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Geplantes Vergessen

Finger drückt Löschen-Taste
Symbolbild, Bild: Colourbox

FAU-Forschungsteam entwickelt lernfähigen Assistenten für das Löschen überflüssiger Daten

In Verwaltungen von Unternehmen türmen sich Dateien über Dateien. Es ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mitunter schwierig, in der Flut von Tabellen, Präsentationen und Texten den Überblick zu behalten. Außerdem benötigt jede einzelne Datei Energie und Speicherplatz auf einer Festplatte – und verursacht so Kosten für das Unternehmen und belastet die Umwelt. Was aber soll gelöscht werden? Wo fängt man am besten an?

Psychologinnen der FAU arbeiten derzeit mit Informatikerinnen und Informatikern der Universität Bamberg an einer automatisierten Lösung: Sie entwickeln in dem interdisziplinären Projekt „Dare2Del“ mittels maschinellem Lernen ein in Kooperation mit den Nutzerinnen und Nutzern lernendes System, das hilft, irrelevante Daten zu löschen. Denn Menschen löschen während der Arbeit selten Dateien, nur, wenn sie unmittelbar den Arbeitsablauf behindern – das haben die Psychologinnen Prof. Dr. Cornelia Niessen und Kyra Göbel, Lehrstuhl für Psychologie im Arbeitsleben der FAU, herausgefunden. Das neue System soll die Bereitschaft erhöhen, Dateien zu löschen, das Gedächtnis zu entlasten und sich besser konzentrieren zu können.

In der ersten Projektphase von 2016 bis 2019 programmierten Prof. Dr. Ute Schmid und Michael Siebers, Universität Bamberg, ein lernfähiges Modell, das zwar sehr komplexe Algorithmen verarbeiten kann, für die Nutzerin oder den Nutzer aber trotzdem leicht zu bedienen ist. Das neue System löscht Dateien nicht wahllos und schon gar nicht automatisch. Die künstliche Intelligenz beachtet Unternehmensvorschriften, rechtliche Vorgaben und passt sich den Wünschen der Nutzerinnen und Nutzer an. Sie können beispielsweise Regeln festlegen: Immer die letzte und vorletzte Version einer Datei sollen behalten werden. Eine besondere Herausforderung für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist dabei, herauszufinden, wann eine Nutzerin oder ein Nutzer welche Inhalte bearbeiten möchte. Wer gerade mitten in der Arbeit an einem Projekt stecke, möchte nicht gefragt werden, ob er oder sie eine Datei aus einem völlig anderen Kontext noch braucht.

„Aus der Perspektive der Psychologie ist die Nachvollziehbarkeit von Systementscheidungen eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Nutzerinnen und Nutzer dem System vertrauen können“

In der zweiten Phase geht es in den kommenden drei Jahren darum, die Vorschläge des Systems nachvollziehbar und transparent für Anwenderinnen und Anwender zu machen. So soll das Programm beispielsweise bestimmte Benennungen der Dateien hervorheben und durch einen Text erklären, warum die Datei zur Löschung vorgeschlagen wird. „Aus der Perspektive der Psychologie ist die Nachvollziehbarkeit von Systementscheidungen eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Nutzerinnen und Nutzer dem System vertrauen können, später nicht mehr über ihre Entscheidung grübeln, sondern die Datei dann auch getrost vergessen können“, sagt Prof. Niessen. Darüber hinaus wird in dem Projekt untersucht, welche Personen durch ein System wie „Dare2Del“ besonders unterstützt werden und damit die Informationsflut besser beherrschen können.

Das Projekt „Dare2Del“ läuft über sechs Jahre und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 890.000 Euro gefördert. Es ist Teil des DFG Schwerpunktprogramms „Intentional Forgetting in Organisationen“.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Cornelia Niessen
Tel.: 09131/85-64001
cornelia.niessen@fau.de

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