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Das Ziel vor Augen: den Gipfel des Kilimandscharo und den Krebs bezwingen

Gruppenfoto im Klinikum
Gemeinsam gegen CML – die Familien von Lea (12) und Yunus (18, beide auf der Schaukel) unterstützen die Aktion „Klettern für Heilung“ der Kinderonkologie des Uni-Klinikums Erlangen, um auch anderen Kindern und Jugendlichen die Chance auf ein normales Leben zu ermöglichen. V. l.: Lea mit ihren Eltern Dragana und Darko Jankovic, Prof. Dr. Markus Metzler sowie Yunus mit seiner Schwester Ayla und Mutter Dr. Cornelia Borowczak. (Bild: Michael Rabenstein/Uni-Klinikum Erlangen)

Erlanger Kinderonkologe will leukämiekranken Kindern und Jugendlichen mit einer besonderen Aktion helfen und bittet um Unterstützung

Im Oktober 2019 besteigt der 18-jährige Yunus den Kilimandscharo in Tansania. An seiner Seite: Mutter Cornelia, Schwester Ayla und sein Arzt Prof. Dr. Markus Metzler, Leiter der Kinderonkologie der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen. Dass Yunus den Weg auf den 5.895 Meter hohen Gipfel überhaupt antreten kann, verdankt er seinem Mut, wirksamen Medikamenten und den Erlanger Kinderonkologen. Yunus litt schon mit 12 Jahren an der chronischen myeloischen Leukämie (CML) – einer Form des Blutkrebses. Heute geht es dem Teenager wieder gut. „Damit auch andere Kinder und Jugendliche diese Chance auf Heilung bekommen, sammeln wir ab sofort Spenden für die Erforschung der CML, für die Vernetzung von Ärzten und Wissen und für eine bessere Therapie“, erklärt Prof. Metzler. Die Besteigung des Kilimandscharo vom 26. Oktober bis zum 3. November 2019 soll für die Spendenaktion werben und zeigen, wie leistungsstark Yunus und andere ehemalige CML-Patienten heute sind. Mit Prof. Metzler nehmen an der Tour 25 internationale CML-Forscher und -Ärzte sowie Patienten teil, die sich austauschen und eng vernetzen wollen.

„Wenn du den Gipfel erklimmen kannst, dann kannst du auch CML heilen!“ – mit dieser Überzeugung im Gepäck treten Markus Metzler, Yunus und seine Familie im Oktober die Tour zum höchsten Gipfel Afrikas an. Auf seinem Weg wird das Team fünf Klimazonen durchqueren und innerhalb von sieben Tagen über 4.000 Höhenmeter überwinden. „Wir machen damit auf unsere Herzensangelegenheit aufmerksam: darauf, dass wir CML heute weltweit mit guter Diagnostik und modernen Medikamenten erfolgreich bekämpfen können, wenn wir über uns hinauswachsen und unsere Komfortzone verlassen“, sagt Prof. Metzler. Seit Wochen bereitet sich der Kinderonkologe auf die Bergbesteigung vor, macht Höhentouren, geht regelmäßig joggen und fährt viel Rad. Yunus trainierte in den vergangenen Tagen unter anderem bei der Albstadt-Challenge auf der Schwäbischen Alb: Er, seine Mutter und seine Schwester liefen dort je 60 Kilometer und 1.500 Höhenmeter –  14 Stunden am Stück. „Yunus ist heute wieder mehr als fit“, sagt seine Mutter Dr. Cornelia Borowczak.

Die Spendenaktion „Klettern für Heilung“ („Climb for a Cure“) wird von der internationalen Stiftung Chronic Myeloid Leukemia Foundation (iCMLf) organisiert, die 2019 ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Die Spendengelder, die Prof. Metzler darüber hinaus einwirbt, verwaltet die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen. Jeder gespendete Euro fließt ganz konkret in die Erforschung der Diagnostik und der Therapie von CML bei Kindern und Jugendlichen, in die CML-Behandlung am Uni-Klinikum Erlangen, in neue genetische Tests, altersgerechtes Informationsmaterial und in die psychologische Begleitung betroffener Familien. Neue Forschungsergebnisse werden der internationalen Stiftung und ihrem weltweiten Ärzte- und Forschernetzwerk zur Verfügung gestellt.

Eine Krankheit – verschiedene Gesichter

Die CML ist bei Kindern und Jugendlichen sehr selten. Sie macht nur zwei Prozent aller Leukämien bei Kindern unter 15 Jahren aus, und nur neun Prozent aller Leukämien bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Bislang müssen sich Ärzte auf die Therapieempfehlungen für Erwachsene stützen. „Es hat sich aber gezeigt, dass sich CML bei Kindern anders äußert“, erklärt Markus Metzler. „Wir sehen bei jungen Patienten Unterschiede beim Krankheitsbeginn und im Verlauf. Die Krankheit ist häufig viel aggressiver als bei Erwachsenen und Kinder reagieren ganz anders auf die Behandlung.“

Neue Medikamente und neue Herausforderungen

Lange galt eine Stammzelltransplantation als einzige heilende Therapie bei CML. Dabei erhält der Leukämiepatient eine Infusion mit gesunden Blutstammzellen aus dem Knochenmark oder aus dem Blut eines passenden Spenders. Diese Stammzellen wandern in das Knochenmark des Patienten und bilden dort neue gesunde Blutzellen. „Aber eine Stammzelltransplantation ist riskant und belastend. Es besteht die Gefahr, dass die fremden Zellen abgestoßen werden oder dass sie sich gegen den Empfänger richten“, weiß Prof. Metzler.

Neue Medikamente – sogenannte Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) – haben die Therapiestandards revolutioniert: TKI sind heute für erwachsene CML-Patienten die erste Wahl, und auch bei Kindern und Jugendlichen sprechen diese Medikamente gut an. Mit TKI können Patienten die Remission erreichen, also den Rückzug der Krankheit – die funktionelle Heilung. Das heißt: Im Blut sind dann vorerst keine Leukämiezellen mehr nachweisbar. „Eine Stammzelltransplantation sollte die letzte Option bleiben“, rät Markus Metzler. „Für junge Menschen bedeutet das aber auch: eine jahrzehntelange Medikamenteneinnahme. Deshalb müssen wir noch besser verstehen, wem wir trotzdem eine Transplantation anbieten sollten und bei welchen Patienten wir die medikamentöse Therapie unter bestimmten Voraussetzungen nach mehreren Jahren sicher beenden können.“

Onkologen behandeln die CML heute mit verschiedenen TKI. Bei Kindern stehen sie dabei vor neuen Herausforderungen. Prof. Metzler gibt einige Beispiele: „Junge Patienten zeigen andere Nebenwirkungen als Erwachsene. Manche Medikamente beeinträchtigen zum Beispiel den Knochenstoffwechsel und das Wachstum, sodass wir häufig die übliche Behandlung wechseln und für den Einzelfall anpassen müssen. Es spielen auch Faktoren wie die Therapietreue eine Rolle – also: Wie zuverlässig nimmt zum Beispiel ein Teenager seine Medikamente ein? Oder: Wie reagiert der Körper eines jungen Menschen, wenn wir das Medikament irgendwann wieder absetzen? Die Datenlage im pädiatrischen Bereich ist noch sehr spärlich und wir haben hier noch viel Forschungsarbeit zu leisten“, so der Kinderonkologe.

 Lea (12) – kleine Tablette statt Knochenmarktransplantation

Prof. Metzler übernahm 2018 die Leitung der Studiengruppe für Kinder und Jugendliche mit CML aus ganz Deutschland. Mehr als 100 junge CML-Patienten werden von Erlangen aus mitbetreut und beraten. Auch Lea bekam 2016 die Diagnose Leukämie und ihre Ärzte rieten ihr zu einer Knochenmarktransplantation. Die damals Neunjährige und ihre Eltern hatten Angst vor dem großen Eingriff und wendeten sich an die Kinderonkologie des Uni-Klinikums Erlangen.

„Es war der 22. September 2016, als Prof. Metzler unserer Tochter Knochenmark entnahm und untersuchte – der Welt-CML-Tag“, erinnert sich Leas Vater, Darko Jankovic. Der „22.9.“ weist jährlich auf den genetischen Auslöser für die CML hin: die veränderten Chromosomen 22 und 9, die dazu führen, dass sich die weißen Blutzellen bösartig verändern und unkontrolliert vermehren. Nach und nach verdrängen diese Leukämiezellen dann die gesunden Blutzellen und es entsteht ein Mangel an Blutplättchen und funktionsfähigen weißen Blutzellen. „Wenige Stunden nach der Entnahme sagte uns Prof. Metzler, er sei sich zu 99,6 Prozent sicher, dass Lea CML hat – und keine Knochenmarktransplantation braucht.“ Im darauffolgenden Sommer hatten die Erlanger Kinderonkologen mit Medikamenten bereits die Remission der Krankheit erreicht – trotz eines extremen Ausgangsbefunds. Täglich nimmt die Zwölfjährige heute eine kleine Tablette ein. „Die vergisst sie nie“, versichert ihr Vater. „Und damit geht es ihr so gut, dass man nicht denken würde, dass sie jemals krank war.“ Prof. Metzler erklärt: „Die meisten Patienten mit CML sprechen zunächst gut auf die Behandlung an. Die unerwünschten Wirkungen der Therapie sind aber oft ein Problem – besonders bei jungen Patienten, die noch wachsen. Jetzt kümmern wir uns darum, dass wir für Lea mittelfristig eine optimale Kontrolle ihrer Erkrankung erreichen. Unser langfristiges Ziel ist es, dass sie ihr Medikament irgendwann ganz absetzen kann und gesund bleibt.“

Weitere Forschung und Hilfe nur mit Spenden möglich

Wer junge Patienten des Uni-Klinikums Erlangen, wie Lea und Yunus, ganz direkt unterstützen möchte, kann dies mit einer Spende für die Aktion „Klettern für Heilung“ an die Forschungsstiftung Medizin am Uni-Klinikum Erlangen tun.

Spendenkonto:

Forschungsstiftung Medizin

Bank: Stadt- und Kreissparkasse Erlangen Höchstadt Herzogenaurach

Verwendungszweck: Klettern für Heilung

IBAN: DE69 7635 0000 0000 0620 00

BIC: BYLADEM1ERH

Website der Aktion „Klettern für Heilung“: www.kletternfürheilung.de

Weitere Informationen:

Pressestelle des Uni-Klinikums Erlangen
Tel.: 09131 85-36102
presse@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Markus Metzler
Tel.: 09131 85-33731
markus.metzler@uk-erlangen.de

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