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Alles Digital oder was?

Das ILI hat sich als Ansprechpartner für Lehrende und Studierende aller Fakultäten der FAU zu allen digitalen Lernbelangen etabliert. (Bild: FAU/Erich Malter)

Ein Besuch im Kompetenzzentrum für digitale Bildung an der FAU - dem Institut für Lern-Innovation.

Ein Sprichwort besagt: Man lernt nie aus. Das gilt auch für das Lernen selbst, denn wie gelernt und gelehrt wird, verändert sich im Laufe der Zeit stark. Das Institut für Lern-Innovation (ILI) erforscht seit 1976, wie mediengestütztes Lernen über die gesamte Lebensspanne gelingt. Erfolgreiche Lehr-Lern-Konzepte sind im Jahr 2020 natürlich vor allem digital – jedoch nicht erst seit Corona. Schon zuvor war das ILI als Ansprechpartner für Lehrende und Studierende aller Fakultäten der FAU zu allen digitalen Lernbelangen etabliert. Deshalb funktionierte die von der Corona-Pandemie quasi von heute auf morgen erzwungene Umstellung des Unibetriebs auf digital vergleichsweise reibungslos. Allein seit deren Ausbruch hat das ILI schon mehr als 1.000 digitale Lehrveranstaltungen auf der Lernmanagement-Plattform „ILIAS“ unterstützt. „Wir waren glücklicherweise vorher schon gut aufgestellt und konnten unsere Ressourcen schnell bündeln“, berichtet Stefanie Gerl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ILI. Die Digitalisierung werde im Rahmen des Projekts Qualität in Studium und Lehre (QuiS) seit 2012 verstärkt vorangetrieben. Auch widme sich das ILI der ständigen Weiterentwicklung des universitätseigenen Systems „StudOn“.

Das ILI erforscht seit langem, wie mediengestütztes Lernen gelingt. Dafür nutzt es neuste Technik. (Bild: FAU/Erich Malter)

Ansprechpartner für Digitales

Neben reinen Systemschulungen erhalten Lehrende am ILI praxisorientierte Informationen, wie sich digitale Lehre erfolgreich planen und umsetzen lässt. In Workshops können sie sich unter anderem mit Aufzeichnungstechnik vertraut machen, aber auch erfahren, worauf es beim Konzipieren von digitalen Lehrveranstaltungen ankommt. Dabei ist die mediendidaktische Beratung immer auf die individuellen Voraussetzungen zugeschnitten. „Ob man ein Lehrvideo produzieren möchte oder vielleicht einen Podcast, ist typabhängig. Wir unterstützen die Lehrenden dabei, den richtigen Weg für sich und die jeweilige Lehrveranstaltung zu finden“, sagt Stefanie Gerl. Präsenzformate wie die klassische 90-minütige Vorlesung ließen sich nicht einfach eins zu eins in ein Online-Format übertragen. Besonders bei der digitalen Lehre sei der soziale Faktor zentral, betont die Diplompädagogin. Dafür müssen sowohl Lehrende als auch Studierende in vielerlei Hinsicht umdenken: Auf der einen Seite seien Inhalte ganz anders aufzubereiten als für eine Präsenzveranstaltung. Auf der anderen Seite reiche es nicht, sich als Studierender nur „berieseln“ zu lassen.

Interaktion statt Isolation

Ob man ein Lehrvideo produzieren möchte oder vielleicht einen Podcast, ist typabhängig. Das ILI unterstützt die Lehrenden das richtige Format zu finden. (Bild: FAU/Erich Malter)

„Wenn Studierende den ganzen Tag lang einsam und allein vor dem Bildschirm Monologe konsumieren, ist das auf Dauer nicht nur ziemlich öde, sondern bringt auch wenig für den Lernerfolg. Deshalb gilt es, Studierende umfassend zu betreuen und digital zu aktivieren“, merkt Stefanie Gerl an. Lehrveranstaltungen können beispielsweise durch Frage- und Quizrunden aufgelockert werden. Damit lasse sich der Kenntnisstand leicht überprüfen und eine eventuelle Lücken einfacher schließen. Auch StudOn enthält etliche Werkzeuge, mit denen die Studierenden aktiv werden können. Videochats mit Tutorinnen oder Tutoren lassen sich darüber ebenso realisieren wie Feedback zu Hausarbeiten oder gemeinsames Schreiben an einem Wiki zu einem bestimmten Themenbereich. Daneben bieten die elektronischen Plattformen niedrigschwellige Möglichkeiten, zu Dozentinnen und Dozenten Kontakt aufzunehmen. So kommt kein Digital-Frust bei Studierenden auf. Aufgrund der Erfahrung mit der coronabedingten Verlagerung der Lehre ins Internet zeichnet sich ab, dass weder die Präsenznoch die Online-Variante komplett verschwinden werden: Auch Lehrende, die vor dem Sommersemester 2020 keine oder wenig Digitalerfahrung hatten, können sich mittlerweile vorstellen, in Zukunft digitale Elemente mit einzubinden. „Beides lässt sich im Rahmen von ‚Blended Learning‘ sehr gut miteinander verschränken. Zum Beispiel kann die reine Wissensvermittlung online und die Anwendung des Gelernten anschließend vor Ort erfolgen – da gibt es unzählige Möglichkeiten“, erklärt Stefanie Gerl.

Stefanie Gerl (l.) und Prof. Dr. Svenja Bedenlier (r.) sind beide am ILI tätig. (Bild: FAU/Erich Malter)

International digital

Die Chancen eines solchen hybriden Ansatzes hinsichtlich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Wissenschaft sieht auch Prof. Dr. Svenja Bedenlier, die am ILI zu Digitalisierung im Kontext von Internationalisierungsprozessen an Hochschulen forscht. „Sicherlich ist ein Auslandssemester oder ein Praktikum in einem anderen Land immer auch eine sehr persönliche Erfahrung, die nicht vollständig durch Online-Events ersetzt werden kann“, sagt sie. Allerdings sprechen digitalisierte internationale Angebote an Hochschulen auch Personen an, die bisher aufgrund
finanzieller oder persönlicher Voraussetzungen nicht oder nur eingeschränkt mobil gewesen seien. Für diese sei es einfacher, einzelne Vorträge oder Kurse virtuell zu veranstalten oder zu verfolgen, als für mehrere Monate ins Ausland zu gehen. „Zusammenfassend lässt sich sagen: Nur noch digital oder nur noch in Präsenz wird es im internationalen Kontext nicht geben. Spannend ist es darum, das Beste aus beiden Welten zu nutzen“, findet Prof. Bedenlier und erläutert: „Die Digitalisierung hat aus der Not heraus einen gewaltigen Schub erhalten. Darauf lässt sich aufbauen, um auch den internationalen Austausch zu fördern und neue Formate dafür zu etablieren.“

 

Weitere Informationen zum ILI:
www.ili.fau.de


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