Die FAU zählt mit über 270 Studiengängen zu den 15 größten und forschungsstärksten Universitäten Deutschlands. Über 6.000 Mitarbeitende und mehr als 39.000 Studierende prägen eine Kultur der Innovation, Vielfalt und Leidenschaft.
Lernen Sie hier unsere neu berufenen Professorinnen und Professoren kennen, die mit frischen Ideen und kreativen Ansätzen die Forschung vorantreiben. Entdecken Sie die Menschen hinter den Forschungsprojekten und erfahren Sie mehr über ihre individuellen Werdegänge, Visionen und Motivationen für die akademische Zukunft.
Prof. Dr. Mila Oiva – Professur für Digital Humanities mit Schwerpunkt Images and Objects
Als Kind wollte sie Pippi Langstrumpf werden – Prof. Dr. Mila Oiva stellt sich vor.
Was ist Ihr Forschungsschwerpunkt?
Meine aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Darstellung verschiedener Weltanschauungen in digitalisierten historischen Wochenschauen – Kurznachrichtenfilme, die im zwanzigsten Jahrhundert im Kino gezeigt wurden. Ich habe zum Beispiel sich verändernde visuelle Diskurse in sowjetischen Wochenschauen analysiert. Ich interessiere mich auch dafür, die Zirkulation audiovisuellen Wissens und kulturellen Einflusses über Zeit und Raum durch audiovisuelle Materialien zu untersuchen und rechnerische Methoden zur Untersuchung dieser Methoden in großem Maßstab zu entwickeln.
Warum genau dieses Thema/diese Themen?
Das exponentielle Wachstum digitaler audiovisueller Medien – von digitalisierten historischen Film- und Fernsehprogrammen bis hin zu digitalen Plattformen wie YouTube, TikTok und KI-generierten Inhalten – stellt eine erhebliche Herausforderung für das kulturelle Verständnis dar. Obwohl die audiovisuelle Kultur mehr als ein Jahrhundert umfasst, ist unsere Fähigkeit, ihre Strukturen, Informationsflüsse und historischen Muster systematisch zu analysieren, weiterhin unterentwickelt. Diese Lücke resultiert aus dem Mangel an robusten Methoden, die qualitative und computergestützte Ansätze effektiv integrieren, insbesondere für die Analyse groß angelegter audiovisueller Erbedaten. Um zu verstehen, woher unser visuelles Verständnis der Welt stammt und wie sie geformt ist, müssen wir in der Lage sein, die Entstehung und Zirkulation audiovisueller Informationen in großem Maßstab, über nationale Grenzen und über die Zeit hinweg zu untersuchen.
Ihre letzte Station vor der FAU?
Bevor ich zu FAU kam, arbeitete ich am Department of Cultural History der Universität Turku, Finnland, am DIGHT-net-Projekt, das sich auf digitales Kulturerbe konzentriert. Davor arbeitete ich im Cultural Data Analytics Lab (CUDAN) an der Universität Tallinn in Estland.
Wo haben Sie studiert und welche Fächer?
Ich habe Kulturgeschichte mit Schwerpunkt russische und polnische Geschichte an der Universität Turku und am Aleksanteri-Institut der Universität Helsinki studiert. Während meiner Promotion verbrachte ich ein Jahr als Fulbright-Stipendiatin an der University of California, Berkeley, und mehrere Monate im Culture Analytics-Programm am Institute for Pure and Applied Mathematics (IPAM) der University of California, Los Angeles.
Welche Veranstaltungen/Aktivitäten möchten Sie in und um Erlangen gerne besuchen?
Ich freue mich darauf, Erlangen und seine Umgebung besser kennenzulernen! Es gibt so viele interessante Museen, historische und architektonische Stätten, Gärten, Naturschutzgebiete und kulturelle Veranstaltungen in der Gegend. Ich bin überzeugt, dass es viel zu entdecken und zu genießen gibt.
Ihr nützlichstes Professor/-innen-Utensil?
Ich glaube, mein nützlichstes Professorinnen-Utensil ist die Kaffeetasse, die mir meine Schwester geschenkt hat. Nicht nur liebe ich Kaffee und werde davon angetrieben, die Kaffeetasse symbolisiert für mich vor allem den Wert geteilter Momente bei Kaffee oder Tee. Was wie eine alltägliche und gemütliche Gewohnheit erscheinen mag – während einer Pause mit Kollegen und Kolleginnen zu plaudern – führt überraschend oft zu wichtigen Erkenntnissen und fruchtbaren Kooperationen.
Welchen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Mein allererster Berufstraum war es, Pippi Langstrumpf zu werden, da mich die unverwechselbare Art und Weise beeindruckte, wie sie die Welt sah. Später wies jemand darauf hin, dass man tatsächlich keine fiktive Figur werden kann, und ich musste meine Pläne überarbeiten. Anschließend träumte ich davon, Journalistin, Fotografin oder Detektivin zu werden. Rückblickend erkenne ich, dass ich als Wissenschaftlerin nun in der Lage bin, Elemente dieser Träume in meiner aktuellen Arbeit zu integrieren.
Haben Sie ein Vorbild? Wenn ja, hat das Ihre akademische/berufliche Laufbahn beeinflusst?
Ich respektiere und bewundere viele Menschen zutiefst und hatte das Glück, von hervorragenden Betreuenden, Lehrerenden und Kollegen und Kolleginnen umgeben zu sein. Ich kann keine einzelne Person nennen; vielmehr habe ich von allen gelernt, wie wichtig es ist, unsere vorbestehenden Annahmen zu hinterfragen und danach zu streben, andere Perspektiven zu verstehen.
Haben Sie ein geheimes Talent?
Mein geheimes Talent ist meine Fähigkeit, sehr bunte, gemusterte Wollsocken zu stricken – zur Freude (oder zum Entsetzen) meiner Familie und meinen Freunden.
Was wollten Sie schon immer mal tun?
Ich bin ein unendlich neugieriger Mensch und wollte schon immer mehr über die Welt lernen, denn sie überrascht mich immer wieder!
