Seine Schülerinnen und Schüler haben ihn heimlich für den Deutschen Lehrkräftepreis nominiert – mit Erfolg: FAU-Alumnus Serhat Gökce erhält den Deutschen Lehrkräftepreis 2025 und gehört damit zu den zehn besten Lehrkräften Deutschlands. Er hat sowohl durch fachliche Kompetenz überzeugt, als auch durch seinen wertschätzenden Umgang mit den Schülerinnen und Schülern. Sie beschreiben ihn als motivierend, verständnisvoll und engagiert – als Vertrauensperson mit offenem Ohr, die sie weit über den Unterricht hinaus unterstützt.
Serhat Gökce im Interview
Der Berufsschullehrer hat Wirtschaftspädagogik an der FAU studiert, arbeitet an der Beruflichen Schule 9 in Nürnberg und ist als Mentor an der Universitätsschule der FAU noch immer sehr mit seiner Alma Mater verbunden. Wie er von der überraschenden Nominierung erfahren hat, was gute Lehre für ihn ausmacht und welche Rolle seine Zeit an der FAU dabei spielt, erzählt er im Interview mit dem FAU Alumni-Management.
Ihre Schülerinnen und Schüler haben Sie heimlich für den Deutschen Lehrkräftepreis nominiert. Wann haben Sie davon erfahren und wie haben Sie darauf reagiert?
Ende November 2025 erfuhr ich es durch meine Schulleitung. Ich dachte zuerst an einen Fake und musste eine Verschwiegenheitserklärung bis zur Preisverleihung abgeben. Als ich die detaillierten Begründungen meiner Abschlussklasse las, war das ein absoluter Gänsehautmoment, der mich tief berührte.
Wie fühlt es sich an, heute zu den 10 besten Lehrkräften Deutschlands zu gehören?
Es fühlt sich wie eine große Ehre und Bestätigung an, aber ich stehe stellvertretend für unzählige engagierte Kolleginnen und Kollegen. Am schönsten ist die Resonanz meiner Schüler: Sie sind stolz und das motiviert mich enorm weiterzumachen.
Welche Eigenschaften machen für Sie eine gute Lehrkraft aus?
Eine gute Lehrkraft baut Vertrauen auf, hört aktiv zu und holt jeden Schüler da ab, wo er steht. Sie ist konsequent, aber wertschätzend und schafft einen angstfreien Raum, in dem Lernen Spaß macht.
Wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken, woran erinnern Sie sich am liebsten?
Am liebsten an die Zeit mit den Kommilitonen – entweder stundenlanger Austausch in der WiSo-Cafete über Theorie und Leben oder spontane Bar-Runden, wo aus Wirtschaftspädagogik plötzlich die großen Fragen wurden. Da haben wir nicht nur gelernt, sondern gelebt. Die wichtigste Erkenntnis: Die besten Ideen kommen immer nach 22 Uhr!
Wie kam es dazu, dass Sie sich für das Studium der Wirtschaftspädagogik entschieden haben? Wollten Sie von vornherein Lehrer werden?
Ursprünglich wollte ich Tourismus studieren, aber das klappte nicht. So fiel die Wahl auf Wirtschaftspädagogik, als Brücke zwischen Wirtschaft und Pädagogik. Lehrer wollte ich nicht von vornherein werden. Erst negative Schulerfahrungen (einschüchternde und wenig wertschätzende Lehrer) weckten den Wunsch, es besser zu machen.
Was haben Sie aus dem Studium der Wirtschaftspädagogik für den Schulalltag mitgenommen?
Die klare Strukturierung von Inhalten und das Verknüpfen von Theorie mit Praxis – z. B. wie man betriebswirtschaftliche Konzepte greifbar macht. Besonders die Reflexion über Lernprozesse hilft mir, Unterricht individuell anzupassen.
Was reizt Sie als Lehrkraft besonders an der Schulform der Berufsschule?
Die Vielfalt der Schülerbiografien und die Nähe zur Arbeitswelt: Hier kann ich Jugendliche direkt auf ihren Berufseinstieg vorbereiten. Jeder bringt einzigartige Stärken mit. Das macht den Unterricht lebendig und relevant.
Können Sie uns eine Situation in Ihrem Unterricht beschreiben, in der Sie gemerkt haben: Genau deshalb bin ich Lehrer geworden?
Spontan denke ich gerade an folgende bei meiner jährlichen Weihnachtsspendenaktion mit der Schülermitverantwortung: Den Gen Z-Schülern, denen sonst manchmal weniger Sozialkompetenz zugetraut wird, überlassen wir Verantwortung. Sie organisieren Spenden, motivieren sich gegenseitig und leben Werte wie Solidarität. Das zeigt mir: Genau dafür bin ich Lehrer – um Potenzial zu wecken, das niemand erwartet.

Als Verbindungslehrer begegnen Sie den Schülerinnen und Schülern auf persönlicher Ebene und vermitteln zwischen Schule, Kollegium und Elternhaus. Gibt es Momente, die Sie als besonders herausfordernd empfinden und wie gehen Sie damit um?
Herausfordernd sind Krisenmomente wie familiäre Probleme oder Konflikte mit Eltern. Da muss man Brücken bauen. Ich suche das ehrliche Gespräch unter vier Augen, höre zu und verbinde ggf. mit Beratungsstellen. So entsteht Vertrauen.
Sie arbeiten außerdem als Mentor an einer der Universitätsschulen der FAU – was bedeutet Ihnen die Verbindung zu Ihrer Alma Mater?
Die FAU ist für mich bis heute ein Stück Heimat, weil ich dort nicht nur fachlich, sondern auch menschlich viel mitgenommen habe. Umso schöner ist es für mich, als Mentor etwas zurückgeben zu können. Und Prof. Dr. Karl Wilbers danke ich ausdrücklich für die großartige Umsetzung der Universitätsschule in Bayern, die Wissenschaft und schulische Praxis so wertvoll zusammenbringt.
Wenn Ihre Schülerinnen und Schüler Ihren Unterricht in drei Worten beschreiben müssten – welche würden Sie sich wünschen?
Vertrauensvoll, wertschätzend, motivierend.
Möchten Sie noch etwas ergänzen, das Ihnen am Herzen liegt?
Wir reden aktuell sehr viel über das, was im Schulsystem alles fehlt – von Lehrkräften bis hin zu digitaler Ausstattung. Ich möchte aber betonen, was für ein fantastischer und sinnstiftender Beruf das Lehramt ist: Wir haben jeden Tag die Chance, junge Menschen ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten und stark für die Zukunft zu machen. Danke an die FAU, meine Schulleitung und alle, die mich geprägt haben!
Herzlichen Dank für das Interview, Herr Gökce.
(Interview: Nina Bundels, März 2026)
