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Prof. Dr. Elisabeth Bronfen

Prof. Dr. Elisabeth Bronfen ist Inhaberin des Lehrstuhls für English and American Studies an der Universität Zürich und eine weltweit anerkannte Anglistin. Im Rahmen des Dies academicus 2019 wurde sie zur FAU-Botschafterin ernannt. (Bild: Susan Bronfen)

Elisabeth Bronfen ist Lehrstuhlinhaberin für English and American Studies an der Universität Zürich und seit 2007 Global Distinguished Professor an der New York University. Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt in der anglo-amerikanischen Literatur und visuellen Kultur des 19. bis 21. Jahrhunderts, der Intermedialität und den Gender Studies. Zu ihren neusten Publikationen gehören: Madmen, Death and the American Dream (Diaphanes 2015), Hollywood und das Projekt America. Essays zum Kulturellen Imaginären einer Nation (Transkript 2018), Crossmappings. On Visual Culture (I.B. Taurus/ Bloomsbury 2018), und Obsessed. The Cultural Critic’s Life In the Kitchen (Rutgers University Press). Sie hat zahlreiche Gastprofessuren in den USA, Australien, Portugal, Frankreich, Italien und Dänemark wahrgenommen. Seit 2011 ist sie Mitglied der Academia Europaea. Im Jahr 2017 erhielt sie die Martin Warnke-Medaille der Aby Warburg Stiftung.

Am 4. November 2019 wurde Frau Prof. Dr. Bronfen im Rahmen des Dies academicus offiziell zur FAU-Botschafterin ernannt.

Das Besondere der FAU für mich ist die Offenheit für Internationalisierung. Zugleich aber beeindruckt mich auch im Bereich der Kultur- und Medienwissenschaften eine starkes Interesse an Theoriebildung, als gemeinsame Sprache über disziplinäre Grenzen hinweg.

Frau Prof. Dr. Bronfen, Sie sind zur FAU-Botschafterin ernannt worden. Was wird Ihre Hauptaufgabe als Botschafterin sein?

Meine Hauptaufgabe wird die Weiterführung und Intensivierung der bestehenden Zusammenarbeit im Bereich Kultur- und Medienwissenschaften sein.

Was ist für Sie das Besondere an der FAU?

Das Besondere der FAU für mich ist die Offenheit für Internationalisierung. Zugleich aber beeindruckt mich auch im Bereich der Kultur- und Medienwissenschaften eine starkes Interesse an Theoriebildung, als gemeinsame Sprache über disziplinäre Grenzen hinweg.

Ihr Fachgebiet ist die Anglistik. Welche wissenschaftliche Erkenntnis oder Entdeckung in Ihrer Karriere hat Sie bislang am meisten überrascht oder fasziniert?

Da muss ich auf meine Habilitationsschrift “Over Her Dead Body. Death, Femininity and the Aesthetic“ zurückverweisen, nicht zuletzt, weil es selbst nach 25 Jahren noch immer wichtig ist danach zu fragen, warum die schöne weibliche Leiche in der Literatur, der visuellen Kunst und der Kulturtheorie ihre Faszination nicht verloren hat. Überrascht hat mich damals bereits wie hartnäckig sich die Verknüpfung von Tod und Weiblichkeit in unserem kulturellen Imaginären festgesetzt hat, aber auch wie viele philosophische, psychologische und kulturpolitische Fragen sich daran über die Jahrhunderte – und eben auch heute noch immer – verhandeln lassen.

Ihr wissenschaftlicher Werdegang als Anglistin ist beeindruckend und das – wie einige hervorheben würden – als Frau und Geisteswissenschaftlerin. Haben es Frauen in der Wissenschaft immer noch schwer?

Sicherlich ist in den letzten Jahrzehnten sehr viel dafür getan worden, um es Frauen zu erleichtern in der Wissenschaft tätig zu sein. Es gibt generell eine wesentlich größere Achtsamkeit für diese Problematik, sowie auch Förderungsprogramme, um die Anzahl an Frauen in Forschungseinrichtungen zu erhöhen. Als ich Anfang der 1990er Jahre meinen Ruf an die Universität Zürich bekam, war ich die einzige Frau unter 40 Forschenden in der Philosophischen Fakultät. Das hat sich mittlerweile geändert. Dennoch bleibt die Frage, wie der anspruchsvolle Beruf der Wissenschaftlerin mit dem der Familienverpflichtungen zu vereinbaren ist. Für viele junge Frauen bleibt deshalb ein Vorbehalt, eine Karriere in der Wissenschaft einzuschlagen. Zugleich muss ich rückblickend auch feststellen: Alteingesessene Strukturen lassen sich nur sehr langsam wirklich verändern. Es gibt weiterhin Hürden. Es gilt weiterhin Strategien zu entwickeln, wahrgenommen zu werden, Anerkennung für die spezifische Art zu bekommen, wie Frauen in der Wissenschaft tätig sein können.

Der Sinn und Zweck geisteswissenschaftlicher Forschung wird immer wieder angezweifelt. In Ungarn beispielsweise wurde dem Studiengang „Gender Studies“ die Zulassung entzogen. Was entgegnen Sie diesen Zweiflern?

Geisteswissenschaft heißt für mich, sich mit unserer Kulturgeschichte auseinanderzusetzen, mit literarischen, philosophischen und künstlerischen Werken, die uns nicht nur verstehen lassen, wie wir zu dem geworden sind, was wir sind. In ihnen lassen sich auch Antworten finden für die Probleme die sich unserer Kultur stellen. Geisteswissenschaft heißt aber auch, ein analytisches Denken pflegen, jenseits von ökonomischem Gewinndenken.

Dennoch bleibt die Frage, wie der anspruchsvolle Beruf der Wissenschaftlerin mit dem der Familienverpflichtungen zu vereinbaren ist.

Sie haben kürzlich ein Kochbuch veröffentlicht. Wie kam es dazu und was haben Kochen und Forschen vielleicht gemeinsam?

Ein Kochbuch wollte ich schon sehr lange schreiben, teilweise um Leute davon zu überzeugen, dem fast food und dem convenience food den Rücken zuzuwenden und wieder in die eigene Küche zurückzukehren; diese als einen Ort des Experimentierens aber auch der kulinarischen Erbschaft zu entdecken. Es ist aber auch, wie der Titel „Besessen. Meine Kochmemoiren“ deutlich macht, ein Stück dessen, was jetzt als „life writing“ verstanden wird. Mit Forschung hat es zu tun, weil ich das Schreiben dieses Buches zum Anlass nahm, um mich in meine eigene Kochbuchsammlung zu vertiefen, auf der Suche nach Kochprinzipien aber auch der Geschichte des Kochens und des Fastens. Zugleich aber war es auch eine Erforschung dessen, wie für mich Kochen ein Stück ganz persönlicher Familiengeschichte ist.

Wollten Sie schon immer Wissenschaftlerin werden? Was wären Sie sonst geworden?

Nein, angefangen habe ich als Schauspielerin und wollte eigentlich Dichterin werden. Dann hat mich die Liebe für Literatur und die philosophischen Fragen, welche diese aufwirft, gepackt und ich entdeckte den Reiz des analytischen Denkens und Schreibens. Zugleich hatte ich mir in den Jahren, als ich an meiner Habilitationsschrift arbeitete, immer ein Zeitlimit gesetzt. Hätte ich meine Professur nicht innerhalb meiner Anstellung als Postdoc bekommen, hätte ich mich an einer amerikanische Law School beworben.

Haben Sie einen Rat insbesondere für Frauen, die in der Wissenschaft Karriere machen möchten?

Hartnäckig an der eigenen Forschung zu arbeiten, sich von etwaigen Vorurteilen gegenüber Frauen in ihrer Disziplin nicht einschüchtern zu lassen. Und zugleich die Erwartungen, die das Universitätssystem an sie stellt, besonnen zu analysieren und einen Weg finden, diese einzuhalten. Begeistert und zielstrebig die eigenen Projekte zu verfolgen und zugleich den Humor nicht zu verlieren. Das hilft bei Niederlagen, auf die man sich immer einstellen sollte, enorm.

Vielen Dank für das Interview, Frau Prof. Dr. Bronfen.