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Der will doch nur spielen

FAU-Alumnus Daniel Rothenbücher eröffnete im Mai 2020 das erste Spiele-Café Erlangens: Den "Würfelbecher". (Bild: Florian Meister)
FAU-Alumnus Daniel Rothenbücher eröffnete im Mai 2020 das erste Spiele-Café Erlangens: Den "Würfelbecher". (Bild: Florian Meister)

FAU-Alumnus eröffnet das erste Spiele-Café Erlangens

Gemeinsam mit Freunden Brettspiele spielen, dabei etwas essen und trinken, Spaß haben – das ist für manche der Inbegriff eines perfekten Abends oder Nachmittags. Seit Anfang 2020 gibt es in Erlangen einen Ort, an dem Spiele-Enthusiasten ihre Leidenschaft nun ausleben können, im „Der Würfelbecher“, der vom FAU-Alumnus Daniel Rothenbücher eröffnet wurde und betrieben wird.

Bild: Christina Dworak

Bild: Christina Dworak

Brot und Spiele – auch zum Ausleihen

Zugegeben, Brot gibt es im Würfelbecher nicht, aber dafür jede Menge Brettspiele. Die können Spielebegeisterte nicht nur käuflich erwerben, sondern auch leihen – ganz Corona-konform auch online. Denn Daniel Rothenbücher, der von 2005 bis 2011 Theater- und Medienwissenschaften sowie Buchwissenschaften an der FAU studierte, verfolgt mit dem „Würfelbecher“ ein besonderes Konzept, wie er erklärt: „Das Spezielle am „Würfelbecher“ ist die Mischung: Es ist zum einen ein Fachgeschäft für Brettspiele mit einem starken Fokus auf Gesellschaftsspiele abseits des Mainstream. Bei mir findet man Spiele von kleinen Verlagen, mit etwas ausgefalleneren Themen, die die echten Hobbyspieler ansprechen. Zum anderen biete ich den Kunden die Möglichkeit, Spiele hier vor Ort gegen einen kleinen Betrag direkt auszuprobieren. Man muss also nicht die Katze im Sack kaufen, sondern kann erstmal testen, ob das ausgesuchte Spiel Spaß macht. Wenn das der Fall ist, kann man das Spiel natürlich erwerben.“

Bild: FAU/Christina Dworak

Bild: FAU/Christina Dworak

Darüber hinaus erklärt Daniel Rothenbücher vorab die Anleitung zu jedem Spiel, damit der Spaß gleich losgehen kann. Corona-bedingt ist das gastronomische Angebot momentan etwas eingeschränkt, aber verdursten muss dennoch niemand. Daniel Rothenbücher ist zudem selbst ein begeisterter Spieler, hat eine persönliche Verbindung zu seinen Produkten. „Für mich war das immer eine schöne Nebenbeschäftigung. Ich mag vor allem den geselligen Aspekt, dass man zusammen eine schöne Zeit hat und nicht jeder nur auf sein Smartphone starrt“, erzählt er. Sein persönlicher Favorit ist im Übrigen „Mysterium“ – eine Art Mischung aus „Cluedo“ und „Dixit“.

Diese Möglichkeit des geselligen Beisammenseins und Spielens wollte Daniel Rothenbücher auch anderen zugänglich machen und so reifte allmählich die Idee eines eigenen Spiele-Cafés.

Von Amsterdam nach Erlangen

Die Idee, sich mit einem eigenen Spieleladen selbstständig zu machen, kam Daniel Rothenbücher bei seinem letzten Holland-Urlaub in Amsterdam: „Ich hatte schon seit Längerem mit dem Gedanken gespielt, einen eigenen Laden aufzubauen. In Amsterdam bin ich dann auf das „The Arcade Hotel“ gestoßen. Das ist eine Gamer-Hotel, welches sich mit einer sehr außergewöhnlichen Aufmachung ganz gezielt an Videospieler richtet. In dem Zimmern gibt es beispielsweise keine Minibars, sondern verschiedene Spielekonsolen, und im Foyer stehen alte Spiele-Automaten. Das hat mir sehr gut gefallen und war die Inspiration für meinen eigenen Laden.“

Bild: FAU/Christina Dworak

Bild: FAU/Christina Dworak

Nachdem Daniel Rothenbücher feststellte, dass es weder in Erlangen noch Nürnberg – trotz der Spielwarenmesse Nürnberg und dem Spielzeugmuseum Nürnberg – ein Spiele-Café gab, machte er sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Eine Herausforderung: „Es war wirklich schwer, etwas Passendes zu finden, etwas, in dem ich den gastronomischen Aspekt und die Brettspiele miteinander verbinden konnte“, erklärt Daniel Rothenbücher. Aus diesem Grund verlagerte er den Fokus auf den Verkauf von Brettspielen, um so auch nach Ladenflächen Ausschau zu halten – mit Erfolg: „Der Würfelbecher“ hat in der Helmstraße 4, ganz in der Nähe der Stadtbücherei, seine Heimat gefunden.

Für den finanziellen Part griff Daniel Rothenbücher auf die Unterstützung der „Crowd“, also der „Menge“ zurück und bediente sich damit einer beliebten Finanzierungsmethode vor allem für Start-ups, nämlich dem „Crowdfunding“. „Crowdfunding hat einige Vorteile“, erzählt Daniel Rothenbücher. „Man macht dadurch auf sich und seine Geschäftsidee aufmerksam, schafft eine Art Fanbase und knüpft erste Kontakte zu potentiellen Kunden. Zudem war das Crowdfunding für mich eine Art Stresstest: Anhand der Reaktion der Leute konnte ich sehen, ob es überhaupt Bedarf für ein Spiele-Café gibt.“ Den Bedarf gab es, was auch das durchweg positive Feedback der „Crowdfunder“ deutlich machte. Doch auch wenn „Der Würfelbecher“ ein Erfolg ist, von ihm leben kann Daniel Rothenbücher – noch – nicht.

Vormittags Werbetexter, nachmittags Spieleverkäufer

Momentan arbeitet Daniel Rothenbücher vormittags als Texter in einer Werbeagentur und nachmittags steht er im „Würfelbecher“. „Es wäre natürlich der Idealfall, wenn ich mich dem „Würfelbecher“ irgendwann in Vollzeit widmen könnte. Denn wenn man möchte, kann man sich den ganzen Tag mit so einem Geschäft beschäftigen“, schwärmt Daniel Rothenbücher. Dass er den „Würfelbecher“ mit viel Herzblut betreibt, zeigt sich auch an der Auswahl der Spiele, denn sie sind quasi handverlesen. „Ich wähle die Spiele größtenteils auch nach Gefühl aus. Mich interessieren vor allem die Spiele, die zum meinem Konzept passen und nicht unbedingt die Spiele, die sich in erster Linie gut verkaufen lassen“, sagt er. Neben dem eigenen Gefühl spielt das Feedback von Kunden eine wichtige Rolle bei der Spieleauswahl, wie er erklärt: „Wenn Kunden mich nach einem bestimmten Spiel fragen, versuche ich es zu bestellen. Wenn ich das Spiel dann interessant finde, kann es schon mal sein, dass ich gleich zwei bestelle – dann biete ich eines zum Ausprobieren an.“

Bild: FAU/Christina Dworak

Bild: FAU/Christina Dworak

Doch mit Herzblut alleine lässt sich ein Geschäft nicht führen – etwas kaufmännischer Sachverstand ist auch vom Vorteil. Den hat sich Daniel Rothenbücher hauptsächlich während seines Studiums an der FAU angeeignet.  „Sowohl die Theater- und Medienwissenschaften, als auch die Buchwissenschaften haben Wissen vermittelt, das ich jetzt für den „Würfelbecher“ nutzen kann“, sagt er. „Im Studium der Buchwissenschaften erfährt man unter anderem, wie der Büchermarkt strukturiert ist. Da viele Spielehersteller wie Verlage organisiert sind, helfen mir die Informationen aus dem Studium zum Beispiel dabei, Spieletitel oder die richtigen Kontakte zu finden.“ Bezüglich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit wiederum profitiert Daniel Rothenbücher von den Theater- und Medienwissenschaften und seinen zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten neben dem Studium. Zudem befähigt ein geisteswissenschaftliches Studium laut Daniel Rothenbücher ganz grundsätzlich dazu, sich in neue Sachverhalte einzuarbeiten: „Ich habe gelernt, mich mit Themen auseinanderzusetzen oder mir Dinge zu erschließen, mit denen ich im Zweifel vorher noch nie zu tun hatte. Das zu können, ist bei der Eröffnung und beim Führen des eigenen Ladens, aber auch grundsätzlich im Leben, nicht von Nachteil.“

Das Wissen aus dem Studium wird Daniel Rothenbücher auch dafür nutzen, den „Würfelbecher“ noch bekannter zu machen: So möchte er den Laden – sobald es die Pandemie wieder zulässt – für Veranstaltungen nutzen, beispielsweise für Turniere, Spiele-Verlagsvorstellungen oder Testabende, bei denen die Teilnehmenden exklusiv noch nicht veröffentlichte Spiele ausprobieren können. „Vielleicht kann ich auch irgendwann meine ursprüngliche Idee eines Spiele-Hotels doch noch verwirklichen oder ich finde ein Restaurant oder eine Bar, mit der ich zusammenarbeiten kann“, hofft Daniel Rothenbücher.

Den Mut haben, etwas Neues zu wagen

Bild: Florian Meister

Bild: Florian Meister

Mit dem „Würfelbecher“ hat Daniel Rothenbücher auf jeden Fall etwas Neues in seinem Leben gewagt und für Neues offen sein und zu bleiben ist auch einer der Ratschläge, die er nicht nur künftigen Gründerinnen und Gründern, sondern allen auf den Weg geben möchte: „Habt immer einen Plan B im Kopf oder auch: Es gibt immer einen Plan B.“ Daniel Rothenbücher meint damit, dass es nach hinten losgehen kann sich auf eine einzige Sache zu konzentrieren, beziehungsweise, dass Pläne auch mal scheitern können und man auf das Scheitern vorbereitet sein sollte – auch mental. „Meistens geht es irgendwie weiter. Vielleicht etwas anders, als ursprünglich geplant, aber das muss nichts Schlechtes sein – im Gegenteil. Vielleicht erfüllt einen das „Neue“ ebenso wie das „Alte“, aber man sollte auf jeden Fall flexibel bleiben“, sagt Daniel Rothenbücher.

Ein weiterer Tipp von ihm ist die eigene Wertschätzung: „Wenn der Beruf nicht mehr zufriedenstellt, wenn die Motivation verschwunden ist, dann suche dir einen neuen Job. Keiner muss einem Beruf nachgehen, bei dem man nicht sein ganzes Potential ausschöpfen kann oder im schlimmsten Fall darf.“ Daniel Rothenbücher ist davon überzeugt, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, mit der beruflichen Tätigkeit glücklich zu sein und man sich dafür auch nicht schämen muss, dieses Glück anzustreben. Genauso wenig muss man sich kein Mensch laut Daniel Rothenbücher unter Wert verkaufen.

Apropos verkaufen: Zum Schluss hat Daniel Rothenbücher noch einen weiteren Tipp – und zwar zu Brettspielen, die es sich lohnt 2020 zu kaufen: „Zum einen kann ich das Spiel des Jahres 2020 „Pictures“ empfehlen. In dem Spiel geht es darum, mit den unterschiedlichsten Materialien Fotos nachzustellen. „Pictures“ regt die Kreativität an, ist einfach zu erklären und dem entsprechend sehr einsteigerfreundlich. Zum anderen ist „Die Crew“, das Kennerspiel 2020, ein tolles Spiel. Die Spielerinnen und Spieler gehen gemeinsam als Crew auf eine Marsmission und müssen dabei verschiedene Aufgaben lösen. Das Besondere an „Die Crew“ ist, dass die Spielerinnen und Spieler so gut wie gar nicht miteinander kommunizieren dürfen – obwohl es sich um ein kooperatives Spiel handelt.“

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