Vortrag: Von Machtmissbrauch an Universitätskliniken und funktionalem Scheitern von Gleichstellungsarbeit

Datum: 24. Juni 2026Zeit: 18:15 – 19:45Ort: Großer Hörsaal (Alte Mathematik), Bismarckstraße 1a in Erlangen und via Zoom

Insbesondere Ärztinnen, aber auch Ärzte, hinterfragen und beenden ihre Karrieren in Kliniken und beklagen mangelnde Leistungsgerechtigkeit, ein unangenehmes Arbeitsumfeld und dysfunktionale Hierarchien. Mittlerweile sind zwei Drittel der Medizinstudierenden und fast die Hälfte der aktiven Ärzt*innenschaft in Deutschland weiblich; gleichzeitig scheiden Ärztinnen häufiger als Ärzte frühzeitig aus dem Beruf aus und sind überdurchschnittlich oft arbeitslos oder -unfähig sowie – in manchen Fachgebieten – häufiger von emotionaler Erschöpfung, Depressionen und Burnout betroffen. Man sollte daher annehmen, dass Entscheidungen gegen eine Karriere in der Klinik die Universitätskliniken zunehmend vor Probleme stellen insbesondere angesichts des steigenden Bedarfs an ärztlichen Leistungen in einer alternden Gesellschaft. Trotzdem werden Mechanismen, die zu einer ungleichen Macht- und Chancenverteilung führen, nicht grundlegend verändert. Gleichstellungsmaßnahmen haben häufig einen individuellen statt strukturellen Fokus und sind zudem organisational so verortet, dass sie kaum Einfluss auf zentrale Prozesse haben.

Alexandra Pfisterer wird anhand von Auszügen aus 39 Interviews mit Ärzt*innen aller Hierarchiestufen deutscher Universitätskliniken Beispiele für Patronage und Machtmissbrauch im klinischen Alltag aufzeigen und erläutern, wie intransparente und informelle Strukturen der Macht- und Ressourcenverteilung Arbeitsmotivation und Karrierepläne beeinflussen. Zudem geht sie auch darauf ein, wie wirkungslos sich Gleichstellungsmaßnahmen und Gleichstellungsbeauftragte in den geschilderten Fällen erwiesen haben.

Der Vortrag bietet Erklärungsansätze für das funktionale Scheitern von Gleichstellungsarbeit in Organisationen und diskutiert kritisch Gleichstellungsmaßnahmen. Weiter werden die Konsequenzen der organisationalen Verortung von Gleichstellungsarbeit für Betroffene von Machtmissbrauch und Diskriminierung vor dem Hintergrund von möglichen Interessenskonflikten der Gleichstellungsakteur*innen dargelegt.

Die Vorträge:

  • 29.04. Machtmissbrauch in der Kunst.
    Prof. Dr. Aida Bosch (mit einem Grußwort von Prof. Dr. Kay Kirchmann, Dekan der Philosophischen Fakultät um 18:00 Uhr)

 

    • 06.05. Ausbeutung, Widerstand und Emanzipation. Typische Muster des Gewerkschaftsaktivismus von Migrantinnen
      Dr. Judith Holland und Dr. Andreas Fischer

 

    • 13.05. Gute oder böse Organisation? Macht und Machtmissbrauch aus organisationspädagogischer Sicht
      Prof. Dr. Nicolas Engel und Dr. Jenny Kipper

 

    • 27.05. Machtmissbrauch und #Metoo im Film: Wie Hollywood von sich selbst erzählt
      Prof. Dr. Heike Paul

 

    • 03.06. Wie herrschen Imperien? Strukturen, Institutionen und Akteure imperialen Machtstrebens
      Prof. Dr. Eva Marlene Hausteiner

 

    • 10.06. „Aber ich habe doch gar nichts gemacht?!“ – Strukturelle Beherrschung in Akademia
      Prof. Dr. Christine Bratu

 

    • 24.06. „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass“ – von Machtmissbrauch an Universitätskliniken und funktionalem Scheitern von Gleichstellungsarbeit
      Alexandra Pfisterer M.A.

 

    • 01.07. Vermachtete Öffentlichkeiten – Zum Machtmissbrauch durch undemokratische Verfahren und Unterdrückung im Spannungsfeld zwischen deliberativen Ansprüchen und der politischen Praxis.
      Prof. Dr. Christian Schicha

 

    • 08.07. Sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch am Arbeitsplatz – Folgen und Interventionsmaßnahmen
      Prof. Dr. Monika Schröttle

 

Alle Infos: https://www.phil.fau.de/fakultaet/organisation-organe/frauenbeauftragte/ringvorlesung-machtmissbrauch/

 

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Details

Datum:
24. Juni 2026
Zeit:
18:15 – 19:45
Ort:

Großer Hörsaal (Alte Mathematik), Bismarckstraße 1a in Erlangen und via Zoom

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