Kulturelle Werte, Religionen und Menschenrechte

Kulturelle Werte, Religionen und Menschenrechte

Das mit den Kernbegriffen „Kulturelle Werte – Religionen – Menschenrechte“ umrissene Spannungsfeld bietet zahlreiche Anknüpfungsmöglichkeiten für interdisziplinäre Forschung. Dabei geht es um kategoriale Klärungen, historische, kulturwissenschaftliche und phänomenologische Analysen, Fragen normativer Konsistenz und kulturspezifischer Differenzierung, die institutionelle Ausgestaltung normativer Verbindlichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen (global, regional, national, lokal), empirische Untersuchungen zur handlungsleitenden Relevanz normativer Orientierungen für Individuen, Gruppen und Staaten sowie zahlreiche weitere Themenstellungen. In interkultureller Perspektive sind dabei insbesondere Fragen nach Austauschprozessen, diskursiven Verschiebungen und globalen Aushandlungsstrategien von Bedeutung die religiöse, kulturelle, soziale und politische Handlungsmuster prägen.

Das durch die drei Begriffe markierte, auch normativ aufgeladene Gesamtfeld ist von Spannungen gekennzeichnet, die produktiv werden können, aber auch zu Missverständnissen führen oder gar zu Kulturkämpfen eskalieren können. So unterscheiden sich die Menschenrechte aufgrund ihres universalistischen, das heißt, kulturelle und andere Grenzen durchstoßenden, Geltungsanspruchs systematisch von konventionellen kulturellen Werten, an die sie zugleich kritisch anknüpfen, um lebensweltliche Deckung zu erhalten. Damit die Menschenrechte ihre Funktion, (zivil-)religiösen und weltanschaulichen Pluralismus politisch-rechtlich zu gestalten, überhaupt übernehmen können, muss außerdem eine klare kategoriale Differenz zu Religion(en) vorausgesetzt bzw. erarbeitet werden. Daraus resultiert die spezifische „Säkularität“ des Menschenrechtsdenkens, das über das Recht auf Religionsfreiheit gleichzeitig für die religiösen und weltanschaulichen Dimensionen menschlicher Existenz ausdrücklich offenbleibt.

Klar ist dabei, dass das Verhältnis von Säkularität und Religiosität sich nicht in binäre Schematisierungen einspannen lässt, sondern vielfältige Konfigurationen ergibt, die einen Gegenstand eigener Untersuchungen bilden. Auch zwischen Religion und Kultur können Spannungen entstehen, etwa dann, wenn religiöse Ansprüche kulturelle Selbstverständlichkeiten und etablierte Wertüberzeugungen provokativ („prophetisch“) aufbrechen. Im Gegenzug gibt es Beispiele dafür, dass kulturelle Wertpraxis sich religiös-autoritativen Vorgaben entzieht oder bewusst dagegen revoltiert.

Herausragende Aktivitäten

Kontakt

Prof. Dr. Dr. h.c. Heiner Bielefeldt

  • Organisation: Institut für Politische Wissenschaft
  • Abteilung: Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik (Prof. Dr. Bielefeldt)
  • Telefonnummer: +49 9131 85-23273
  • E-Mail: heiner.bielefeldt@fau.de

Prof. Dr. Heike Paul

  • Organisation: Institut für Anglistik und Amerikanistik
  • Abteilung: Lehrstuhl für Amerikanistik, insbesondere nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft (Prof. Dr. Paul)
  • Telefonnummer: +49 9131 85-22437
  • E-Mail: heike.paul@fau.de

Prof. Dr. Andreas Nehring

  • Tätigkeit: Lehrstuhl für Religions- u. Missionswiss.
  • Organisation: Institut für Systematische Theologie
  • Abteilung: Lehrstuhl für Religions- und Missionswissenschaft
  • Telefonnummer: 09131/85-22413 od. 26588
  • E-Mail: andreas.nehring@fau.de