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Lass doch was gründen

Student auf Kran
Constantin Kauffmann hat am Digital Tech Fellows Program der FAU teilgenommen. Aus seiner Masterarbeit wurde eine Geschäftsidee: Objekterkennung mit Hilfe künstlicher Intelligenz soll die Arbeit auf Baustellen effizienter machen. Dafür macht er erste Probeaufnahmen der Baustelle von der Kranplattform. Foto: Theodor Konopatzki

Das Digital Tech Fellows Program der FAU

Mal erfahren, was es heißt zu gründen, darum geht es im „Digital Tech Fellows Program“ der FAU. 2020 fand es zum sechsten Mal statt. Über mehrere Monate haben 20 Studierende ihre Ideen zu Geschäftsmodellen entwickelt. Drei der fünf Teams sind so erfolgreich, dass sie im Laufe des Jahres ihr Start-Up gründen wollen. Die Digital Tech Academy, ein Teil der Gründungsberatung der FAU, hat sie dabei unterstützt.

„Ich konnte mir schon immer vorstellen, selbst mal zu gründen“

Franziska Niebler ist Teamleaderin von „Auenland“. Sie studiert im Master Marketing an der FAU. (Foto: Lena Hofmann)

Franziska Niebler hat die Chance genutzt. Sie studiert im Master Marketing an der FAU, arbeitete bereits als Werkstudentin in einem Start-Up und engagiert sich in einer Studierendenorganisation, die sich mit Gründung beschäftigt. „Ich fühle mich sehr wohl in diesem Start-Up-Umfeld und konnte mir auch immer schon vorstellen, selbst mal zu gründen. Aber obwohl ich aus dem Wirtschaftsbereich komme, haben wir in der Uni trotzdem nie wirklich gelernt, wie das funktioniert“, erklärt sie. Sie sei durch Freunde, die schon am Programm teilgenommen haben, auf die Digital Tech Academy aufmerksam geworden. Eine Geschäftsidee hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht, für die Bewerbung ist das nicht notwendig. Franziska Niebler arbeitete schließlich an der Idee eines anderen Fellows, die sie besonders überzeugt hat.

„In der Baubranche könnte man mit KI viele Probleme lösen“

Student steigt auf Kran

Um die Bedürfnisse der Kunden zu analysieren, besucht Constantin Kauffmann und sein Team „Oculai“ die Baustellen ihrer Kooperationspartner. Für den Überblick geht es auf den Kran. (Foto: Theodor Konopatzki)

Anders Constantin Kauffmann, er hat sich bereits mit einer konkreten Idee am „Digital Tech Fellows Program“ beworben. Er studiert Maschinenbau und beschäftigt sich in seiner Masterarbeit mit Objekterkennung mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI). „Während meiner Masterarbeit habe ich gesehen, wie viel Potenzial in diesem Thema steckt. Durch meinen Bruder bin ich dann auf die Baubranche gekommen, wo man mit Objekterkennung auch viele Probleme lösen könnte“. Mit dieser Idee hat er sich dann für die DTA beworben. Ob das Programm trotz Corona stattfinden könne, war kurz unklar. Aber Heike Nowak-Schwerdtfeger, die das „Digital Tech Fellows Program“ zusammen mit ihren Kollegen Klaus Konrad und Lisa Drescher organisiert, konnte die Studierenden beruhigen: „Es findet auf jeden Fall statt, no matter what“. Das Programm wurde dann kurzfristig virtuell umgestaltet.

20 Teilnehmer*innen aus 150 Bewerbungen ausgesucht

In dieser Runde haben sich von 150 Bewerbern 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bewerbungsprozess durchgesetzt. „Die meisten unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer studieren im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften oder an der Technischen Fakultät. Aber inzwischen waren alle Fakultäten schon mal im Programm vertreten“, erklärt Heike Nowak-Schwerdtfeger. Beim ersten Treffen stellten die Fellows ihre Ideen vor. Die besten zehn Vorschläge kamen eine Runde weiter. Bis zum nächsten Tag konnten sie sich überlegen, an welcher Idee sie gerne mitarbeiten möchten. So haben sich fünf Teams zusammengeschlossen.

Gemüse regional online verkaufen

Studierende in Garten

Die selbst entworfenen Boxen sind da. Ein Teil des „Auenland“-Teams testet den Prototypen und sucht nach Verbesserungsmöglichkeiten. (Foto: Franziska Niebler)

„Auenland“ ist das Projekt von Franziska Niebler und ihrem Team. Sie möchten kleinen Landwirtinnen und Landwirten eine Plattform geben, ihr Gemüse regional online zu verkaufen. Die bestellten Lebensmittel schicken die Bauern mit selbst entwickelten „Auenland“-Boxen direkt an die Kunden. Das Besondere ist das Social-Media-Marketing: „Wir wollen mit Rezepten und Fakten über gesunde Lebensmittel die Reichweite und Bekanntheit der Plattform und damit auch der Produkte erhöhen“. Dass sich das Team mit dem Social-Media-Marketing von anderen Wettbewerbern abgrenzen kann, haben sie im Marketing-Seminar des Programms festgestellt.

Recht, Finanzierung, Marketing oder Produktdesign

Während des kompletten Gründungsprozesses erhalten die Teams immer wieder Unterstützung von Heike Nowak-Schwerdtfeger und ihren Kollegen sowie vereinzelt externen Expertinnen und Experten zu Themen wie Recht, Finanzierung, Marketing oder Produktdesign. Aber nicht nur die thematischen Workshops, sondern auch die Teambuilding-Seminare, die individuelle Betreuung, das Netzwerk und die Struktur des „Digital Tech Fellows Programs“ haben zu positivem Feedback der Fellows geführt.

Bewegungsdaten auf Baustellen erfassen

„Oculai“, das Projekt von Constantin Kauffmanns Team, hat mit einem lokalen Bauunternehmen schon den ersten Partner für ein Pilotprojekt. Das Team hat Kameras auf den Baustellen angebracht, die möglichst jeden Winkel abdecken. Die KI einer selbstgeschriebenen Software erkennt einzelne Objekte wie Material oder Mitarbeiter und kann deren Bewegungen nachverfolgen. Aus den Bewegungsdaten lässt sich zum Beispiel ablesen, wie einzelne Bauprozesse ablaufen, wie lange eine Maschine im Einsatz ist und welches Material geliefert wird. Ziel ist es, Echtzeitdaten in aufbereiteter Form zu liefern, die dem Bauleiter zum Beispiel sagen, welche Prozesse ineffizient ablaufen und wo unnötige Kosten verursacht werden.

Erste Schritte im ZOLLHOF

Die Idee kommt bei Bauunternehmen so gut an, dass das Team von „Oculai“ dieses Jahr gründen möchte. Auch ZOLLHOF, ein Inkubator-Programm in Nürnberg, haben sie von ihrer Idee überzeugt. Das Team kann dort nun Büroräume und weitere professionelle Unterstützung zur Starthilfe nutzen. Der nächste Schritt ist die Bewerbung für das staatliche Gründerstipendium Exist. Damit würden sie finanzielle Unterstützung für ein Jahr erhalten. Constantin Kauffmann erklärt, sie wollen dieses Jahr nutzen, um so viele Pilotprojekte wie möglich zu starten, die eigenen Schwachstellen kennenzulernen und Investoren zu suchen. Auf die Hilfe der Gründungsberatung der FAU werden sie in dieser Zeit sicherlich auch noch zurückkommen. Manchmal kann er es selbst noch schwer glauben, dass aus seiner Idee ein so großes Projekt geworden ist, für das sich Unternehmen interessieren und das drei Leuten einen Vollzeitjob nach dem Studienabschluss ermöglicht: „Mit der Aussicht ist es dann auch in Ordnung, dass das ganze so viel Zeit frisst“.

„Wir müssten 40 Stunden pro Woche in unser Projekt stecken“

Genug Zeit, um die eigenen Ideen voranzubringen, war die Schwierigkeit von „Auenland“. Der Wettbewerbsdruck sei durch die Pandemie noch gewachsen. Online-Plattformen wie „Auenland“ seien gerade besonders gefragt. „Wir glauben immer noch an unsere Idee, allerdings kommt gefühlt jede Woche ein neuer Mitbewerber auf den Markt. Wir müssten eigentlich alle 40 Stunden pro Woche in unser Projekt stecken, damit es funktioniert“, erklärt Franziska Niebler. Manchmal sei es wegen Nebenjob, Familie oder Masterstudium sogar schwer geworden, einen Termin für das wöchentliche Teammeeting zu finden. „Der einzige freie Zeitslot für ein gemeinsames Zoom-Treffen war dann Mittwoch, um sieben Uhr morgens“. Deshalb liege das Projekt vorerst auf Eis, nach Weihnachten wolle sich das Team erneut treffen und über die Zukunft von Auenland sprechen.

Bäume in der Stadt effizienter gießen

Auch für die übrigen Teams ist die Arbeit am Start-up nach Ende des Programms nicht unbedingt vorbei. Die Ideen sind vielfältig, einige davon sogar schon im Einsatz. Das Team von „Smart City Greens“ hat Bodensensoren und eine Software entwickelt, um junge Bäume in Städten effizienter zu gießen. Bereits seit Mai letzten Jahres liefern erste Sensoren für die Stadt Erlangen Daten zur Bodenfeuchte. Im Sommer möchten sie sich auf das Exist-Gründerstipendium bewerben und ihren Kundenstamm weiter ausbauen. „Finalaize“ feilt auch weiter an seiner Idee. Mit einer KI sollen Unsicherheiten in Videogesprächen analysiert und mit Hilfestellungen ausgeglichen werden. Bei „Limmersio“, die eine Software zum Fremdsprachenlernen entwickelt haben, steht erstmal keine Gründung in Aussicht.

FAU-Programm „Existency“

„Wir werden unseren Teams auch in der nächsten Phase des Gründungsprozesses unter die Arme greifen“, versichert Heike Nowak-Schwerdtfeger. Kürzlich wurde dafür das FAU-Programm „Existency“ gegründet, das Gründerinnen und Gründern der FAU mit einer Geschäftsidee im Gründungsprozess unterstützt. Hilfe zur Entwicklung einer Geschäftsidee bietet Heike Nowak-Schwerdtfeger und das Team der Gründungsberatung auch 2021 wieder. Die Bewerbungsphase für das „Digital Tech Fellows Program“ im April 2021 läuft bereits seit November.

Weitere Informationen

  • Informationen zur DTA und zum Digital Tech Fellows Programm 2021: www.dta.fau.de

Ansprechpartnerin

Heike Nowak-Schwerdtfeger
Digital Tech Academy
nowak@fau.de
+49 9131 85 25923

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