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Zeit fürs Forschen und Behandeln

Dr. Harriert Morf geht der Frage nach, ob sich durch Ernährung chronische Entzündungen im Körper reduzieren lassen. (Bild: FAU/Jens Wegener)

Unterstützung für forschungsinteressierte Facharztauszubildende

Für wissenschaftliches Arbeiten bleibt im Klinikalltag kaum noch Zeit. Raum für patientenorientierte Forschung bietet deshalb das „Clinician Scientist Programm“ für Medizinerinnen und Mediziner in der Facharztausbildung.

Ein Virus mit dem Namen Sars-CoV-2 breitet sich rasant aus und bestimmt mehr und mehr unser Leben. Über 100.000 Menschen weltweit haben sich bereits mit dem Corona-Virus infiziert, die Weltgesundheitsorganisation hat den internationalen Gesundheitsnotstand erklärt – und aktuell gibt es weder einen Impfstoff noch Medikamente, denn noch vor einem halben Jahr kannte kein Mensch das neuartige Virus.

Ein aktuelles Beispiel für ein bekanntes Phänomen: „Medizinische Hintergründe werden immer komplexer – und die Ärztinnen und Ärzte müssen immer tiefer in Krankheitsmechanismen einsteigen, um Therapien entwickeln und anwenden zu können“, sagt Prof. Dr. Christiane Zweier. Die Humangenetikerin am Universitätsklinikum Erlangen koordiniert – zusammen mit Prof. Dr. Jürgen Winkler und Prof. Dr. Dimitrios Mougiakakos – das „Clinician Scientist Programm“ an der Medizinischen Fakultät der FAU. Es richtet sich an Medizinerinnen und Mediziner, die in ihrer Facharztausbildung an einer Klinik stehen und ein eigenes patientenorientiertes Forschungsprojekt durchführen möchten. „Wir brauchen dringend diese zweigleisig fahrenden jungen Ärztinnen und Ärzte“, sagt Zweier. „Als Clinician Scientists übernehmen sie eine wichtige Brückenfunktion zwischen der Grundlagenforschung und der klinischen Anwendung.“

Dr. Ferdinand Knieling nimmt am Clinician Scientist Programm teil und forscht an neuen Technologien in der Bildgebung. (Bild:FAU/Ferdinand Knieling)

Geschützte Forschungszeit

Das Programm ist an das Interdisziplinäre Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) Erlangen angebunden und – mit dem so genannten „Basic-Modul“ und dem „Advanced-Modul“ –zweistufig aufgebaut. Eine Teilnehmerin des „Basic-Moduls“ ist Dr. Harriet Morf. Die Medizinerin steckt gerade mitten in ihrer Facharztausbildung für Rheumatologie und Immunologie und forscht parallel an einem patientenorientierten Thema: „Können wir mit Ernährung chronische Entzündungen im Körper reduzieren? Mit dieser Forschungsfrage kann ich mich nun intensiv auseinandersetzen“, freut sich Morf. Denn das Programm garantiert ihr eine geschützte Forschungszeit von mindestens zwölf Monaten Vollzeit oder ein Äquivalent in Teilzeit. Darüber hinaus nutzt sie das begleitende Curriculum mit Seminaren zur „good clinical practice“, Fortbildungen über Fragen der Ethik in der medizinischen Forschung und Netzwerktreffen mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Programms.

Aktuell profitieren 16 junge Medizinerinnen und Mediziner von der Nachwuchsförderung, sechs im Basic-Modul – so wie Harriet Morf – und zehn im Advanced-Modul. Das Angebot für Fortgeschrittene richtet sich an Ärztinnen und Ärzte, die bereits erfolgreich ein Drittmittelprojekt eingeworben haben oder einen mindestens zweijährigen Post doc-Aufenthalt im Ausland absolviert haben. Zum Beispiel Dr. Ferdinand Knieling. Er arbeitet an der Kinder- und Jugendklinik des UKE, steht kurz vor dem Ende seiner Facharztausbildung und hat sein eigenes Drittmittel-Projekt in das „Clinician Scientist Programm“ eingebracht. „Wir forschen an neuen Technologien in der Bildgebung, die wir auch bei kleinen Patientinnen und Patienten anwenden können“, sagt Knieling. „Sie sollen einfach anzuwenden sein, die Kinder möglichst wenig belasten und die Nachteile von anderen Verfahren wie Strahlung bei CT oder MRT minimieren“. Er freut sich, dass er nun einen geschützten Rahmen für seine Forschung – und für den fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen – hat. „Denn auch das Netzwerken kommt im Klinikalltag oft zu kurz“, berichtet Knieling. „Im Clinician Scientist Programm tauschen wir uns dagegen ständig aus. Meistens geht es um Forschungsfragen, hin und wieder aber auch um Tipps für eine erfolgreiche Karriere in der akademischen Medizin.“


alexander – Aktuelles aus der FAU

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FAU-Magazin alexander Nr. 113

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