Vor einem Jahr wurde die Erlanger Initiative 3R gegründet
Am 29. April feiert sie ihren ersten Geburtstag: die Erlanger Initiative 3R, abgekürzt ERI3R. Hinter dem Kürzel steht eine Arbeitsgemeinschaft aus Forschenden, die sich für eine fakultätsübergreifende, systematische Umsetzung des 3R-Prinzips an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und dem Uniklinikum Erlangen einsetzt. Die 3R stehen in der tierexperimentellen Forschung für „replace“ (ersetzen), „reduce“ (verringern) und „refine“ (verbessern) – Konzepte also, die Tierversuche auf einem vertretbaren Minimum halten und das Tierwohl verbessern. Die Sprecher der Arbeitsgruppe PD Dr. Elisabeth Zinser und Prof. Dr. Benjamin Frey ziehen ihre erste Bilanz nach einem Jahr ERI3R.
Bereits in den 1950er-Jahren wurde das 3R-Prinzip durch die beiden britischen Wissenschaftler William Russel und Rex Burch entwickelt.
Heute ist das 3R-Prinzip fester Bestandteil in der tierexperimentellen Forschung: Um in ihrer Forschungsarbeit ein Tiermodell nutzen zu können, müssen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Antrag stellen, der bereits darlegt, wie die 3R berücksichtigt werden, und der die Zahl der Versuchstiere sowie deren Belastung exakt nennt. Derzeit fehlt es jedoch vielerorts an einem umfassenden Überblick über bereits verfügbare 3R-konforme Versuchsmethoden.
Übergreifende Strategie für FAU und Uniklinikum
„Das 3R-Feld ist stark interdisziplinär. 3R-Verfahren entstehen oft dezentral in ganz unterschiedlichen Bereichen, etwa in der Zellbiologie, Materialwissenschaft oder Informatik. Teilweise entstehen Maßnahmen situativ, ohne dass den Beteiligten bewusst ist, dass sie auch für andere eine übertragbare Lösung darstellen könnten. Ohne gezielten Austausch bleiben diese Ansätze häufig isoliert“, erläutert Dr. Elisabeth Zinser, Privatdozentin an der Medizinischen Fakultät der FAU und Sprecherin vonERI3R.
Genau deshalb haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der FAU und des Uniklinikums Erlangen zusammengetan und ERI3R gegründet. Die Initiative sieht sich als Plattform, die vorhandene Expertise bündelt, um eine übergreifende Strategie zu entwickeln, auf die sich die Erlanger Forschenden in Zukunft beziehen können. Dies erfolgt beispielsweise über Informationsangebote – etwa zu Alternativmethoden oder zur Erstellung von Versuchsanträgen – sowie über Schulungs- und Beratungsangebote.
ERI3R lädt im Juli zu Austausch unter Forschenden ein
Darüber hinaus lebt der Erfolg von ERI3R von guter Vernetzung. Mögliche Hürden des Austauschs unter Forschungsgruppen und Partnern sollen überwunden werden. Für Juli ist aus diesem Grund beispielsweise ein Symposium geplant: „Die Veranstaltung am 6. Juli ist für unsere noch junge Initiative ein wichtiger Meilenstein“, erklärt der stellvertretende Sprecher Prof. Dr. Benjamin Frey, der die stellvertretende Leitung der Translationale Strahlenbiologie am Uniklinikum Erlangen innehat. „Eingeladen sind nicht nur ERI3R-Mitglieder, sondern Forschende aus allen Bereichen, die sich mit tierexperimenteller Forschung befassen und Interesse daran haben, die Entwicklung am Standort Erlangen mitzubestimmen.“
Dies entspricht dem Gründungsgedanken von ERI3R. „Eine Besonderheit der Initiative ist, dass ERI3R von Forschenden ins Leben gerufen wurde, die direkt mit Tieren arbeiten und somit die notwendige Nähe zum Thema haben. Das wollen wir auch so beibehalten. Forschende, die tatsächlich Erfahrung mit Tiermodellen haben, sollen die Zukunft von ERI3R aktiv mitgestalten und so zu einem transparenten Umgang mit 3R bei Tierversuchen beitragen“, betont Frey.
Einen weiteren Erfolg, den die Initiative bereits nach einem Jahr verzeichnen kann, ist der Startschuss für eine präklinische Biodatenbank in Erlangen. „Die Sammlung biologischer, präklinischer Proben – wie etwa Blut oder das Organ eines Versuchstiers – ist für die Forschung essenziell, da sie qualitativ hochwertige, standardisierte Proben bereitstellt und so valide, reproduzierbare Forschung ermöglicht und den Transfer von Grundlagenwissen in klinische Anwendungen verbessert“, sagt Zinser.
Präklinische Biodatenbanken erfüllen den Aspekt „Reduce“: Versuche können reduziert werden, da Bioproben nicht mehrmals aus einem Tier entnommen werden müssen. Außerdem können Forschungsteams auch solche Biomaterialien in die Sammlung geben, welche sie selbst für ihren Versuch nicht benötigt haben, die aber für ein anderes Forschungsprojekt von Bedeutung sind.
Enorme Fortschritte bei tierfreien Methoden
Die Ära der gänzlich tierversuchsfreien Forschung ist in der Medizin auf absehbare Zeit noch nicht erreicht. „Tierversuche sind vor allem dort notwendig, wo komplexe Wechselwirkungen im gesamten Organismus untersucht werden müssen“, erklärt Zinser. „Dazu zählen beispielsweise das Immunsystem, Stoffwechselprozesse oder systemische Erkrankungen wie Krebs oder neurologische Krankheiten. Auch in der Entwicklung und Sicherheitsprüfung neuer Therapien spielen sie weiterhin noch eine wichtige Rolle und werden teilweise sogar von Behörden gefordert.“ Auf EU- und nationaler Ebene gibt es darüber hinaus gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche, die der Prüfung der Sicherheit von Medikamenten und chemischen Stoffen dienen.
Dennoch gäbe es wichtige Fortschritte bei tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Frey erläutert: „In vielen Bereichen können heute Organoide, also Mini-Organe aus Stammzellen, Gewebepräzisionsschnitte oder das Organ-on-a-Chip-Modell eingesetzt werden. Besonders in der Tumorforschung oder bei Wirkstofftests lassen sich dadurch Tierversuche bereits heute durch tierversuchsfreie Verfahren ersetzen oder deutlich reduzieren. Alternative Versuchsmodelle ergänzen präklinische biomedizinische Forschung und bilden die methodische Grundlage eines modernen Forschungsvorhabens.“

Weitere Informationen:
PD Dr. Elisabeth Zinser und Prof. Dr. Benjamin Frey
ERI3R
eri3r@fau.de
