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Wie kam es zum Untergang großer Weltmächte?

Statue von Alexander, dem Großen
Alexander, der Große (Bild: shutterstock/Lambros Kazan)

Kein Reich für die Ewigkeit

Weltreiche kommen und gehen – schon immer. Wie kommt es zum Erfolg, was führt zum Untergang? Archäologie-Professor Dr. Hartmut Matthäus im Interview.

Interview: Michael Kniess

Was hat deren Erfolg ausgemacht?

Zunächst muss man festhalten, dass natürlich auch diese nicht alle gleichermaßen erfolgreich gewesen sind. Alexander der Große hat sein Reich, das alte Perserreich, binnen zwölf Jahren erobert. Doch zerbrach es nach seinem Tode sofort aufgrund der Partikularinteressen seiner Feldherren. Das vorangehende Perserreich war zu Beginn militärisch sehr erfolgreich, doch gelang es nie, den Raum kulturell zu vereinheitlichen. Beim Römischen Reich war das anders. Dieses vereinnahmte sukzessive die Regionen Italiens, beherrschte dann den westlichen Mittelmeerraum, um sich schließlich – bis in die Zeit um Christi Geburt – über das gesamte Mittelmeer auszudehnen.

Es gibt ein berühmtes Diktum Ciceros, der bemerkt hat, dass sich Rom stets nur verteidigt habe – entweder sich selbst oder seine Bundesgenossen. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit, aber sicherlich ein Teil davon. Der andere: Rom hat darüber hinaus dafür gesorgt, dass die eroberten Gebiete eine funktionierende Infrastruktur erhalten haben. Die Römer haben Straßen, Wasserversorgung und eine einheitliche Verwaltung aufgebaut, die eroberten Gebiete sprachlich und kulturell vereinheitlicht.

Dennoch hat auch das Römische Reich nicht in alle Ewigkeit Bestand gehabt. Was hat zu dessen Untergang geführt?

Diese Frage ist gerade in der neueren Literatur recht kontrovers diskutiert worden. In der idealistischen Geschichtsschreibung des 18. und 19. Jahrhunderts gab es die eine große Erklärung, die man auch heute noch in der populärwissenschaftlichen Literatur immer wieder findet: die gesellschaftliche Dekadenz, der Verfall von Sitte und Moral. Davon ist die moderne Wissenschaft natürlich abgekommen. Überhaupt dürften monokausale Erklärungen kaum zutreffen. Es war sicherlich eine Vielzahl an Prozessen, die dazu geführt haben.

Im Jahr 235 nach Christus begann im Römischen Reich die Zeit der sogenannten Soldatenkaiser. Das waren 50 Jahre, die von ständigen Bürgerkriegen geprägt waren und in deren Folge römische Heeresführer an die Macht gelangten. Zwischen 235 und 285 hat es an die 40 Kaiser gegeben. Diese Entwicklung hat das Römische Reich völlig zerrüttet. Die Finanzierung der Söldnerheere hat die Wirtschaft enorm niedergeworfen. In der Folge kam es zu Wirtschaftskrisen und Inflation.

Zugleich wuchs der militärische Druck von außen: Germanische Stämme bedrohten immer stärker den Westen des Reiches, die Perser den Osten. Kaiser Diocletian versuchte, durch eine Teilung des Reiches in vier Großregionen die Administration zu verbessern – ein nur kurzfristig erfolgreiches Experiment: Nach Höhen und Tiefen im 4. Jahrhundert folgte 395 die endgültige Teilung in ein bis 476 dahinsiechendes Weströmisches Reich und Ostrom – Byzanz, das sich immerhin bis 1453 halten konnte. Kurzum: Es gab sowohl innere Gründe als auch sich weltpolitisch verändernde Bedingungen, die außerhalb der Grenzen Roms lagen.

Worin liegen die Unterschiede zwischen Weltmächten vergangener Tage und Weltmächten heute?

Anders als das Römische Reich haben es die USA beispielsweise nicht zustande gebracht, geschlossene Territorien außerhalb ihres Kernlandes zu beherrschen. Während die Amerikaner eher den Versuch einer Beherrschung durch militärische Mittel und ökonomischen Druck unternommen haben, haben sich im Römischen Reich durch die Eroberung und durch den Ausbau wirtschaftlicher Infrastrukturen auch die sprachlichen Verhältnisse grundlegend gewandelt.

Die Erschaffung eines geschlossenen politischen und militärischen Raumes rund um das Mittelmeer mit relativ einheitlicher Infrastruktur und Verwaltung sowie einer weitgehenden kulturellen Vereinheitlichung ist sicherlich etwas, das man mit den späteren Entwicklungen nicht vergleichen kann. Heute dominiert vielmehr der militärische und ökonomische Zwang.


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Dieser Artikel erschien zuerst in unserem Forschungsmagazin friedrich. Die aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit dem Thema Ende in all seinen Formen: Welche davon sind unausweichlich? Wie setzen sich Menschen damit auseinander? Und was bedeuten sie für den einzelnen? Und ist das, was Menschen als Ende definieren wirklich der Schlusspunkt? Manchmal verändern sich Dinge nur, entwickeln sich weiter, es entsteht etwas Neues. Mitunter ist das Ende aber auch gar kein Thema: Der Mensch strebt nach Unendlichkeit. Können wir diesen Begriff überhaupt verstehen? Ist Innovation unendlich? Und leben wir unendlich weiter – im Internet?

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