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Forschung

Kulturelle Werte, Religionen und Menschenrechte

Kulturelle Werte, Religionen und Menschenrechte

Das mit den Kernbegriffen „kulturelle Werte – Religionen – Menschenrechte“ umrissene Spannungsfeld bietet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für interdisziplinäre Forschung. Dabei geht es um kategoriale Klärungen, historische, kulturwissenschaftliche und phänomenologische Analysen, Fragen normativer Konsistenz und kulturspezifischer Differenzierung, die institutionelle Ausgestaltung normativer Verbindlichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen (global, regional, national, lokal), empirische Untersuchungen zur handlungsleitenden Relevanz normativer Orientierungen für Individuen, Gruppen und Staaten sowie zahlreiche weitere Themenstellungen. Viele der anstehenden Forschungen lassen sich sinnvoll am ehesten in Fächer übergreifender Kooperation leisten. In interkultureller Perspektive sind dabei insbesondere Fragen nach Austauschprozessen, diskursiven Verschiebungen und globalen Aushandlungsstrategien von Bedeutung die religiöse, kulturelle, soziale und politische Handlungsmuster prägen.

Wenn Kultur als umfassendes komplexes Konstruktions-, Erinnerungs- und Aneignungsgeschehen gesehen wird sowie als Handlungsfeld (Gewaltproblematik) im Rahmen eines globalen Kampfes um Bedeutungen und Werte, dann wären sowohl der Religions- als auch der Kulturbegriff sinnvoller Weise in den Plural zu setzen. Das soll im diesem Forschungsfeld im Bewusstsein der definitorischen Unschärfe der Termini, wie sie sich exemplarisch in den Auseinandersetzungen um „Multikulturalität“, „Interkulturalität“, „Transkulturalität“, „Interreligiosität“, „Melange“, „Synkretismus“, „Kreolisierung“ usw. widerspiegelt, untersucht werden.

Die dynamischen Aspekte von kulturellem Austausch und Wandel stehen damit im Vordergrund, Prozesse, die von der wachsenden Zirkulation von Menschen, Waren, Information, Ideen und kulturellen Wissensbeständen hervorgerufen werden. Wenngleich diese Konzepte im Hinblick auf die Frage erheblich divergieren, ob diese Prozesse zur Entstehung „neuer“ Kulturen oder Religionen, zu einer allgemeinen Hybridisierung oder zu einer globalen Homogenisierung führen, gehen sie doch von der Grundannahme aus, dass Kulturen (und somit auch Religionen) sich in einem permanenten Austausch- und Wandlungsvorgang befinden und nicht etwa geschlossene und in kristallinen Strukturen erstarrte Systeme darstellen.

Das durch die drei Begriffe markierte, auch normativ aufgeladene Gesamtfeld ist von Spannungen gekennzeichnet, die produktiv werden können, aber auch zu Missverständnissen führen oder gar zu Kulturkämpfen eskalieren können. So unterscheiden sich die Menschenrechte aufgrund ihres universalistischen, d.h. kulturelle und andere Grenzen durchstoßenden, Geltungsanspruchs systematisch von konventionellen kulturellen Werten, an die sie zugleich kritisch anknüpfen, um lebensweltliche Deckung zu erhalten. Daraus ergeben sich immer wieder neue Reibungen (besonders deutlich etwa im Gender-Bereich). Damit die Menschenrechte ihre Funktion, (zivil-)religiösen und weltanschaulichen Pluralismus politisch-rechtlich zu gestalten, überhaupt übernehmen können, muss außerdem eine klare kategoriale Differenz zu Religion(en) vorausgesetzt bzw. erarbeitet werden. Daraus resultiert die spezifische „Säkularität“ des Menschenrechtsdenkens, das über das Recht auf Religionsfreiheit gleichzeitig für die religiösen und weltanschaulichen Dimensionen menschlicher Existenz ausdrücklich offenbleibt. Klar ist dabei, dass das Verhältnis von Säkularität und Religiosität sich nicht in binäre Schematisierungen einspannen lässt, sondern vielfältige Konfigurationen ergibt, die einen Gegenstand eigener Untersuchungen bilden. Auch zwischen Religion und Kultur können Spannungen entstehen, etwa dann, wenn religiöse Ansprüche kulturelle Selbstverständlichkeiten und etablierte Wertüberzeugungen provokativ („prophetisch“) aufbrechen. Im Gegenzug gibt es Beispiele dafür, dass kulturelle Wertpraxis sich religiös-autoritativen Vorgaben entzieht oder bewusst dagegen revoltiert.

 

Herausragende Aktivitäten

Kontakt

Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt

  • Organisation: Institut für Politische Wissenschaft
  • Abteilung: Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik (Prof. Dr. Bielefeldt)
  • Telefonnummer: +49 9131 85-23273
  • E-Mail: heiner.bielefeldt@fau.de

Prof. Dr. Heike Paul

  • Organisation: Institut für Anglistik und Amerikanistik
  • Abteilung: Lehrstuhl für Amerikanistik, insbesondere nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft (Prof. Dr. Paul)
  • Telefonnummer: +49 9131 85-22437
  • E-Mail: heike.paul@fau.de

Prof. Dr. Andreas Nehring

  • Tätigkeit: Lehrstuhl für Religions- u. Missionswiss.
  • Organisation: Institut für Systematische Theologie
  • Abteilung: Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft
  • Telefonnummer: 09131/85-22413 od. 26588
  • E-Mail: andreas.nehring@fau.de