den USA und Hannover ist Prof. Dr. Mario Schiffer nach Erlangen zurückgekehrt – hier begann er vor 19 Jahren seine Facharztausbildung. Jetzt ist er der neue Direktor der Medizinischen Klinik 4 – Nephrologie und Hypertensiologie des Universitätsklinikums Erlangen. Sein erstes Projekt: die Versorgung von Transplantationspatienten weiter auszubauen.

Kein Organ wird häufiger transplantiert als die Niere. Allein im Transplantationszentrum Erlangen-Nürnberg wurden 2017 insgesamt 72 Nieren transplantiert. Doch auch bei keinem anderen Organ ist die Warteliste so lang: Auf eine Spenderniere kommen rund sieben Patienten; die durchschnittliche Wartezeit dauert acht bis zehn Jahre – sofern die Möglichkeit einer Lebendspende von einem Angehörigen ausscheidet. Für den Betroffenen wird die Dialysebehandlung zur überlebenswichtigen Routine. Kommt dann der Anruf, dass ein passendes Spenderorgan gefunden wurde, scheint das Ziel erreicht zu sein. Doch damit das Organ gesund bleibt und nicht abgestoßen wird, bedarf es einer exzellenten Zusammenarbeit zwischen dem Transplantationszentrum, den niedergelassenen Ärzten und dem Patienten – und das noch weit nach der Operation.

Hier setzt Prof. Schiffer an: Er möchte bessere Strukturen schaffen, um die langfristige Patientenversorgung nach der Transplantation zu optimieren. Wie wichtig diese gewissenhafte Nachsorge ist, unterstreichen die Zahlen: In den ersten drei Jahren nach der Transplantation verlieren rund acht Prozent der Transplantierten ihr Organ durch Abstoßungsreaktionen. Weitere Begleiterkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems, nehmen im Verlauf zu. „Mit einer engmaschigeren Kommunikation und einer Nachsorge, die sich noch mehr auf den Patienten einstellt, könnten wir diese Zahlen korrigieren“, sagt Prof. Schiffer.

Mit „NTX 360°“ zur engmaschigen und wohnortnahen Nachversorgung

Dafür entwickelte Prof. Schiffer mit Kollegen in Hannover das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Innovationsprojekt „NTX 360°“. Dieses möchte er jetzt auch am Uni-Klinikum Erlangen anbieten.

In „NTX 360°“ rücken die Transplantationszentren und die Niedergelassenen enger zusammen. Die Patienten erhalten gleichzeitig ein interdisziplinäres und individuell an ihre Bedürfnisse angepasstes Angebot, um eine möglichst lange Transplantatgesundheit zu erreichen. Prof. Schiffer freut sich über die guten Voraussetzungen, die das Uni-Klinikum Erlangen diesem Vorhaben bietet: „Gemeinsam können wir Nierenpatienten eine Versorgung auf höchstem Niveau anbieten, die weit über die Transplantation hinausgeht.“ Das Innovationsprogramm „NTX 360°“ beinhaltet auch neue Angebote, wie eine elektronische Fallakte mit deren Hilfe Labor- und Untersuchungsergebnisse nahtlos zwischen dem Transplantationszentrum und Niedergelassenem ausgetauscht werden können sowie die Möglichkeit einer wohnortnahen Televisitation.

Neben der Transplantation ist Prof. Schiffer auch der Bereich der seltenen Nierenerkrankungen ein Anliegen. „Ich denke vor allem an seltene genetische und proteinurische Nierenerkrankungen. Jeder Patient soll die auf ihn abgestimmte beste Versorgung erhalten“, betont der Klinikdirektor.

Forschungslücken schließen

In der Grundlagenforschung möchte Prof. Schiffer neue Wege am Uni-Klinikum Erlangen gehen und nennt zwei Beispiele: „Einer meiner wissenschaftlichen Schwerpunkte liegt bei der Proteinurie, also dem übermäßigen Proteinverlust über den Urin. Viele Nierenerkrankungen verschlimmern sich hierdurch zusätzlich.“ Noch gibt es keine Medikamente gegen das Phänomen – Prof. Schiffer möchte das ändern. „Einen weiteren Fokus lege ich auf die Hypertonieforschung bei Transplantationspatienten. Hier gibt es bisher keine Leitlinie und kaum validierte Daten. Da die Medizin 4 am Uni-Klinikum Erlangen aber auf dem Gebiet der Bluthochdruckforschung bereits national und international mit führend ist, bin ich sicher, dass wir diese Wissenslücke in Zukunft werden schließen können.“

Ein hochkarätiger Forscher

Das Uni-Klinikum Erlangen ist für Mario Schiffer kein Neuland: Nach seinem Studium an der Freien Universität Berlin und dem King’s College London, begann er seine Facharztausbildung an der Medizin 4 – damals noch unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Bernd Sterzel. Als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft arbeitete er anschließend von 2000 bis 2004 am Albert Einstein College of Medicine in New York City. Zurück in Deutschland erhielt der vielfach ausgezeichnete Nierenspezialist mit dem Emmy-Noether-Stipendium und dem Heisenberg-Stipendium die beiden angesehensten Stipendien der Deutschen Forschungsgemeinschaft und arbeitete über zehn Jahre lang an der Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen der Medizinischen Hochschule Hannover – zuletzt als leitender Oberarzt und stellvertretender Abteilungsleiter. Am Uni-Klinikum Erlangen hat er zum 1. September 2018 neben der Klinikleitung auch den Lehrstuhl von Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt an der FAU übernommen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Mario Schiffer
Tel.: 09131/85-39002
med4@uk-erlangen.de

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