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Prof. John Bessant

(Bild: FAU/Georg Pöhlein)

Ursprünglich Chemieingenieur mit einem Doktor für seine Arbeit über Innovation innerhalb der Chemieindustrie, ist Prof. John Bessant seit über 30 Jahren in der Forschung, Lehre und Beratung im Technologie- und Innovationsmanagement tätig. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Innovation und Entrepreneurship an der University of Exeter in Großbritannien und ist zudem außerordentlicher Professor an der Universität Stavanger, Norwegen. 2003 wurde er zum Mitglied des Advanced Institute for Management Research ernannt sowie zum Fellow der British Academy of Management gewählt. 2001 und 2008 war er im Business and Management Panel der Research Assessment Exercises (RAE) tätig. Bis 2008 wurde mit den RAEs circa alle fünf Jahre im Namen der fünf britischen Finanzierungsgremien für das Hochschulwesen die Qualität der an britischen Universitäten erbrachten Forschung evaluiert.

Nach einer kurzen Zeit in der Industrie machte Prof. Bessant die Forschung zu seinem Beruf und lehrte auf dem Gebiet des Technologie- und Innovationsmanagements am Forschungsbereich für Technikpolitik der University of Aston in Birmingham, am Forschungsbereich für Wissenschaftspolitik der University of Sussex sowie an der University of Brighton, wo er das Centre for Research in Innovation Management (Zentrum für Forschung zu Innovationsmanagement), kurz CENTRIM, leitete. Sein Forschungsinteresse gilt dem Management von diskontinuierlicher Innovation, Strategien zur Entwicklung von High Involvement-Innovation und die Verwendung von Lernnetzwerken, um die Verbreitung von Innovationen zu ermöglichen. Er ist Autor von 25 Büchern und zahlreichen Artikeln zu diesen Themen und hat auf der ganzen Welt gelehrt und beraten. Zu seinen neuesten Büchern zählen „Managing innovation“ (mittlerweile in der sechsten Auflage erschienen) und „Creativity and innovation management“.

Prof. Bessant beriet außerdem mehrere Regierungen und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Weltbank oder den OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

Mit der Ernennung zum FAU-Ambassador 2018 würdigt die FAU einen der renommiertesten Experten auf dem Gebiet der Innovationsfroschung, der mit seinem transnationalen Netzwerk die Internationalisierung und Profilierung des Wissenschaftsstandorts Erlangen entscheidend befördern kann.

Hervorragende Studierende anziehen, weltklasse Forscherinnen und Forscher an die FAU holen, ein breiteres Bewusstsein und Verständnis für das, was die FAU zu bieten hat, zu schaffen – es gibt so viel zu tun, aber die FAU ist eine wunderbare Institution, die ich repräsentieren darf!

Prof. Bessant, was ist Ihr Hauptziel als FAU-Ambassador?

Ich hoffe, die internationale Wahrnehmung der FAU als eine der bedeutendsten Volluniversitäten in Europa zu fördern. Insbesondere gibt es eine großartige Geschichte über 275 Jahre Fortschritt und eine lange Erfolgsbilanz rund um das Thema „Wissen in Bewegung“ zu erzählen. Das ist kein bedeutungsloser Slogan – das ist es, was eine großartige Universität tun sollte: Wissen innerhalb der eigenen Mauern nicht nur schaffen und zu bewahren, sondern aktiv mit dem Wissen zu arbeiten, es zu verweben, um Werte innerhalb und außerhalb der Universität zu schaffen. Ein wichtiger Teil dieser KIM-Aktivität ist der Aufbau und die Verstärkung von Netzwerken, um Verbindungen auf der ganzen Welt zu schaffen und zu stärken. Hervorragende Studierende anziehen, weltklasse Forscherinnen und Forscher an die FAU holen, ein breiteres Bewusstsein und Verständnis für das, was die FAU zu bieten hat, zu schaffen – es gibt so viel zu tun, aber die FAU ist eine wunderbare Institution, die ich repräsentieren darf!

Sie beraten und unterstützen die FAU auf dem Weg zu ihrer neuen Strategie. Was möchten Sie als Berater in diesem Zusammenhang erreichen?

Mich fasziniert, wie Geschichten uns dabei helfen zu verstehen wer wir als Institution sind und wie sie uns dabei helfen diese Werte und Überzeugungen der breiten Öffentlichkeit zu kommunizieren. Die FAU hat eine großartige Geschichte zu erzählen – die „Wissen in Bewegung“-Narrative, die ich bereits erwähnt habe. Ich hoffe, ich kann dabei helfen dieses Narrativ zu artikulieren, kritisch zu hinterfragen und zu schärfen – denn die Geschichte wird immer noch fortgeschrieben. Eine Strategie ist kein passives Stück Papier, das auf dem Schreibtisch von jemanden Staub ansetzt – sie sollte ein aktiver Rahmen sein, in dem die fortlaufende Geschichte über die Organisation hinweg und mit anderen auf der Welt geschrieben und erzählt, geteilt und neu erzählt wird. In ihrem Herzen muss die Strategie auf tiefe Werte aufgebaut sein, auf Überzeugungen, die den Weg vorzeichnen, auf dem sich die Geschichte entwickelt. Die Ideen von „Innovation“, „Leidenschaft“ und „Vielfalt“ – das sind nicht einfach nette Slogans, sie sind das Kernstück auf dem „so werden Sachen hier an der FAU gemacht“ basieren. Ich hoffe, ich kann dabei helfen diese Ideen weiter herauszuarbeiten und sicherzustellen, dass sie in künftige strategische Entscheidungen eingebettet werden. Zudem hoffe ich, dass ich als FAU-Ambassador auch zum Prozess des Storytellings in der Außenwelt beitragen kann.

Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Stärken der FAU in einem internationalen Kontext?

Ich benutze manchmal den Satz „Die beste Universität, von der Sie noch nie gehört haben“, wenn ich zu anderen über die FAU spreche. Es verhält sich ein bisschen wie mit einem alten Meisterwerk, das auf dem Dachboden von jemandem Staub angesetzt hat – erst wenn es ordentlich beleuchtet und gut präsentiert wird, erkennt man das Meisterwerk, welches es darstellt! Es wäre für jede Universität äußerst beeindruckend seit 275 Jahren zu bestehen, aber die Stärke der FAU ist nicht das simple Überleben – die Idee von „Wissen in Bewegung“ zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte, indem Wissen immer wieder neu verwoben und so einen Wert geschaffen wurde. Blickt man auf diesen langen Weg zurück, findet man zahlreiche Meilensteine, die dies aufzeigen – eine Armee an berühmten Namen, internationale Auszeichnungen, Ideen und Artefakte, die aus einer Wissensgemeinschaft mit großartigen Alumni hervorgegangen sind. Aber das ist ein kontinuierlicher Prozess – die FAU liefert weiterhin beeindruckende Erfolge. Auf meinem Forschungsgebiet beispielsweise bin ich sehr erfreut zu sehen, dass der Ruf der FAU als eine von Europas innovativsten Universitäten erkannt wird.

Ich persönlich finde es besonders interessant, dass die FAU all dies entlang einer breiten Wissensgrenze verwirklicht – sie ist eine Volluniversität, die fächer- und disziplinenübergreifend arbeitet und zunehmend die potentiellen Synergien zwischen Fächern und Disziplinen erkundet.

Sie begannen Ihre akademische Laufbahn als Chemieingenieur. Nun sind Sie ein renommierter Experte zu den Themen Innovation und Entrepreneurship. Wie kam es zu diesem Interessenwechsel?

In einem Wort – Frustration! Ich habe in der Industrie gearbeitet und zunehmend realisiert, dass der Prozess der Innovation nicht einfach ein Verkaufsautomat ist, in den du Geld, kluge Menschen und gute Ideen reinwirfst und dann großartige neue Produkte und Dienstleistungen herauskommen. Stattdessen gibt es da eine mysteriöse Alchemie, etwas, das passieren muss, damit diese Eingaben in Wertschöpfung umgewandelt werden, ob nun kommerzielle oder soziale Wertschöpfung. Ich hatte das große Glück die Möglichkeit zu haben die Forschung für meine Doktorarbeit machen zu können, während ich als teilnehmender Beobachter in einem Unternehmen arbeitete. Das hat mir dabei geholfen einen akademischen Blick einzunehmen, in einer systematischen und wissenschaftlichen Art und Weise zu verstehen wie Innovation passiert. Das Ergebnis gab mir einen Vorgeschmack auf die akademische Forschung, auf das Unterrichten und Teilen von Ideen mit anderen – aber es erinnerte mich auch an die Notwendigkeit dieses Wissen in einem „wirkliche Welt“-Kontext zu entwickeln. Ich glaube fest an diese Herangehensweise, daran, Wissen im Kontext seiner Anwendung zu entwickeln – und das beinhaltet diesen „Wissen in Bewegung“-Ansatz, den ich bereits erwähnt habe.

Ich habe viele schöne Erinnerungen daran, hierher zu kommen und allmählich mit so vielen faszinierenden und leidenschaftlichen Menschen meine Netzwerke aufzubauen.

Sie waren Berater für internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Weltbank und dem OECD. Welche Erfahrungen oder Erkenntnisse haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis war, dass das Innovationsproblem immer dasselbe ist – ob man nun ein kleines Start-Up oder ein gigantischer Konzern ist. Oder ob man ein Unternehmensmanager oder ein Wirtschaftsminister ist, der versucht durch die Anwendung neuer Ideen – Innovation – wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. Es geht immer darum, aus Ideen Wertschöpfung hervorzubringen – und dieser Prozess geschieht nicht durch Magie, es ist ein Prozess, der organisiert, verwaltet und geformt werden kann. Indem man also die Erfahrungen, die ich während meiner Doktorarbeit als frustrierter Ingenieur gemacht habe, nutzt und indem man sich der reichen akademischen Wissensbasis rund um dieses Thema bedient, wird es möglich über Innovation nachzudenken und Maßnahmen zu ergreifen – Taktiken und Strategien zu entwickeln – die unsere Chancen erhöhen können erfolgreich Werte zu entwickeln.

Warum sollten internationale Studierende oder Wissenschaftlerinnen beziehungsweise Wissenschaftler an die FAU kommen?

Aus den Gründen, die ich bereits vorher ausgeführt habe – sie ist eine großartige Universität! Die FAU kann insbesondere umfassende Forschungskompetenz und eine Erfolgsbilanz in einer Reihe von Schlüsselbereichen beanspruchen. Und so wie ich das gesehen habe, bietet sie einen Rahmen, welcher wissenschaftliche Karrieren fördert und unterstützt. Sie ist ein Ort, an dem ich leidenschaftliche Individuen treffe, für die ihre Forschung wichtig ist, die begeistert sind von ihrer Forschung und die hier an der FAU und mit anderen Gleichgesinnten an ihren Projekten arbeiten wollen.

Aber ich mag es auch, dass die FAU die großen Probleme der Gesellschaft nicht nur in engen disziplinären Begriffen, sondern als „große Herausforderungen“ formuliert, die ein interdisziplinäres Denken erfordern. Als Volluniversität kann man neue aufregende und überraschende Kombinationen von Menschen, die zusammen aus den verschiedensten Perspektiven an einer gemeinsamen Fragestellung arbeiten, ausprobieren. Und wieder „Wissen in Bewegung“!

Aus Sicht der Studenten sehe ich die FAU nicht nur als ein angesehenes Ziel, von dem aus ich einen Abschluss machen kann, sondern auch als eine zunehmend vielfältige Gemeinschaft, in der Wissen fließend und in Bewegung ist. Sie ist nicht einfach ein Ort, an dem man seinen persönlichen Wissensspeicher auflädt und dann wieder geht – sie ist ein Ort, an dem man Wissen entdecken und mit ihm arbeiten kann, herausgefordert und geformt wird, neue Wege findet, das Wissen zu nutzen und sich damit zu verbinden. Eines der starken Symbole dafür war für mich die erste Lange Nacht der Wissenschaft, zu der ich vor vielen Jahren gegangen bin. Ich war beeindruckt von der Art und Weise, wie eine ganze Stadt in eine „Wissensparty“ verwandelt wurde. Eine Feier, bei der die breite Öffentlichkeit in die Forschungsaktivitäten ihrer Universität eingebunden wird.

Was ist für Sie persönlich das Besondere an der FAU?

Ich habe viele schöne Erinnerungen daran, hierher zu kommen und allmählich mit so vielen faszinierenden und leidenschaftlichen Menschen meine Netzwerke aufzubauen. Ich mag es, wie eine breite Gemeinschaft hier an diesen Ort zusammenarbeitet, eine Partnerschaft zwischen verschiedenen Akteuren – großen Unternehmen wie Siemens oder Adidas und bedeutende Forschungseinrichtungen wie Fraunhofer – in der Mitgestaltung an erster Stelle steht. Es gibt ein echtes Gefühl einer Universität, die tief in das Wissen- und das wirtschaftliche Gefüge der Region eingebettet ist – das ist ausdrücklich keine „Elfenbeinturm“-Universität! Jeder hat in seinem Leben mal Glück – aber es braucht schon ein bisschen mehr, um über 275 Jahre so erfolgreich zu sein wie die FAU. Es erfordert ein echtes Bekenntnis zu Kernwerten rund um kontinuierliche Innovation.

Was waren Ihre ersten und nachfolgenden Eindrücke der Region um Erlangen und Nürnberg?

Es ist eine wunderschöne Region – der stetige Strom an Touristen ist nicht zufällig hier! Ich liebe das Gefühl von Geschichte – aber ich habe auch erkannt, dass sich hinter diesen alten Steinen eine pulsierende Region befindet, die durch Innovation vorangetrieben wird. Es ist kein Ort, der in der Vergangenheit lebt – stattdessen vermittelt es das Gefühl eines stillen Kraftpakets, eines vor Wissen strotzendem Innovationszentrums. Es gibt einige ziemlich bekannte Firmen, die hier arbeiten und das gesamte Spektrum an Produkten und Dienstleistungen abdecken und mir wurde schnell klar, dass es nicht nur die Landschaft war, die sie hierher zog!

Haben Sie einen Lieblingsplatz an der FAU und in Erlangen oder Nürnberg?

Da gibt es viele – die Altstadt in Nürnberg, der Christkindlesmarkt, das Schloss in Erlangen mit seinen wunderbaren Gärten. Aber ich denke mein Favorit ist das JOSEPHS in Nürnberg – nicht nur, weil es so viele von den Gründen verkörpert, wegen denen ich so gerne an die FAU komme. Es ist ein Wissensraum, ein Ort, der geschaffen wurde, um den Austausch und das kreative Aufeinanderstoßen von Ideen zu ermöglichen, um Menschen zur Mitgestaltung von Ideen anzuregen, zu informieren und einzubeziehen. Das JOSEPHS ist eine physische Erinnerung an die „Wissen in Bewegung“-Philosophie – und es ist eine Innovation in Bezug auf die Art und Weise, wie Universitäten sich mit ihrem Umfeld vernetzen können.

Es gibt ein echtes Gefühl einer Universität, die tief in das Wissen- und das wirtschaftliche Gefüge der Region eingebettet ist – das ist ausdrücklich keine „Elfenbeinturm“-Universität!

Gibt es, abgesehen von diesen Orten, ein Ereignis oder eine persönliche Begegnung, die Sie nachhaltig beeindruckt hat?

Zwei Ereignisse sind mir besonders in Erinnerung geblieben – das erste war, als ich mein „Eiscremestipendium“ bekommen habe! Ich war extrem stolz darauf, einer der ersten Stipendiaten der Schoeller-Stiftung zu sein, die Möglichkeit zu haben Frau Schöller persönlich zu treffen und Teil von etwas zu werden, das mittlerweile zu einer großen und vielfältigen Gemeinschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Praktikern geworden ist, die sich alle mit den Themen Unternehmensführung und Innovation beschäftigen. Es gab mir einen Einblick in die Art von Gemeinschaft, in der die FAU arbeitet, wo große Industrielle sich genügend um Wissen und die Zukunft kümmern, um eine Institution zu schaffen, die ihre kontinuierliche Förderung ermöglicht, eine Gemeinschaft auf einer breiten internationalen Bühne aufzubauen und den Wissensfluss zu ermöglichen. Ich habe immer noch einen Eisbecher mit dem Schoeller-Logo darauf, der mir dabei hilft mich an das oben genannte zu erinnern.

Und das andere Ereignis war der erste Geburtstag des JOSEPHs. Es war eine großartige Feier einer Idee, die sehr viel von dem symbolisiert, von dem ich im Zusammenhang mit Wissen in Bewegung und Mitgestaltung gesprochen habe. Ich fand das so inspirierend, dass meine reunde und ich einige Songs geschrieben haben, die wir bei der Feier gespielt haben – und wir habe alle dazu gebracht über die Tugenden von Mitgestaltung zu singen! Es war eine fabelhafte Party!

Möchten Sie noch etwas ergänzen?

Ich möchte nur sagen, dass ich sehr stolz darüber bin zum Ambassador ernannt worden sein und mit so einer beeindruckenden Universität in Verbindung gebracht werde. Innovation ist mein Leben – zu verstehen, wie man aus Ideen Werte schöpfen kann – und ich denke die FAU ist dieser Orte, die mir hierzu einiges beibringen kann.