Wenn das Wasser zu plötzlich kommt

Das Hochwasser im Ahrtal 2021. (Foto: adobe Stock/Christian)

FAU-Forschende beteiligen sich an Projekt zum Schutz vor Überschwemmungen

Schlammiges Wasser kann große Schäden anrichten – vor allem wenn es ganz plötzlich Landstriche überschwemmt. Um solchen Katastrophen entgegenzuwirken, hat ein Konsortium unter Teilnahme der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein Forschungsprojekt gestartet, das die konstruktive Zusammenarbeit zwischen betroffenen Kommunen stärken soll – von der Prävention bis hin zur Schadensbegrenzung im Tourismus. Gefördert wird das Projekt mit 3,6 Millionen Euro aus dem Interreg-Nordwesteuropa-Programm der Europäischen Union.

„Solche sedimentbelastete Hochwasserereignisse treten vor allem im Lössgürtel Nordwesteuropas immer häufiger auf, weil die Böden durch ackerbauliche Nutzung erosionsgefährdet sind“, erklärt PD Dr. Klaus Geiselhart vom Institut für Geographie der FAU, der im Projekt vor allem konzipieren soll, wie Kommunen besser zusammenarbeiten können.

Im Förderzeitraum von dreieinhalb Jahren arbeiten die Forscherinnen und Forscher von 18 Partnerinstitutionen in Deutschland, Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg an Methoden, um plötzliche Überschwemmungen mit schlammigem Wasser vorherzusagen, sie zu verhindern beziehungsweise ihre Folgen zu verringern. Dazu sind Untersuchungen in sieben Regionen angesetzt, in Deutschland im Umland von Trier.

Besonders Böden mit hohen Anteilen feiner Partikel wie Lössböden sind sehr erosionsanfällig. Bei Starkregen wird Bodenmaterial gerade an Hängen leicht weggeschwemmt und lagert sich im Tal wieder an – mit zum Teil katastrophalen Folgen.

Strukturierte Zusammenarbeit zwischen vielfältigen Akteuren

„Schutz vor Hochwasserereignissen kann nur dann wirkungsvoll umgesetzt werden, wenn sich die Kommunen gut abstimmen“, erklärt Geiselhart. „Eine Herausforderung bei gesellschaftlichen Transformationsprozessen ist es, zielführende Formate der Zusammenarbeit zwischen den vielfältigen Akteuren aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zu gestalten. Hier wollen wir ansetzen.“

Mit ihrer Expertise in Umwelt- und Sozialwissenschaften sowie der Transformationsforschung unterstützt die FAU im Projekt die Entwicklung innovativer digitaler Werkzeuge und partizipativer Ansätze zur lokalen Hochwasservorsorge. Der Fokus liegt darauf, in den Modellregionen eine strukturierte Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Kommunen aufzusetzen, damit Behörden ressortübergreifend und interkommunal zusammenarbeiten können, um Hochwasserschutz regional, ganzheitlich und ohne Silodenken zu lösen. Zentral für den Prozess ist die Partizipation unterschiedlichster Stakeholder sowie betroffener Bürgerinnen und Bürger. Begleitet durch Politikempfehlungen und Schulungen, sollen durch das Projekt die langfristige Umsetzung bewährter Praktiken und die Resilienz in betroffenen Regionen gestärkt werden.

Minister Aiwanger: Fränkische Lösungen sind international anwendbar

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger freut sich über die Förderzusage: „Wenn Hochschulen, Kommunen und internationale Partner an einem Strang ziehen, profitieren alle. Interreg zeigt, wie europäische Zusammenarbeit ganz konkret funktioniert, mit Know-how, das wir in Bayern nutzen, und Fördermitteln, die bei uns ankommen. Die Förderzusage belegt, dass unsere anwendungsorientierte Forschungslandschaft international spitze ist. Die Lösungen, die in Franken erarbeitet werden, sind nicht nur vor Ort wichtig, sondern international anwendbar.“

Das Projekt „MUDCAP (MUDdy flood mitigation through transnational action-oriented CAPacity building“ wird mit einem Gesamtbudget von rund 6 Millionen Euro gefördert, davon etwa 3,6 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Europäische Union stellt im Förderzeitraum 2021–2027 insgesamt rund 8,9 Milliarden Euro für die Europäische territoriale Zusammenarbeit bereit, wovon etwa 310 Millionen Euro für das Interreg Nordwesteuropaprogramm vorgesehen sind.

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