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In drei Schritten zum Graduiertenkolleg – Tipps für Wissenschaftler und zukünftige Doktoranden

Dr. Sebastian Pfaller vom Lehrstuhl für Technische Mechanik erzählt, wie es zu dem neuen Graduiertenkolleg an der FAU kam. (Bild: FAU/Rebecca Kleine Möllhoff)

Ein Blick in den Forschungsalltag eines Wissenschaftlers

Lesen, forschen, publizieren und Tagungen besuchen – so sieht das Arbeitsleben eines Doktoranden aus, bis er seine Promotionsurkunde in den Händen hält und mit einem Doktortitel ausgezeichnet ist. Doch wie wird man überhaupt Doktorand und wie bewirbt man sich auf ein Graduiertenkolleg? Und welche Schritte sind notwendig, damit dieses an der FAU bewilligt wird? GRK 2423 FRASCAL steht für das Graduiertenkolleg 2423 „Fracture across Scales“ und ist ein an der FAU neu bewilligtes strukturiertes Promotionsprogramm, das Doktoranden ab 2019 in einem interdisziplinären Forschungsumfeld ausbildet und zur Promotion führt. Dr. Sebastian Pfaller vom Lehrstuhl für Technische Mechanik erzählt, wie er und seine Kollegen bei der Beantragung des neuen Forschungskollegs vorgegangen sind und auf was sie bei der Auswahl der zukünftigen FRASCAL-Doktoranden geachtet haben.

Schritt 1: Ideen- und Gruppenfindung

An der FAU sind derzeit 13 Graduiertenkollegs eingerichtet, in denen Doktorandinnen und Doktoranden im Rahmen eines geförderten Forschungsprogramms promovieren. Ab Januar 2019 startet auch das Graduiertenkolleg 2423 FRASCAL, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) neu bewilligt wurde. „Dieses Jahr im Mai haben wir das Bewilligungsschreiben mit einer Fördersumme von 5,5 Millionen Euro erhalten“, freut sich Sebastian Pfaller „Dafür haben wir auch viel Arbeit und Zeit investiert“, berichtet er. „Am Anfang stand die Idee unserer späteren Sprecher Prof. Paul Steinmann und Prof. Erik Bitzek, Bruchvorgänge skalenübergreifend und interdisziplinär zu untersuchen, aber es war zunächst noch nicht klar, wer in welcher Form hier Beiträge liefern konnte. Aufgrund der starken Forschungsinfrastruktur an der FAU fand sich unsere Gruppe bestehend aus Physikern, Chemikern, Mathematikern, Werkstoffwissenschaftlern und Mechanikern schnell zusammen“, erzählt der Wissenschaftler. „Das faszinierende an unserem Thema ist, dass es über alle Disziplinen hinweg wissenschaftlich hoch interessante Fragestellungen bietet, die sich gegenseitig ergänzen und neue Ideen für weitere Forschungsaktivitäten hervorbringen. Hierfür konnten wir genau das richtige Team zusammenstellen“, sagt Sebastian Pfaller.

Schritt 2: Von der Antragsskizze zum Bewilligungsbescheid

Steht das Thema erst einmal fest, folgt der Projektantrag. Da in diesem jedoch der Hauptteil an Arbeit steckt und man im Vorfeld nicht wissen kann, ob das Thema auch bei der DFG auf Interesse stößt, machten sich die Wissenschaftler im Frühjahr 2016 erst einmal an eine Antragsskizze. „In einer knappen Projektskizze haben wir auf 15 DinA4-Seiten erläutert, weshalb unser Thema für die Wissenschaft relevant ist und wie wir bei unserer Forschungsarbeit vorgehen möchten“, erklärt Pfaller. Nachdem die Antragssteller diese Projektskizze im November 2016 bei der DFG einreichten, erhielten sie im Juli 2017 die Aufforderung, einen Vollantrag einzureichen. „Wir haben uns natürlich wahnsinnig gefreut, wussten aber auch, dass nun der schwierigste Teil auf uns zu kommt“, erzählt der Wissenschaftler. „Wir haben alle unseren Teil beigetragen: Wir haben uns über die notwendigen Kriterien, die ein Antrag erfüllen muss, erkundigt, einen Finanzierungsplan aufgestellt, das Forschungsvorhaben und die Projektziele entwickelt und den Antrag etliche Male Korrektur gelesen und überarbeitet. Da wir uns für ein reguläres Förderprogramm beworben haben, mussten wir zwar keine Fristen von extern einhalten – aber wir alle waren äußerst motiviert und wollten den Vollantrag so schnell wie möglich fertig haben“, berichtet Sebastian Pfaller. Und das Ergebnis war ein 130-seitiger Antrag, den die Wissenschaftler schon drei Monate später, im Oktober 2017, bei der DFG einreichten. Wie auch häufig im Studium, erfolgt auf eine schriftliche Prüfung auch eine mündliche, der sich Pfaller und seine Kollegen stellen mussten. „Bei der Begutachtung unseres Antrags standen wir in Erlangen den Gutachtern der DFG Rede und Antwort und überzeugten diese offenbar, sodass wir im Mai 2018 das Bewilligungsschreiben erhalten haben“, freut sich der Wissenschaftler.

Schritt 3: Auf der Suche nach Doktoranden

Mit der Bewilligung für das neue Graduiertenkolleg war zwar der erste Meilenstein erreicht, die ganze Arbeit jedoch noch nicht getan. Denn nun begann die Suche nach motivierten und talentierten Doktoranden. Für eine erste Vorauswahl konnten sich alle Hochschulabsolventen der entsprechenden Fachrichtungen aus dem In- und Ausland bis Ende August 2018 bewerben. „Gemeinsam mit den jeweiligen Betreuern der einzelnen Teilprojekte und zwei weiteren Mitantragstellern haben wir entschieden, wer an einem zweitägigen Bewerbungssymposium teilnehmen durfte. Dabei haben wir unter anderem auf das Anschreiben, den Studienverlauf, die Abschlüsse sowie die für diese benötigte Zeit geachtet“, sagt Sebastian Pfaller. Insgesamt wurden 16 Bewerberinnen und Bewerber aus den Bereichen Physik, Chemie, Mathematik, Maschinenbau und Computational Engineering ausgewählt, die schließlich diesen Oktober an dem zweitägigen Bewerbungssymposium teilnehmen durften. „Am ersten Tag hat jeder Teilnehmer einen Vortrag über ein selbstgewähltes Thema, in der Regel über das Thema seiner Abschlussarbeit, gehalten. Dabei haben wir unter anderem auf die Präsentation, den fachlichen Inhalt, auf das Auftreten der Bewerber und auf ihr Verhalten in der an den Vortrag anschließenden Diskussion im Plenum geachtet. Am zweiten Tag mussten sich die Bewerber dann noch einem typischen Bewerbungsgespräch unterziehen“, erzählt der Wissenschaftler. „Die endgültige Auswahl der künftigen FRASCAL-Doktoranden, die ab Januar 2019 im Rahmen des Forschungskollegs ihre Arbeit antreten werden, steht nun fest“, berichtet Pfaller. Freude an der Forschung, Zielstrebigkeit und die Fähigkeit immer ein Stück weit über den Tellerrand hinaus zu denken – das sind die Eigenschaften, die sich der Wissenschaftler von den zukünftigen Doktoranden wünscht.

Die zukünftigen FRASCAL-Doktoranden und ihre Tipps

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