Für ihr herausragendes Engagement erhalten zwei Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) den Preis für gute Lehre des Bayerischen Wissenschaftsministeriums. Prof. Dr. Andreas Kist, Juniorprofessur für Artificial Intelligence in Communication Disorders und Dr. Philipp Arnold aus dem Institut für Anatomie sind die diesjährigen Preisträger der FAU. Mit dem Preis würdigt Wissenschaftsminister Markus Blume exzellente Lehre an Hochschulen in ganz Bayern.
Andreas Kist will Studierenden Werte vermitteln

Prof. Dr. Andreas Kist aus dem Department AIBE der Technischen Fakultät beschäftigt sich mit Methoden der automatisierten Signalverarbeitung, also mit Verfahren, die Bilder, Videos oder Audioinhalte erkennen, analysieren und interpretieren können. Gemeinsam mit seinem Team setzt er beispielsweise Künstliche Intelligenz ein, um Videomaterial von Patientinnen und Patienten mit Schluckstörungen auszuwerten. Hauptberuflich befasst sich Andreas Kist seit 2018 mit Künstlicher Intelligenz, ursprünglich kommt er jedoch aus den Naturwissenschaften: Er studierte Molekulare Medizin an der FAU und promovierte anschließend in den Neurowissenschaften.
„Ich bin kein gelernter Ingenieur, eher Naturwissenschaftler, der jetzt auf Abwegen ist“, beschreibt Prof. Kist seinen eigenen Werdegang. Denn nun befindet er sich an der Schnittstelle zwischen Biologie, Medizin und Technik – und hält beispielsweise Lehrveranstaltungen zu kognitiver Neurowissenschaft für KI-Entwickler. Zudem vermittelt er seinen Studierenden Grundlagen im Bereich Data Science und KI. Wichtig sei ihm dabei, dass die Studierenden praxisnah und anwendungsorientiert lernen. „Im Deutschen gibt es das Wort ‚begreifen‘. ‚Begreifen‘ ist semantisch ein wunderschönes Wort, weil ich etwas nur verstehe, wenn ich es anfassen kann.“
So organisiert der Juniorprofessor jedes Sommersemester eine praxisorientierte Tracking-Olympiade. Hierbei fordert er seine Studierenden dazu heraus, Hexbugs, sich willkürlich fortbewegende Miniatur-Roboter, mithilfe eines selbst geschriebenen Algorithmus nachzuverfolgen. Das beste Team erhält den Tracking-Pokal und gewinnt die Olympiade. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Nachdem ich die Grundlagen erklärt habe, geht es darum, dass die Studierenden eigenständig Lösungen entwickeln.“ Letztlich gehe es vor allem auch darum, Relevanz zu vermitteln: Welche Auswirkungen hat die eigene Forschung auf die Gesellschaft? Was kann ich mit meinen neu erlernten Fähigkeiten bewirken? „Und Relevanz ist Praxis“, sagt Prof. Kist.
Im Umkehrschluss erwarte er von seinen Studierenden aktives Engagement. „Dieses generelle Interesse, dass Leute einfach Bock haben, hier sein möchten und etwas lernen wollen. Das ist mir wichtig.“
Sich selbst sieht Andreas Kist in einer übergeordneten Pflicht: „Umso besser ich Studierende ausbilde, desto besser geht es der Gesellschaft. Denn es geht ja nicht nur darum, dass Studierende wissen, wie ein neuronales Netz funktioniert.“ Für ihn sei es ebenso entscheidend, Werte zu vermitteln: „Wenn man Fähigkeiten wie kritisches Hinterfragen, Faktenchecks und wissenschaftliche Herangehensweisen mitvermittelt, arbeitet man aktiv gegen Populismus und den Trend in der Gesellschaft, sich einfach hinzustellen und zu sagen ‚Glaube ich nicht!‘, obwohl die Fakten auf dem Tisch liegen.“
Philipp Arnold empfindet die Betreuung seiner Studierenden als Privileg

Während Andreas Kist als Naturwissenschaftler nun an der Technischen Fakultät lehrt, ist Dr. Philipp Arnold von den Naturwissenschaften zur Medizinischen Fakultät gewechselt. Philipp Arnold ist nämlich studierter Biologe: Er promovierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wechselte 2013 als Postdoc nach Kiel und kam 2020 nach Erlangen. Mittlerweile ist er akademischer Oberrat am Institut für Funktionelle und Klinische Anatomie und Privatdozent für Anatomie an der FAU.
Philipp Arnold betreut dabei vor allem Studierende im ersten oder zweiten Semester. Und während die anschauliche Vermittlung der Fachinhalte für ihn entscheidend ist, betrachtet er das Onboarding der neuen Studierenden als größte Herausforderung: „Jedes Jahr starten über 600 Studierende ihr Studium bei uns in der Medizin. Hier ein gutes Ankommen zu ermöglichen, ist entscheidend für den späteren Erfolg im Studium.“ Dies gelinge zum Beispiel durch viele Austauschmöglichkeiten mit Dozierenden und damit, den Kontakt zwischen den Studierenden zu fördern. Das sei wichtig, um Lerngruppen zu finden, mit denen sich die ungewohnten Stoffmengen bewältigen ließen. „Hierbei Hilfestellungen anzubieten und den Lernstoff möglichst gut zu strukturieren, ist ebenso Teil guter Lehre“, erklärt Dr. Arnold.
Neben der Betreuung von Erst- und Zweitsemestern unterstützt Philipp Arnold seine Doktorandinnen und Doktoranden mit großer Leidenschaft. Er hilft bei Bewerbungen, fördert Eigeninitiative und schafft Raum für Austausch und fachliche Diskussionen: Engagement, das im Jahr 2025 mit dem Betreuungspreis des FAU-Promovierendenkonvents ausgezeichnet wurde.
Motivation für seine Arbeit schöpft Philipp Arnold dabei aus den inspirierenden Werdegängen seiner Studierenden und Promovierenden. „Ich bin immer wieder von Entwicklungen beeindruckt. Ich hatte bisher mehrfach die Möglichkeit, Studierende in der Vorlesung kennenzulernen, dann als Tutorinnen oder Tutoren in anatomischen Kursen und letzten Endes auch als Promovierende zu begleiten“, erzählt er. „Meine ersten Promovendinnen und Promovenden sind bereits erfolgreich behandelnde und forschende Ärztinnen und Ärzte. Diese Entwicklung mitzuverfolgen und zu unterstützen empfinde ich als echtes Privileg.“
Über den Preis für gute Lehre
Jedes Jahr nominiert die FAU zwei Lehrende, die vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit dem Preis für gute Lehre ausgezeichnet werden. Die Studierendenvertretung wählt die Kandidat/-innen aus, die der Universitätspräsident im Anschluss daran vorschlägt. Der Preis würdigt die Arbeit der besten Lehrpersonen an staatlichen bayerischen Universitäten und ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Voraussetzung für die Verleihung des Preises ist eine herausragende Lehrleistung über die Dauer von wenigstens zwei Studienjahren an einer Universität in Bayern.

Weitere Informationen
PD Dr. rer. nat. Philipp Arnold
Lehrstuhl für Funktionelle und Klinische Anatomie
Kontakt
Prof. Dr. Andreas Kist
Juniorprofessur für Artificial Intelligence in Communication Disorders
Kontakt

- File Name
- FAU_Prof_Arnold_Philipp_Bayerischer_Lehrpreis
- File Size
- 176 KB
- File Type
- JPEG

- File Name
- FAU_Prof_Andreas_Kist_Bayerischer_Lehrpreis
- File Size
- 317 KB
- File Type
- JPEG
