Seiteninterne Suche

Alumni

Prof. Dr. Christine Silberhorn

Die Quantenphysikerin im Interview

Prof. Dr. Christine Silberhorn, Quantenphysikerin, Leibniz-Preisträgerin 2011

Prof. Dr. Christine Silberhorn, Quantenphysikerin, Leibniz-Preisträgerin 2011

Christine Silberhorn, geboren 1974, studierte Physik und Mathematik an der Universität Erlangen-Nürnberg, wo sie anschließend am Lehrstuhl für Optik promovierte.

Ihre Doktorarbeit wurde im Jahr 2003 als beste Dissertation der Universität in ihrem Fachgebiet mit dem Ohm-Preis prämiert. Im gleichen Jahr ging die junge Wissenschaftlerin an die Universität Oxford. Von 2003 bis 2004 wurde sie als Junior Research Fellow am Oxforder Wolfson College aufgenommen.

Ich freue mich, dass sich die FAU so intensiv für ihre Alumni interessiert.

Im Jahr 2005 kehrte Christine Silberhorn an die FAU zurück. Silberhorn habilitierte 2008 an der FAU und folgte 2010 einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Universität Paderborn.

2008 erhielt sie die wichtigste Auszeichnung für den wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland – den Heinz Maier-Leibnitz-Preis. Im April 2011 wurde sie mit dem bedeutendsten deutschen Forschungspreis, dem renommierte Leibniz-Preis, geehrt.

Wie fühlt es sich an, als eine der jüngsten Forscher überhaupt mit dem Leibniz-Preis ausgezeichnet zu werden?

(lacht) Das ist natürlich aufregend und man freut sich sehr. Mit dem Preis hatte ich nicht gerechnet. Ich wusste zwar, dass ich vorgeschlagen bin, dass ich ihn aber tatsächlich bekommen würde, war eine Überraschung für mich, eben weil man eine solche gewichtige Auszeichnung üblicherweise erst später in seiner Karriere erhält.

Was werden Sie mit dem Preisgeld von 2,5 Millionen Euro machen?

Konkret kann ich dazu noch keine Angaben machen. Aber wir bauen hier in Paderborn gerade einen neuen Lehrstuhl auf. Mit dem Preisgeld können wir den Lehrstuhl ganz anders ausstatten und neue Gerätschaften anschaffen, was sonst nicht möglich gewesen wäre.

Sie sind noch bis März 2011 Leiterin einer selbstständigen Max-Planck-Nachwuchsgruppe für Optik, Information und Photonik in Erlangen. Welche Bedeutung hat diese Arbeit für Ihre Auszeichnung mit dem Leibniz-Preis und für Ihre weiteren Forschungen?

Der Leibniz-Preis beruht ganz klar auf den Leistungen, die in der Erlanger Arbeitsgruppe erbracht worden sind. Der Preis ist eine Auszeichnung für diese Gruppe. Ich habe auch nach wie vor eine enge Verbindung zu Erlangen: Meine Doktoranden sind ja noch dort und ich selbst bin ein-, zweimal im Monat vor Ort. Ich komme immer gerne nach Erlangen und werde auf jeden Fall auch weiterhin eng mit dem Max-Planck-Institut kooperieren.

Können Sie uns als Laien erklären, womit Sie sich in Ihren Forschungsarbeiten befassen?

Ich versuch’s mal. Grob gesagt, mit Licht, mit speziellen Eigenschaften von Licht. Bis vor hundert Jahren erklärte man Licht als Welle, ähnlich wie eine Wasserwelle. Licht hat aber auch Quanten-, also Teilcheneigenschaften und man kann messen, wie viele Lichtteilchen, sog. Photonen, es enthält. Das ist das Forschungsfeld der Quantenoptik. In meiner Promotion habe ich mich damit befasst, die Wellennatur und die Quanteneigenschaften miteinander in Verbindung zu bringen. Das gleiche Objekt kann sich sowohl als Welle als auch als Teilchen verhalten, man nennt dieses Phänomen den „Welle-Teilchendualismus“.

Auf die Lichtteilchen kann man eine Informationskodierung aufbringen, Informationskodierung meint „ist da“ / „ist nicht“ da. Daraus entstehen ganz neue Eigenschaften, die sich grundlegend von denen klassischer Informationsträger unterscheiden. Sie können z.B. nicht kopiert werden. Das ist das Forschungsgebiet der „Quantenkommunikation“.

Sie engagieren sich nicht nur in der Forschung, sondern auch für die Lehre. 2008 haben Sie als Mitglied der AG Lehre der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina ein Positionspapier für die Zukunft der Lehre an deutschen Universitäten erarbeitet. Was muss anders werden? Und wie sehen Sie Ihre eigene Rolle in der Lehre?

Ich würde die Frage gerne umdrehen: Was soll bleiben? Momentan gibt es eine starke Tendenz, die Lehre von der Forschung abzukoppeln. Meiner Meinung nach macht das humboldtsche Bildungsideal mit der Einheit von Forschung und Lehre die wesentliche Stärke unseres Systems aus. Das sollten wir auf keinen Fall aufgeben. Deswegen haben Forscher auch die Verantwortung, sich in der Lehre zu engagieren.

Gute Lehre ist wichtig, das heißt neben didaktischer Kompetenz auch, viel persönlichen Kontakt herzustellen. Alle Maßnahmen, die dazu dienen, dass Studierende möglichst frühzeitig mit Professoren und Arbeitsgruppen in Kontakt kommen, sind wertvoll und bringen oft mehr als eine Vorlesung. Man sollte z.B. junge Studierende schon ab dem 3., 4. Semester in Arbeitsgruppen nehmen. Dort können sie studentische Hilfstätigkeiten übernehmen oder Praktika machen und kommen so frühzeitig und auf natürlichem Weg in Kontakt mit der Forschung. Motivation und persönliche Betreuung sind in jedem Fall sehr wichtig

Was sind aus Ihrer Sicht wichtige Bedingungen für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses?

Das Wichtigste ist, ihn ernst zu nehmen. Ein Erfolgsmodell sind Nachwuchsgruppen. Die Unterstützung durch Mentoren ist sehr förderlich. Schwierig ist aber, dass oft die echte Einbindung ans Institut fehlt.

Problematisch ist auch die Heterogenität und die Unsicherheit, mit der man als Nachwuchsforscher konfrontiert ist. Als junger Wissenschaftler weiß man nicht, ob und wie man Professor wird und einen Lehrstuhl bekommt. Das schafft sehr viel Druck. Daher sollten möglichst früh Tenure Tracks angeboten werden, um jungen Forschern mehr Sicherheit zu bieten.

Frauen entscheiden sich nach wie vor seltener für ein naturwissenschaftliches Studium als Männer, noch weniger machen später Karriere in der Wissenschaft. Spielt oder spielte die Genderthematik für Sie persönlich eine Rolle in Ihrer Studienzeit und jetzt in der Forschung?
Ja, die Genderthematik spielt für mich durchaus eine Rolle. Die späte soziale Absicherung, von der ich eben gesprochen habe, ist zwar auch für Männer belastend, aber für Frauen ist es im Hinblick auf eine eventuelle Familienplanung noch schwieriger. Da fragt man sich oft, tue ich das noch oder nicht.

Die Genderfrage hat aber auch in meinem Studium eine wichtige Rolle gespielt. Ich habe ja Lehramt Mathe und Physik studiert und war lange stark auf die Mathematik konzentriert. Viele Mädchen schreckt Physik ab. Auch ich bin zur Physik erst über das Lehramtsstudium und über die Promotion gekommen.

Was würden Sie Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern gerne mit auf den Weg geben?

Das, was man anfängt, sollte man gezielt und mit viel Engagement vorantreiben und überzeugt sein von dem, was man tut. Erfolg und Karriere fallen nicht vom Himmel und sind nicht ohne Einsatz, Anstrengung und Eifer zu haben. Alles andere ist eine Illusion.

Vielen Dank, dass Sie sich für unser Gespräch Zeit genommen haben.

Gerne. Ich freue mich, dass sich die FAU so intensiv für ihre Alumni interessiert. Wir haben uns hier in Paderborn natürlich alle über den Leibniz-Preis gefreut und ich habe von allen Seiten Glückwünsche erhalten. Aber die Glückwünsche von „meiner“ Erlanger Uni sind für mich etwas ganz Besonders, über das Gratulationsschreiben des Präsidenten und Ihre Anfrage für die Alumni-Galerie habe ich mich wirklich sehr gefreut.

Interview: Martina Weber (Januar 2011)