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Erstklassige Ausbildung der Kolleginnen und Kollegen von morgen

Die im Studium gebüffelten Strukturformeln helfen im Klinikalltag nur bedingt weiter, wenn z. B. ein Arzneimittelkonsil angefordert wird. Fachapotheker Dr. Tobias Borst erinnert sich noch gut an seinen eigenen Berufseinstieg und nimmt sich gerne Zeit, um die Fragen angehender Kollegen wie Stephanie Lichter zu beantworten. (Foto: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen von Pharmazeuten im Praktikum als bundesweit „Beste Ausbildungsapotheke“ ausgezeichnet

Ein strukturierter Ausbildungsplan, gelebte Feedbackkultur, vielfältige sowie verantwortungsvolle Aufgaben, die Möglichkeit, individuellen Interessen nachzugehen und Kolleginnen und Kollegen, die immer ein offenes Ohr für Fragen sowie hilfreiche Ratschläge haben: Dies sind nur einige der Punkte, mit denen die Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen überzeugte. Bereits zum zweiten Mal wurde sie nun vom Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet. Für Chefapotheker Prof. Dr. Frank Dörje Grund zu großer Freude, aber auch Ansporn: „Die Ausbildung der Pharmazeuten im Praktikum liegt uns besonders am Herzen – schließlich sind das unsere Kollegen von morgen. Zum Wohl der Patienten möchten wir ihnen das bestmögliche Rüstzeug mit auf den Weg geben, den angehenden Apothekern aber auch die Vielfalt unseres Berufs und die Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen.“

Eine dieser künftigen Kolleginnen ist Stephanie Lichter, die ihr praktisches Halbjahr in der Uni-Klinikumsapotheke gerade abgeschlossen hat und ein überaus positives Fazit zieht. „Besonders gefallen hat mir der direkte Patientenbezug. In den sechs Monaten haben wir einen umfassenden Überblick über alle Bereiche erhalten und dazu gehörte auch die Teilnahme an interprofessionellen Visiten auf Station mit direktem Patientenkontakt“, berichtet die 26-Jährige. „Das hat mich darin bestärkt, dass ich später am besten in einer Krankenhausapotheke arbeiten möchte.“

Ein weiterer Lieblingsbereich von Stephanie Lichter war der sogenannte „Seamless Care“-Servicebereich, also die sektorenübergreifende Betreuung von Patientinnen und Patienten an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Versorgung. „Wenn ein Patient ins Krankenhaus kommt, werden zuerst auf Station alle Medikamente erfasst, die diese Person aktuell benötigt. Wir Pharmazeuten im Praktikum überprüfen diese Medikationsliste aus klinisch-pharmazeutischer Sicht unter anderem hinsichtlich möglicher Neben- und Wechselwirkungen und mit Blick auf die anstehende Therapie und den stationären Aufenthalt, aber auch hinsichtlich der Zeit nach der Entlassung“, erläutert Stephanie Lichter. „Da zunehmend ältere Patienten behandelt werden, die oft eine Vielzahl an Präparaten einnehmen, müssen wir solche Fälle in einer Medikationsanalyse bei der Aufnahme in die stationäre Behandlung intensiv prüfen. Das ist spannend und man lernt in kurzer Zeit unglaublich viel.“ Die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum besprechen ihre Arzneimittelempfehlung anschließend mit dem zuständigen Stationsapotheker. „Wir kontrollieren zwar die Arbeit der Nachwuchskräfte und haben gegebenenfalls den ein oder anderen Verbesserungsvorschlag“, sagt Dr. Tobias Borst, stellvertretender Leiter der Uni-Klinikumsapotheke und selbst Fachapotheker für klinische Pharmazie, „aber die jungen Kollegen müssen zunächst die Verantwortung übernehmen und die Arzneimittelempfehlung selbstständig erstellen.“

Vom ständigen pharmazeutisch-fachlichen Austausch profitieren in der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen beide Seiten. „Nach Durchlaufen jedes Ausbildungsbereichs gibt es ein Abschlussgespräch, in dem sowohl das verantwortliche Mitglied unseres Teams als auch der Pharmazeut im Praktikum Rückmeldung geben“, erläutert Dr. Borst. „Außerdem beinhaltet der Ausbildungsplan auch mehrere Treffen mit unserem Chefapotheker, dem diese 180-Grad-Feedback-Gespräche mit dem Berufsnachwuchs sehr am Herzen liegen. Nur durch ein regelmäßiges Hinterfragen und den systematischen Austausch von Anregungen können wir uns verbessern.“

Bewusste Entscheidung für die Ausbildung in der Krankenhausapotheke

Im Rahmen ihres Studiums müssen die angehenden Apothekerinnen und Apotheker zwei Praxishalbjahre absolvieren: einmal sechs Monate in einer öffentlichen Apotheke und noch einmal sechs Monate in einer pharmazeutischen Ausbildungsstätte ihrer Wahl. „Wir können zum Beispiel ins Ausland gehen oder auch in die pharmazeutische Industrie“, sagt Stephanie Lichter, die sich jedoch bewusst für eine Krankenhausapotheke und gezielt für die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen entschieden hat. „Hier war ich schon während meines studentischen Wahlpflichtpraktikums im sechsten Semester tätig. Die drei Wochen waren spannend, aber zu kurz: Ich wollte den Bereich noch näher kennenlernen.“ Darüber, dass dies geklappt hat, freut sich die junge Frau besonders, da sie weiß: Die Plätze sind heiß begehrt. „Pro Halbjahr vergeben wir höchstens sechs Praktikumsstellen“, erläutert Dr. Borst. „Deshalb müssen Interessenten fix sein, manche bewerben sich eineinhalb Jahre vorher.“

Am Uni-Klinikum Erlangen sind die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum fest eingeplant. „Die jungen Kollegen sind keine Arbeitskräfte ‚on top‘, sondern Teammitglieder, mit denen wir rechnen“, hebt Tobias Borst die Bedeutung der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum für den Betrieb der Apotheke hervor, die insgesamt rund 80 Mitarbeiter zählt. „Die Zeit für Anleitung und Fragen ist selbstverständlich einkalkuliert.“ Obwohl es sich bei den Nachwuchskräften um fast vollständig ausgebildete Apotheker handelt – lediglich eine Prüfung trennt sie von der Berufsbezeichnung –, übernehmen sie in der Uni-Klinikumsapotheke durchaus Tätigkeiten aller Berufsgruppen einer Apotheke. „Wir packen beispielsweise auch mal Medikamentenkisten für die Stationen und arbeiten in der Arzneimittelherstellung und -prüfung mit“, berichtet Stephanie Lichter. „Es ist immens wichtig, dass wir das alles auch selbst machen, um die Abläufe wirklich zu verstehen.“

Die Auszeichnung „Beste Ausbildungsapotheke“

Gruppenbild bei der Urkundenübergabe.

Übergabe der Urkunde „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ Mitte Mai in Berlin (von links): Prof. Dr. Frank Dörje (Chefapotheker des Uni-Klinikums Erlangen und amtierender Präsident des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker e. V.), Dr. Werner Grieb (Chefapotheker der Kliniken Landkreis Heidenheim gGmbH, ebenfalls Preisträger), Dr. Tobias Borst (stv. Leiter der Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen) und Max Willie Georgi (amtierender Präsident des Bundesverbands der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V.). (Foto: Peter Pulkowski)

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V. setzt sich für eine gute und vergleichbare Ausbildung im Praktischen Jahr ein. Um dies zu überprüfen und zu gewährleisten, verschickt er seit 2003 an die Pharmazeutinnen und Pharmazeuten im Praktikum Fragebögen und bittet sie um Feedback zu ihren Ausbildungsapotheken. Der Beauftragte für Jungpharmazeuten und der Evaluationskoordinator werten die Rückmeldungen aus und erstellen auf dieser Basis jährlich eine Liste mit „empfehlenswerten Ausbildungsapotheken“. Außerdem werden in den Kategorien „Öffentliche Apotheke“ und „Krankenhausapotheke“ die jeweils drei besten nationalen Ausbildungseinrichtungen gekürt und im Rahmen der wissenschaftlichen Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker e. V. für den Bereich Krankenhaus geehrt. Die Apotheke des Uni-Klinikums Erlangen wurde am Freitag, 10. Mai 2019, in Berlin bereits zum zweiten Mal als „Beste Ausbildungsapotheke – Krankenhaus“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Frank Dörje
Tel.: 09131/85-33591
frank.doerje@uk-erlangen.de

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