Die Menschenrechte in einer kritischen Zeit stärken und in der Forschung neue Wege gehen: Der neue Exzellenzcluster an der FAU zeigt, dass Menschenrechte sowie inter- und transdisziplinäre Menschenrechtsforschung nicht obsolet sind.
Unser Ziel ist es, das Potenzial und die Grenzen der Menschenrechte neu zu beleuchten“, betont Katrin Kinzelbach, Professorin für Menschenrechtspolitik. Gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Krajewski, Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Völkerrecht, bildet sie das Sprecherteam des neuen FAU-Exzellenzclusters „Transforming Human Rights“, angesiedelt am interdisziplinären FAU Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg (FAU CHREN). „Rund 30 Millionen Euro Fördermittel für das Exzellenzcluster in den nächsten sieben Jahren, dazu sieben Millionen Euro für strategische Investitionen, die fächerübergreifend für die Förderung von Forschenden in frühen Karrierestufen und zur Internationalisierung eingesetzt werden sollen: Das ist ein großer Erfolg für die Menschenrechtsforschung an der FAU“, sagt Markus Krajewski. Aber insbesondere ein Teamerfolg. Denn die antragstellenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden bei dem langwierigen und aufreibenden Prozess von der Universitätsverwaltung und der Universitätsleitung engagiert unterstützt. Und trotzdem war der Erfolg nicht vorprogrammiert.
Schnee von gestern?

Eine Frage des Gutachterausschusses, dem sich Krajewski zusammen mit seinen FAU-Kolleginnen und -Kollegen Ende letzten Jahres stellen musste, ist dem Rechtswissenschaftler besonders in Erinnerung geblieben: Ist es nicht passé, derart intensiv zum Thema Menschenrechte forschen und arbeiten zu wollen? In einer Zeit, in der diese nicht nur tagtäglich verletzt, sondern
immer offener auch prinzipiell infrage gestellt werden? Seine Antwort: Die Krise der Menschenrechte sei ernst. Dennoch gebe es nach wie vor gute Gründe für menschenrechtliches Selbstvertrauen, und eine Auseinandersetzung mit ihnen sei alles andere als Schnee von gestern. Nicht zuletzt, weil es immer noch genügend Akteurinnen und Akteure auf der ganzen Welt gebe, die an den Menschenrechten festhalten und sie auch heute noch einfordern, verteidigen und weiterentwickeln, allem Abgesang zum Trotz. In der Menschenrechtsforschung gebe es gerade jetzt noch viel zu verstehen und auch zu hinterfragen. „Am Ende haben die international ausgerichteten Ambitionen unseres Clustervorhabens überzeugt“, betont Krajewski.
Megatrends und Interdisziplinarität

Dabei stehen fünf Megatrends im Fokus: Autokratisierung, die Fragmentierung der wirtschaftlichen Globalisierung, internationale Migration, planetare Umweltkrisen und Digitalisierung. „Wir wollen ergründen, wie diese Megatrends menschenrechtliche Normen, Institutionen und Praktiken verändern und wie die Menschenrechte ihrerseits die Megatrends verändern können und sollten“, erklärt Kinzelbach. Methodisch steht dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Fokus. Georg Glasze etwa ist nicht Geograf geworden, weil er zu Menschenrechtsthemen forschen wollte. Und doch tut er als Teil des Clusters genau das. Gemeinsam mit der Anthropologie, Informatik, Rechts- und Politikwissenschaft bringt er seine Sichtweise ein, wie menschenrechtliches Denken ins digitale Zeitalter übersetzt werden kann und dabei Leitlinien für die Gestaltung einer zunehmend technisierten Welt aufzeigt. Doch nicht nur die Technisierung stellt Menschenrechte vor neue Fragen. Auch Klimaänderung, Artensterben und Umweltverschmutzung rücken die Rechte zukünftiger Generationen ins Blickfeld. Zugleich wird deutlich, wie eng Mensch und Natur verflochten sind. „Die Geografie macht diese Zusammenhänge sichtbar und fragt, welche Natur wir künftig schützen wollen und wie Menschenrechte helfen können, diese Herausforderungen zu bewältigen“, sagt der Professor für Kulturgeografie. Seine Überlegung: „Menschenrechte sind einer der wenigen normativen Anker, die wir haben. Deshalb müssen wir gemeinsam darüber nachdenken, wie sie weiterentwickelt werden können, damit sie auch in Zukunft Orientierung bieten können.“
Erkenntnisse aus Praxis übernehmen

Auch Almut Schilling-Vacaflor arbeitet im Cluster mit. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, die Methodenvielfalt zu fördern und zu stärken. Die Transdisziplinarität ist der Professorin für International Business, Society and Sustainability dabei ein besonderes Anliegen – also die gemeinsame Wissensproduktion nicht nur über verschiedene akademische Disziplinen hinweg, sondern auch im engen Austausch und Dialog mit der Praxis. Denn auch dafür steht der Exzellenzcluster „Transforming Human Rights“: Um Wissen aus der Praxis aufgreifen zu können, werden auch Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten sowie Organisationen und Unternehmen in die Forschungsarbeit eingebunden. „Uns interessieren auch deren Perspektive und Lösungen, wenn es darum geht, Menschenrechte stärker zu machen“, unterstreicht Almut Schilling-Vacaflor. Für Katrin Kinzelbach, Almut Schilling-Vacaflor, Markus Krajewski, Georg Glasze und die anderen 23 Professorinnen und Professoren aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen ist die Mitarbeit am Cluster ein Herzensprojekt. Sie alle eint der Anspruch, über Lehrstuhlgrenzen hinweg und international vernetzt etwas zu bewegen – in einem Forschungsbereich, der nicht passé ist.
Ein Nachruf: Michael Krennerich, Wegbereiter der FAU Menschenrechtsforschung

Die Menschenrechte waren das Lebensthema von Michael Krennerich. Der am 28. Dezember 2024 nach langer und schwerer Krankheit verstorbene Hochschullehrer und Wissenschaftler hat die Entwicklung des Lehrstuhls für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik an der FAU von Anfang an entscheidend mitgeprägt. Dies gilt sowohl für die Rolle des Lehrstuhls innerhalb des Instituts als auch für die weitgespannten Kooperationsstrukturen über die Fakultätsgrenzen hinaus. So war Krennerich eine treibende Kraft bei der Etablierung des Center for Human Rights Erlangen-Nürnberg (FAU CHREN). Auch den Weg des FAU-Projekts „Transforming Human Rights“ hin zum Exzellenzcluster hat er maßgeblich mit vorangetrieben.
Michael Kniess

Dieser Artikel ist Teil des FAU Magazins
Die dritte Ausgabe des FAU Magazins #Menschen steht auch wieder ganz im Zeichen der Menschen, die unsere FAU zu einer der besten Universitäten der Welt machen. Wie lebendig und vielfältig unsere Forschung, das Engagement der Studierenden und die Arbeit in den wissenschaftsstützenden Bereichen sind, zeigen die Beispiele dieser Ausgabe.
Ein Highlight ist sicherlich der neue Forschungscluster „Transforming Human Rights“. Oder folgen Sie unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Labore und Werkstätten, wo sie Kartoffeln klimaresistent machen, Robotern soziales Verhalten beibringen oder antike Schiffe und Geschütze nachbauen. Studierende entwickeln an der FAU senkrecht startende Flugzeuge oder überzeugen mit überragenden Leistungen bei den Paralympics. Und nicht zu vergessen die Menschen, die an unserer Uni arbeiten oder als Ehemalige der FAU stark verbunden sind. Besuchen Sie mit ihnen die KinderUni oder schauen Sie sich mit einer FAU-Alumna und Grimme-Preis-Trägerin eine Fernsehserie an.
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